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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Sturm Im Elfenland - Susanne Gerdom, Frances G. Hill Als Ivaylo eines Abends aufwacht, sind Fremde da; Fremde, die seine Eltern töten wollen. Als er dazwischen gehen will, wird er gefangen genommen – hinterher erinnert er sich an kaum was.
Einer seiner Fänger – Munir – umso besser – Ivaylos Eltern wird vorgeworfen, ein Dämonentor öffnen zu wollen und damit das Leben des Königs zu bedrohen. Dieser hat durch Magie bereits seine Familie verloren und es allen Elfen verboten zu zaubern.
Als über Ivaylos Schicksal beraten wird, setzt sich Munir für ihn ein, kümmert sich um ihn, bringt ihn zu Ivaylos Onkel und Tante. Dort trifft der junge Elf auf Alana, seine quirlige und lebensfrohe Cousine, die ihn anfangs so gar nicht leiden kann.
Doch als die Kinder heimlich etwas über Magie lernen sollen, finden die beiden doch noch zueinander. Ivaylo findet einen Weg, wie die bis dahin magisch unbegabte Alana doch noch ihre Kräfte verwenden kann. Das Misstrauen weicht, bis Freundschaft diesen Platz einnimmt. Doch eines Tages ist Ivaylo verschwunden – gerade jetzt! Das Winterfest im Königsschloss steht an, doch viel wichtiger: Alana ist mit der Aufgabe überfordert, einen gemeinsamen Freund zu helfen; außerdem wird von verwirrenden und schrecklichen Bildern geplagt, die sie nicht recht zu deuten weiß, die aber Kampf und Blut erahnen lassen – wie kann Ivaylo sie da im Stich lassen?

Ich erwartete ein Buch für eher jüngere Leser, wurde aber vollkommen davon überzeugt, dass dieses Buch definitiv auch was für ältere Leser ist.
Es beginnt schon sehr düster – Ivaylos Eltern sollen getötet werden. Und auch wenn die jungen Charaktere – allen voran Alana – das Ganze wieder etwas abschwächen, behält sich „Sturm im Elfenland“ stellenweise eine gewisse Ernsthaftigkeit und Düsternis bei, die überzeugt. Hinzu kommt, dass sie Handlung überraschend komplex ist – es gibt zwei parallele Handlungen: Einmal die Ereignisse rund um Alana und Ivaylo, die anfangs noch ruhiger sind. Der Leser bekommt Zeit, einige Charaktere kennenzulernen und sich vage Meinungen über sie zu bilden; bis es dann losgeht mit der Magie und sich damit auch die Geheimnisse, die Vermutungen und das Misstrauen häufen.
Dann gibt es noch Munir, der als Ich-Erzähler auftritt und schildert, was außerhalb geschieht. Zusammen mit dem König der Elfen zieht er durch’s ganze Land, um immer häufiger auftauchende Dämonenportale zu schließen. Irgendjemand wendet heimlich Magie an, droht Dämonen in diese Welt zu holen – denn die wenigsten sind wirklich mit dem Magieverbot einverstanden. Magie brauchen Elfen wie Luft. Diese Szenen bringen den Ernst der Lage die nötige Aufmerksamkeit und sind fähig, dem Ganzen eine etwas düstere Atmosphäre zu verleihen. Schon die Dämonenportale – die eigentlich Elfen sind, aber aus Nichts zu bestehen scheinen – sind wirklich gruselig und furchtbar schwer zu fassen.
Diese beiden Stränge werden erst zum Winterfest zusammengeführt, wo die Charaktere, die Intrigen, die Geheimnisse und Mysterien aufeinander treffen und der Höhepunkt des Ganzes auf den Leser wartet. Und ohne zu viel verraten zu wollen: Das Ende kann sich sehen lassen! Herzklopfen ist garantiert, Wehmut ebenso, Entsetzen, Angst … alles dabei. Und am Ende … das muss selbst gelesen werden.
Interessant hierbei ist, dass der Leser immer mehr weiß als die Protagonisten – aber nie zu viel. Zwar ist es leicht, vorauszuahnen, wer hinter allem steckt, und normalerweise wäre dies ein Kritikpunkt. Doch hier nicht, denn trotz allem wird nie zu viel bekannt gegeben, so dass immer etwas bleibt, das einen bangen und hoffen lässt. Außerdem hat es den netten Nebeneffekt, dass die unwissenden Charaktere Dinge tun (oder nicht tun), die den Leser die Haare raufen lassen und ihm den letzten Nerv rauben. Ein geschickter Zug der Autorin also, der eine Mitfieber-Garantie bietet.
Glücklicherweise wurden auch nicht nur die üblichen Elfenbilder bedient, sondern eigene Ideen eingebracht, die einen frischen Wind bringen. Neben Elfen und Zwergen gibt es ebenso Dämonen, Zentauren und sicherlich noch jede Menge Geschöpfe mehr, die hier keine Erwähnung fanden. Natürlich wird das Rad hier nicht neu erfunden, aber die Geschichte hat immer noch etwas Eigenes, und das gefällt.
Sprachlich wird die Handlung wirklich gut wiedergegeben. Keineswegs zu einfach, sondern angenehm und schnell fließt der Text vorüber, spart nicht an bildhaften Beschreibungen, die ein Vorstellen gut möglich machen und gibt alles genau so wieder, dass es passt. Unheimliches wirkt verstörend, leichte Szenen laden zum Lachen ein, andere wiederum zu Grübeln. Die Sprache überträgt die Stimmung und ist dabei überraschend reif.
Um noch mal auf die Charaktere zurückzukommen: Es sind viele dabei, die schlichtweg herzallerliebst sind. Es bedarf einer kleinen Aufwärm- und Kennenlernphase, doch dann können Ivaylo und Alana, der Zwerg Sverre und gar Munir und Auberon (der Elfenkönig, der die Magie verbot) ins Herz geschlossen werden. Einige Charaktere werden leider nur sehr knapp behandelt, aber dies betrifft nur die, die weniger für die Handlung vonnöten sind – aber dadurch, dass die, die sie lieben, sehr sympathisch sind, ist es leicht vorstellbar, dass auch die anderen gemocht werden würden. Und selbst wenn nicht – mit den anderen Charakteren kann genug gelitten und gekichert werden, da macht das weniger aus.
Einzig und allein der Mittelteil zieht sich spannungstechnisch etwas. Da das aber der einzige Kritikpunkt meinerseits sein kann, fällt es auch nicht weiter ins Gewicht.

„Sturm im Elfenland“ ist ein überraschendes, mitreißendes Abenteuer, an dem beinahe nichts auszusetzen ist. Es ist ein Buch zum Spaßhaben und Fürchten gleichermaßen und bietet dabei eine interessante Mischung, die sich sehen lassen kann. Deswegen: Es ist nicht perfekt, aber ihr solltet es unbedingt lesen!