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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Reckless: Steinernes Fleisch (Reckless, #1) - Cornelia Funke Bereits seit Jahren besucht Jacob Reckless die Welt hinter dem Spiegel und immer konnte er sie vor seinem Bruder Will geheim halten. Doch dieses eine Mal gelingt es ihm nicht – Will begleitet Jacob in die Spiegelwelt. Prompt begegnen sie Goyls: Wesen, die aussehen wie Menschen, deren Haut aber aus Stein ist und deren Krallen dank dem Fluch der Dunklen Fee aus einem Menschen einen Goyl machen. Einer davon verletzt Will und fortan durchzieht Jade das Fleisch des kleinen Bruders. Immer mehr verwandelt es ihn in Stein und Will beginnt zu vergessen. Zusammen mit Fuchs, einer Gestaltwandlerin und Freundin von Jacob, und Clara, die Will liebt, machen sich die Brüder auf den Weg. Doch die Zeit vergeht schnell und so einfach lässt sich kein Gegenmittel finden. Was von Feen geschaffen wurde, kann nur von Feen wieder genommen werden. Doch wie soll Jacob sie überzeugen können? Zumal Will jener Jadegoyl wird, der laut einer Geschichte den König der Goyls unbesiegbar machen soll – und dieser ist der Geliebte der Dunklen Fee.
Jacob muss für seinen Bruder kämpfen, ohne genau zu wissen, wie hoch der Preis wird.
„Reckless: Steinernes Fleisch“ hält sich nicht mit langen Einleitungen auf, sondern steigt nach einer kurzen Vorgeschichte sofort in die Handlung ein. Auf Wills Haut zeigt sich längst der erste Stein und verzweifelt sucht sein großer Bruder nach einer Lösung, einem Heilmittel. Dieses Tempo verliert das Buch die ganze Zeit über nicht und so macht das flotte Lesen gleich doppelt Spaß. Das rasante Tempo sorgt ordentlich für Herzrasen und passt zudem auch bestens – die Charaktere müssen rasen. Sie haben keine Zeit!
Für den insgesamt wirklich sehr guten Eindruck ist aber auch die Handlung verantwortlich. Manche Begebenheiten sind leider etwas vorhersehbar, ansonsten hält das Buch immer wieder Überraschungen bereit. Auch Gefahren lauern den Reisenden nie zu wenige auf – die Märchenwelt ist ganz so, wie sie zu sein versprach: bezaubernd, wunderschön, aber auch unheimlich und lebensbedrohlich. Neben Elfen und Heinzeln gibt es nun einmal auch tückische Feen oder den Schneider, der seine Kleidung aus Menschenhaut anfertigt. Auch bekannte Märchen werden mittels magischer Artefakte oder in anderer abgewandelter Form eingebunden, gleiches gilt für Märchengestalten. Der Mix aus Bekannten und Neuem, der dabei herauskommt, ist mehr als nur gelungen. Unterstützt wird dies durch die wirklich schönen Zeichnungen, die am Anfang jedes Kapitels und manchmal auch am Ende auf den Leser warten.
Ebenso die Charaktere überzeugen. Zwar lernt man Will kaum kennen, dafür Jacob und vor allem Fuchs umso besser. Es liegt freilich auch am Interesse des Lesers, bei wem man genauer liest, wen man denn besser kennen möchte. Grundsätzlich ist dies bei allen Reisenden möglich. Ob nun der ruhelose Jacob, die ruhige Clara oder die bissige Fuchs – sicherlich wird jeder seinen Charakter leicht finden.
Der beinahe einzige und auch größte Kritikpunkt ist leider die Erzählweise. Wenngleich die Sprache sehr schön und bildlich ist und immer mehr zum Träumen einlädt, mangelt es bei der Erzählweise. Teilweise ist es unklar, wer genau der Erzähler ist – wenn der Wechsel nach einem Kapitel stattfindet, ist dies kein Problem. Manchmal ist dies jedoch ein wenig inkonsequent. Während bisher Jacob der Fixpunkt des Erzählers war, wechselt dieser kurz zu Will, nur damit es kurz danach wieder Jacob oder jemand anders sein kann. Das stört und ärgert ein wenig.
Nichtsdestotrotz ist „Reckless: Steinernes Fleisch“ eine wunderbare Geschichte, die auch am Ende noch genügend Konflikte und verborgene Details bereit hält, damit auch das nächste Abenteuer so wunderbar spannend sein kann. Mit jeder Seite, die man liest, taucht man mehr in die faszinierende Welt ein, die von Märchengestalten bevölkert wird und gleichzeitig der nüchternen Parallelwelt der Menschen entgegeneifert.
Perfekt ist dieses Werk nicht, weswegen es nur viereinhalb Punkte gibt. Der Zukunft dieser Reihe kann man jedoch mit Freuden entgegensehen.