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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Seelennacht (Die dunklen Mächte, #2) - Kelley Armstrong, Christine Gaspard Rezension enthält Spoiler! (Ehrlich! ;D)

Derek, Simon, Rae und Chloe sind aus Lyle House geflohen, doch sie wurden verraten. Nun sind Derek und Simon irgendwo da draußen, während Chloe und Rae bei der Edison Group festsitzen – ausgerechnet Chloes Tante hat sie ausgeliefert.
Während Rae gut mit der Situation klarzukommen scheint, sucht Chloe nach einem Weg, um zum verabredeten Ort zu kommen, von wo aus sich die Gruppe wieder gemeinsam durchschlagen wollte. Doh sie ist kaum einen Moment unbeobachtet, Liz’ Geist kann nicht recht akzeptieren, was er nun ist und ein gestaltloser Dämon erzählt Chloe Dinge, die sie kaum glauben will. Dass sie alle – Derek,Simon, Rae, Liz, Tori, sie selbst und viele mehr – Teil eines genetischen Experiments waren, das schiefging. Einige besitzen unkontrollierbare Kräfte, und müssen daher entweder „geheilt“ werden oder eben – ermordet.
Von unerwarteten Seiten erhält Chloe schließlich Unterstützung und kann fliehen. Doch auch dann ist noch längst nicht alles überstanden: Die Edison Group ist hinter ihnen her, ihr einziger Anhaltspunkt ist Simons Vater, doch wo steckt er? Und dann wären da noch die Kräfte … wenn allein Chloe selbst im Schlaf Seelen in ihre verwensenden Leichen zurückzerren kann, was wird dann noch passieren?

„Seelennacht“ setzt genau da an, wo „Schattenstunde“ endet, was gut ist, zumindest wenn man direkt nach Teil 1 damit weitermacht. Der sofortige Eintritt in die Handlung ist schön und angenehm. Wer braucht schon zig Einleitungen, wenn alles aus dem Vorgängerband bekannt ist? Trotzdem sind ein paar kleine Wiederholungen eingebaut, die denen, die etwas Zeit zwischen den Büchern verstreichen ließen, sicherlich sehr behilflich sind. Sie stören auch nicht weiter, sondern fügen sich ins Gesamtbild ein.
Was dann folgt, ist eine wunderbar spannende Handlung, bei der nichts irgendwie vorhersehbar oder langweilig wird. Die Reise der anderen ist ungewiss, was die ganze Zeit über sehr deutlich zu spüren ist. Sie haben zwar eine grobe Richtung, aber was passiert – ob sie doch noch geschnappt werden oder nicht, ob sie alle durchkommen – kann keine wissen. Sie selbst noch am wenigsten, und so kann alles mit regem Interesse verfolgt werden.
Glücklicherweise wird auch nichts, wie es so oft passiert, durch eine zusätzliche Liebesgeschichte gestört. Gegen eine solche ist rein grundsätzlich nichts einzuwenden, allerdings passiert es viel zu schnell, dass der Fokus darauf liegt statt auf der Hauptgeschichte. „Seelennacht“ kommt ohne aus, auch wenn unterschwellig durchaus etwas angedeutet wird – vielleicht ein neuer Aspekt für den dritten Band, der nett wäre, aber nicht sein muss. Gerade das Stillsein passt gut zur Situation der Figuren und lässt ordentlich Platz für Spekulationen – und Träumereien; es ist leise und wunderbar.
Was fehlt, sind für mich allerdings ein paar mehr Informationen über die Fähigkeiten der anderen. Es kommt zwar einiges ans Licht, aber längst nicht so viel, wie ich es mir gewünscht hätte. Das mindert den Lesespaß aber herzlich wenig, es ist ein verzeihliches Manko, zumal einige ungeklärte Fragen und die allgemeine Ungewissheit nur Lust auf das Finale machen.

Besonders schön sind dafür auch wieder die Charaktere. Ebenfalls erfreulich ist ein kleiner Konstellationswechsel, so dass auch Tori näher beleuchtet wird, die im ersten Teil noch eine klare Randfigur war. Auch jetzt steht sie natürlich nicht im Mittelpunkt, aber man sieht ein wenig mehr von ihr, lernt sie etwas kennen; auch wenn man von einem Einblick in ihren Charakter noch entfernt ist. (Und ob es sie sympathischer ist als zuvor, ist noch eine ganz andere Frage.)
Ganz vorn stehen aber wieder Derek und Chloe, beide eigenständige Charaktere mit ihren Geschichten, ihren Gedanken, Pros und Cons … so wie Charaktere eben sein sollen, wenn sie zum einen gemocht werden sollen und zum anderen auch nahe gehen, statt nach der letzten Seite vergessen zu werden. Nach dem ersten Band lernt man die beiden – und auch Simon und Tori, logisch – besser kennen, erfährt mehr über sie. Ich für meinen Teil bin nach wie vor schwer begeistert von den beiden! (Vielleicht wünsch ich mir auch nur einen Derek … ist selten vorgekommen, dass ausgerechnet der Kerl mit Akne mein Liebling wird. Spricht für ihn, oder?)

Fehlt eigentlich nur noch die Sprache … ich kann nicht behaupten, dass sie sich verbessert hätte. Der Text ist nach wie vor angenehm zu lesen und auch Chloes sarkastische Art kommt gut rüber – wie das im Vergleich zum Original aussieht, kann ich natürlich nicht sagen.
Aber das „yeah“ kommt seltener vor, eine klare Verbesserung. Es lieg keineswegs daran, dass die Übersetzerin ihre Liebe zum stinknormalen „ja“ gefunden hat, sondern weil es im Original schlicht und einfach seltener vorkommt. (Oder es wurde ausgespart, was ich an dieser Stelle bezweifeln möchte.) Somit ist der Aufregungsfaktor ein wenig abgeschwächt, auch wenn das wohl weniger beabsichtigt war.

Der zweite Teil steht seinem Vorgänger in nichts nach, was die Spannung und die tollen Charaktere angeht. War „Schattenstunde“ noch das Erkennen ihrer Fähigkeiten, beinhaltet „Seelennacht“ im großen und ganzen die Flucht, die – in ihrer Art, wie sie dargestellt ist – große Lust macht auf den dritten Teil, nun womöglich den Kampf?
Ein paar mehr Enthüllungen hätten dem Buch nicht geschadet, so fehlte mir am Ende ein wenig etwas, aber ansonsten kann ich wieder nur sagen: ein großartiges Buch!