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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Das Lied von Malonia: Roman - Catherine Banner Leo ist fünfzehn und lebt mit seiner Großmutter und seinem achtjährigen Bruder allein. Sein Vater war einst ein bekannter Schriftsteller, doch er musste mitsamt seiner Frau fliehen, als die neue Regierung diese Texte verbieten ließ. Die Kinder blieben zurück.
Inzwischen besuchen beide die Militärsakademie, um zu Soldaten ausgebildet zu werden, was keiner der beiden will. Da findet Leo eines Tages ein leeres Buch, das er – ohne genau zu wissen, warum – mit sich nimmt. Nach und nach tauchen dort Texte auf. Texte über den Sohn des ehemaligen und ermordeten Königs, der Malonia befreien soll. Texte über Leos Großonkel Aldebaran, ein Erleuchteter, der das beherrscht, was gemeinhin als Magie gilt. Während er noch über dieses Buch grübelt, geht das reale Leben weiter. Der Krieg mit dem Nachbarreich tobt weiter, das Stille Fieber zieht um und rafft einen nach dem anderen dahin – schließlich erkrankt auch Leos Bruder und sein Leben ändert sich schnell und schmerzhaft.
Derweil fristet der Prinz sein Leben in der Verbannung, in England. Dort lernt er auch Anna kennen, in die er sich verliebt. Doch soll es ihm nicht vergönnt sein, mit ihr zu leben. Er muss zurück nach Malonia, um endlich den Thron zu besteigen und seinen rechtmäßigen Platz einzunehmen.
„Das Lied von Malonia“ ist ein zugegebenermaßen schwieriges Buch: Es gibt einige Dinge, die dagegen sprechen, aber genauso Punkte, die absolut überzeugen.
Beginnen wir also mit dem Anfang – bereits da fällt auf, dass der Stil der Autorin recht holprig ist. Hauptsatz trifft auf Hauptsatz. Und noch einer. Und noch einer. Und noch einer, vielleicht mal ein Nebensatz. Und wieder ein Hauptsatz. Dieses Aneinanderreihen kurzer Sätze ist auf Dauer anstrengend. Wenn man es gut meint, könnte man es auf die militärische Erziehung Leos schieben, der ja Erzähler der Geschichte ist, doch meist redet er nicht so und leiden kann er all das schon gar nicht. Der Schreibstil wirkt einfach unausgereift, was sich im Laufe des Textes zum Glück etwas ändert, so dass das Lesen leichter geht.
Ein anderer Makel zieht sich leider durch das gesamte Buch: Stellenweise wirkt die Geschichte schlichtweg unlogisch und unklar. Das zeigt sich in vielem, zum Beispiel springen Leos Gedanken ab und an von einer Meinung zur anderen. War eine Geschichte für ihn in einem Moment noch wahr, so sagt er kurz darauf, dass alles erfunden sei. Beschließt er, ein Buch zu behalten, weil es mit Erinnerungen verbunden ist, so schmeißt er es kurz darauf weg. Angeblich ist es nun unwichtig, eine Aussage, die er zuvor selbst widerlegte. Leo beschließt ab einem gewissen Punkt, nie mehr zu sprechen – manchmal macht er es trotzdem, dann wieder meint er, er wolle nie mehr sprechen und schreibt die Dinge aber auf. Seltsamerweise verteufelte er kurz zuvor einen Mann, der nicht verstehen wollte, dass es Leo nicht nur ums Sprechen ging, sondern um die Kommunikation im allgemeinen ging. Aber warum schreibt er dann, warum spricht er doch, nur im nächsten Moment es wieder nicht zu tun, weil er angeblich nicht kann? Irgendwann wirkt er beziehungsweise seine Aktionen ein wenig unglaubwürdig. Es hat fast den Anschein, dass die Autorin teilweise vergessen hat, was sie zuvor schrieb. Es gibt noch ein paar Sachen mehr und gerade das ist es, was manchmal die Lust am Lesen nimmt.
Trotzdem wird es nicht langweilig. „Das Lied von Malonia“ baut nicht direkt auf Spannung auf, es wird eben Leos Leben geschildert, in dem die politischen Ereignisse zweitrangig und somit die Pläne des Prinzen und die Zukunft Malonias eher hintergründig sind. Aber es ist sein Leben und je mehr man den Charakter Leo kennenlernt, desto mehr will man erfahren. Anfangs sind die Einschübe über das Leben Aldebarans in England noch interessanter, doch Leo entwickelt sich mehr und mehr zu einem Charakter mit Tiefe, aber auch mit einer Düsterkeit, die furchtbar faszinierend ist. Spätestens mit Beginn der Liebesgeschichte zwischen dem Prinzen, der 15 ist, und Anna, die er gerade mal ein paar Tage kennt, lässt die Neugierde bei diesem Part nach. Leos Geschichte macht dies zum Glück wieder wett, denn trotz aller Widersprüche und Logikfehler zieht Leos Schicksal den Leser unweigerlich in seinen Bann. Was genau dazu beiträgt, wäre an dieser Stelle schon ein bisschen zu viel verraten, aber eins sei gesagt: Trocken bleiben die Augen hier nicht. Im Gegensatz zur Geschichte des Prinzen, bleibt der Leser von Blümchen und kitschiger (und unglaubwürdiger) Liebe verschont, die triste und grausame Seite des Lebens wird gezeigt. Hut ab, dass die Autorin das bereits in jungen Jahren so eindringlich und mit bereits genannten Abstrichen auch glaubwürdig schildern konnte!
Es ist wirklich schade, dass „Das Lied von Malonia“ zum Ende hin teils in eine Liebesgeschichte reinrutscht, die weder dem Alter, noch der Situation richtig angepasst zu sein scheint. An sich ist die Idee wunderbar – doch an der Umsetzung hapert es ganz schön. Womöglich irritieren auch die durch Cover und Klappentext hervorgerufenen Vorstellungen, die sich im Grunde überhaupt nicht mit dem decken wollen, was das Buch zu bieten hat. Malonia ist letztlich wie unsere Welt, nur weniger fortschrittlich. Es gibt bereits Schusswaffen, aber hätte man die nicht aus „unserer Welt“ nachgebaut, würde man noch mit Schwertern kämpfen. Das einzig Übernatürliche ist die „Magie“, die letztlich reine Willenskraft ist, aber dies könnte man auch in England antreffen. Außerdem geht der Fokus auf dem Prinzen verloren, eigentlich ist er nie präsent. Dies ist Leo Norths Geschichte. Und zwar nur seine.
Für eine wirklich gute Bewertung ist das Buch schlichtweg zu durchwachsen. Trotzdem möchte ich sagen: Versucht es. Es kann anstrengend sein, aber inhaltlich ist es das durchaus wert.