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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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White Cat  - Holly Black Cassel Sharpe ist alles andere als ein typischer 17-Jähriger. Zum einen kommt er aus einer Familie von Fluchmagiern (ohne selbst einer zu sein), deren Tätigkeit längst verboten wurde und zum anderen hat er vor drei Jahren seine beste Freundin Lila umgebracht, ohne zu wissen, warum er es tat.
Seitdem hat er ein halbwegs ruhiges Leben geführt; so ruhig das mit der Schuld, einer Mutter, die wegen verwendeter Fluchmagie im Gefängnis sitzt, und einem Bruder, der einem nicht mehr in die Augen sehen will, eben geht. Doch eines Tages wacht er mitten auf dem Dach seiner Schule auf und anstatt seinen Beteuerungen, dass er sicherlich nur geschlafwandelt sei, zu glauben, hat die Schulleitungen zwei Vermutungen: Entweder er wollte Selbstmord begehen oder er wurde verflucht. Cassel wird für einige Zeit von der Schule suspendiert, in der er wieder bei seiner Familie leben wird, was mehr denn je die Gedanken an Lila zurückbringt. Es dauert nicht lange, bis Cassel seltsame Dinge auffallen, die ihn irgendwie zu involvieren scheinen. Irgendwas geht vor sich, das vor ihm geheim gehalten wird … ein Grund mehr, um der Sache auf den Grund zu gehen.


Das Beste an „White Cat“ ist sicherlich, dass hier so gut wie gar nichts so ist, wie es zunächst scheint. Zwar gibt es ein paar Details im Verlauf der Geschichte, die sich ab einem gewissen Punkt relativ leicht erahnen lassen, aber anderes kommt dagegen vollkommen unerwartet. Ein bisschen Paranoia ist bei diesem Buch wirklich keine schlechte Idee, und zwar während der kompletten Geschichte!

Abgesehen davon war Cassel von Anfang an eine interessante Figur. Er schien eigentlich ein ganz sympathischer Kerl zu sein, der zwar einen leichten Hang zu illegalen Tätigkeiten hat, aber der deswegen nicht gleich böse ist. Das passt natürlich so überhaupt nicht zu der Tatsache, dass er seine beste Freundin tötete – und warum überhaupt? Dadurch, dass selbst Cassel dies nicht weiß, kommt der Frage erst recht eine große Bedeutung bei und sie wollte mich von Anfang an nicht loslassen.
Cassel bleibt dabei nicht der einzige interessante Charakter, wobei natürlich nicht alle von ihnen sympathisch sind. Seine Mutter zum Beispiel wirkt in ihrer Art zwar durchaus amüsant, aber trotzdem nicht wie jemand, den ich allzu gern kennen wollen würde.
Am liebsten war mir dabei noch Cassels Familie, zu der außerdem sein Großvater, der Menschen mit einer einzigen Berührung töten kann, und zwei ältere Brüder gehören. Aber auch die Freunde sind nicht ohne und gewinnen während der Geschichte an Wichtigkeit.

Die Idee an sich hat mich ja schon überzeugt. Die Welt des Buches ist im Grunde genau die, in der wir leben – nur dass es eben Menschen mit besonderen Fähigkeiten, die Fluchmagier, gibt. Sie müssen nur die Haut anderer Menschen mit der bloßen Hand berühren und können ihre Magie wirken: Einige können Emotionen manipulieren, andere können Glück bringen, Magier wie Cassels Großvater töten und so weiter und so fort. Diese Menschen gab es schon immer, doch seit den 1920ern ist das Verwenden dieser Magie verboten. Die Menschen tragen tagtäglich Handschuhe und ein einfacher Händedruck ohne diese ist etwas sehr intimes.
Aufgrund des Verbots wurden einige Fluchmagier in die Illegalität getrieben, was mafiaähnliche Zusammenschlüsse zur Folge hat. Zu einem solchen gehört zum Teil auch Cassels Familie: Sein Großvater arbeitete für einen Mann namens Zacharov, so wie sein Bruder Philip dies nun auch tut.
Natürlich gibt es in dieser Hinsicht auch Kontroversen, denn Fluchmagier bedeutet nicht zwangsläufig, anderen Menschen Schaden zuzufügen und so wird nach wie vor von Glückfluchmagiern gerne Gebrauch gemacht. Optimal ist die Rechtslage also nicht und schon diesen Handlungstrang fand ich persönlich interessant, auch wenn er nicht im Vordergrund des Buches steht.

Das Einzige, was mir nicht ganz so zusagte, war bisweilen das Tempo. Langweilig war es nun wirklich nie, aber es dauert ein bisschen, ehe Cassel richtig auf Trab kommt und sich die seltsamen Ereignisse verdichten. Das Warten lohnt sich aber ohne jeden Zweifel, weswegen es sich auch gut verschmerzen lässt.


„White Cat“ ist ein immer wieder überraschendes Buch, das es sich bis zum Schluss nicht nehmen lässt, die Ereignisse wieder über den Haufen zu werfen. Die Geschichte braucht ein wenig, um in Gang zu kommen, aber sympathische und interessante Charaktere sorgen schon dafür, dass es nicht langweilig wird. Das kombiniert mit der Idee ergibt ein Buch, das definitiv Lust macht auf den nächsten Band!