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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Kelley Armstrong
Beastly (Kendra Chronicles, #1) - Alex Flinn, Sonja Häußler Kyle Kingsbury führt so etwas, was manch einer wohl als perfektes Leben bezeichnet: Sein Vater verdient viel Geld und ist selten da, Kyle selbst sieht unglaublich gut aus, erfreut sich deswegen größter Beliebtheit und im Grunde kann er machen, was er will. Zumindest bis Kendra auftaucht; sie ist scheinbar hässlich und stellt sich gegen Kyle. Nur um ihr eins auszuwischen, verabredet er sich mit ihr für einen Ball, allerdings in der Absicht, sie dann vor allen sitzen zu lassen. Doch genau damit hat er seine Chance vertan – Kendra ist eine Hexe und verflucht ihn, fortan soll er als Monster, hässlich und grauenerregend, durch die Gegend ziehen. Ein kleiner Lichtblick sei ihm jedoch gegeben: Kurz vor dem Ball schenkte er einem Mädchen eine weiße Rose – weil er sie nicht brauchte, weil es ihm egal war. Diese eine – einzige – gute Tat ist der Grund, warum er zurückverwandelt werden kann: Er muss nur die Person finden, die ihn trotz allem liebt und einen Kuss schenkt.
Nach etlichen Anfragen bei Ärzten, ob man das Problem chirurgisch beseitigen kann, geben Kyle und sein Vater auf. Letzterer verfrachtet seinen Sohn in ein anderes Haus, das Kyle nunmehr nicht verlassen soll, lediglich das Hausmädchen Magda und der blinde Student Will sind ihm zur Seite gestellt ; und Kyle sucht und sucht und sucht … wird er die wahre Liebe finden?

Wie allgemein bekannt ist, ist „Beastly“ eine Neuerzählung von „Die Schöne und das Biest“. Es hält sich auch recht gut an die Vorlage – zwar ist es nicht so, dass der Vater wie im Volksmärchen dem Biest das erstbeste Lebendige verspricht, das ihm entgegenkommt und nicht alle Charaktere entsprechen dem Märchenklischee. Dennoch ist „Beastly“ eine schöne moderne Variante, ein ausgedehntes Märchen mit ein paar neuen Schwerpunkten, das Spaß macht.
Auch eigenständiges Buch hat es durchaus was zu bieten. Kyle ist anfangs – gelinde gesagt – ein ziemliches Arschloch. Allerdings ist es irgendwo verständlich – seine Freunde schreien von Anfang an vor Oberflächlichkeit und wie will ein Vater, der kaum zu Hause ist, dann auch nie zuhört und selbst überzeugt ist, dass das Aussehen alles ist, pädagogisch wertvoll auf seinen Sohn einwirken? Nicht dass das Kyle irgendwie sympathischer macht, aber es liefert Begründungen für sein unmögliches Verhalten.
Dann aber ist Kyle ein Biest – haarig und schaurig – und aus ist’s mit dem perfekten Leben. Mit der Zeit ändert sich Kyle; er merkt, wie wahr seine Freundschaften eigentlich waren, dass das Aussehen nicht das A und O ist, dass es noch mehr gibt. Ich empfand seine Wandlung als sehr schön, vor allem da er später richtig liebenswert wurde – und somit ein Charakter wurde, dem das Beste gewünscht wird, der zum Mitfiebern einlädt. Ohnehin birgt „Beastly“ ein paar sehr liebenswerte Charaktere, auch wenn sie lediglich gestreift werden. Namentlich sind das Magda und Will, so gesehen Kyles – beziehungsweise Adrians, wie er sich später nennt – gute Feen, die ihm zur Seite stehen und ihn unterstützen. Beide sind wie inzwischen auch Adrian vom Leben gezeichnet – der eine blind, die andere fern der Heimat.
Manchmal habe ich mir fast ein wenig mehr von ihnen gewünscht, bei jemand anderes wünsche ich mir das immer noch: Kendra. Sie ist nicht die böse Hexe, die Adrian Böses will; eigentlich ist sie ein ebenso liebenswerter Charakter und meines Erachtens bekommt sie viel zu wenig Platz in dieser Geschichte.
Sprachlich ist das Ganze okay, nicht schlecht, aber auch nicht herausragend. Fakt ist aber, dass es sich sehr leicht und schnell weglesen lässt; gerade mal einen Abend hat es gedauert, bis ich mit dem ganzen Buch durch war. „Beastly“ ist also bestens geeignet für ein paar nette Stunden zwischendurch, einfach für ein bisschen Entspannung.
Inhaltlich ist das Buch ebenso wenig schwierig. Glücklicherweise ist es keine reine Romanze, denn ehe Adrian erst einmal die Richtige findet, die er von sich überzeugen muss, dauert es eine ganze Weile. Die Art, wie sie ihren Weg dorthin findet, ist zwar ziemlich abstrus, allerdings – gemessen daran, dass es einem Märchen nachempfunden wurde, ist dies kein wirklicher Kritikpunkt. Ja, manches ist kitschig und auch unlogisch, aber so war das ja schon immer. Und allzu sehr überwiegt es auch nicht – Kendra ist nicht nur die böse Hexe, Kyle ist nicht der Prinz, der alles hat und Linda auch nicht unbedingt die Schöne. Die Märchen werden immer wieder aufgegriffen, gewinnen aber auch nicht die Oberhand.
In Verbindung damit möchte ich die eingestreuten Chatprotokolle erwähnen. Adrian chattet immer mal mit anderen Leuten, großes Thema ist ihre Verwandlung und die damit einhergehenden Probleme. Dort finden wir die kleine Meerjungfrau, die für die Liebe und einen menschlichen Körper ihre Stimme geben will, da ist ein einen Frosch verwandelte Prinz und auch der in einen Bären verwandelte Prinz. Wir alle kennen ihre Geschichten, aber diese Protokolle locken den eigentlichen Plot weiter auf, weil einfach mitgefiebert werden muss. Und wie wir wissen – nicht alles davon geht gut aus. Niedlich fand ich ja auch das stetige Beharren darauf, dass es sich bei einer Person um Schneeweißchen und nicht Schneewittchen handelt, wenngleich das Ganze eher nur auf Englisch funktioniert: Da heißen nämlich beide Snow White.

„Beastly“ bietet also trotz der recht häufig aufgegriffenen Vorlage immer noch Neues, wenngleich auch die Märchenelemente Einzug in die Geschichte finden. Wer mit nicht immer ganz logischen Handlungen zurecht kommt und einen Protagonisten sucht, der einen Wandel durchläuft (und Rosen mag), der ist hier goldrichtig!