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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Königsmörder (Königsmacher, Königsmörder, #2) - Karen Miller, Michaela Link „Königsmörder“ setzt da an, wo „Königsmacher“ endete: Die Königsfamilie schoss mit ihrer Kutsche über einen Abgrund hinaus – was Asher, Darren und die anderen im Turm natürlich noch nicht wissen. Erst später reiten Asher und Matt besorgt los, um der Katastrophe als erste zu begegnen: Einzig und allein Gar und Durm haben überlebt, bei letzterem ist auch das nicht ganz sicher. Gar – der Dorane, der bis vor kurzem keine Magie besaß und als „Krüppel“ bekannt war – muss König werden, das Wettermachen erlernen und Barls Mauer vor dem Zerfall bewahren.
Keiner von ihnen weiß: Das Böse ist längst in Lur angelangt, bereit alles zu tun, um die Mauer niederzureißen und den Weg für die Dämonen zu ebnen. Asher ist die letzte Chance von Lur, er als Unschuldiger Magier ist die letzte Hoffnung – was aber auch nur wenige wissen und Asher schon gleich gar nicht.
Er verzweifelt derweil nicht nur an den lächerlichen Problemen einiger Bürger Lurs, sondern auch an Gar, dessen Notlage wahnwitziger nicht werden kann: Lur braucht einen Wettermacher. Gars Magie spielt verrückt. Und Asher kann Magie wirken. Dabei ist es Olken strengstens verboten, sich an doranischer Magie zu versuchen. Schon jetzt muss Asher entscheiden – rettet er seine eigene Haut oder rennt er blindlings in sein Verderben, für einen Freund?

In „Königsmörder“ ändert sich einiges, aber nicht alles. Der Grundtenor des Buches wird deutlich düsterer, weniger beschwingt und unterhaltsam. Das ist vollkommen logisch – der König und die Königin sind tot, ebenso die Prinzessin, die bisher als zukünftige Wettermacherin ausgebildet wurde. Gar steckt noch mitten in der Entwicklung seiner Fähigkeiten, doch auch der Meistermagier schwebt in Lebensgefahr, kann ihn nicht weiter unterrichten. Er trauert um seine Familie, fürchtet um seinen Lehrer und muss verhindern, dass der machthungrige Conroyd Jarralt auch nur sein neuer Meistermagier – oder gar der neue König wird. Eine denkbar bedrückende Stimmung, die sich auf das komplette Buch überträgt.
Zwar sorgt Asher nach wie vor mit seiner ganz eigenen Art und seiner Genervtheit während einiger politischer Belange für eine gewisse Heiterkeit, doch diese setzt sich keineswegs durch. Genauso ist die Beziehung zwischen Gar und Asher keineswegs mehr so schön wie vorher, was schlecht als Kritikpunkt angebracht werden kann – es ist eine logische Konsequenz der Ereignisse -, aber es ist schade.
Für andere Charaktere sieht es auch nicht besser aus. Sorgte Matt einst für warme Momente, ist er nun von Sorgen zerfressen, nicht zuletzt wegen Dathne – die kann ihre Gefühle Asher nicht länger leugnen (beziehungsweise will es nicht) und sorgt damit für weitere Sorgen beim Leser. Immerhin gibt es da entscheidende Details à la „Asher, du bist der Unschuldige Magier und musst uns alle retten!“, die sie ihm weiterhin verschweigt – keine gute Voraussetzung für eine funktionierende Beziehung.
Nicht zu vergessen Willer, die „schmierige kleine Meeresschnecke“, die auf Geheiß von Jarralt nach Beweisen sucht, mit der sie Asher vernichten kann – die es sehr wohl gibt, wie der Leser leider weiß.
Und zum Schluss auch noch Morg – machthungriger als alle anderen und vollauf damit beschäftigt, das Königreich zu stürzen. Das alles ergibt ein ziemlich unschönes Geflecht, das nach besten Wissen und Gewissen ungute Gefühle verbreitet.
Leider nutzt die Autorin diesen Umstand zu lange aus. Es ist vollkommen klar, dass etwas passieren wird und es ist kaum möglich, nicht zu lesen, aber irgendwann … ist ein Punkt erreicht, bei dem es langsam losgehen sollte. Davon kann in „Königsmörder“ nicht wirklich die Rede sein – es ist ähnlich wie in „Königsmacher“, auch wenn mehr passiert, immer weitere Ereignisse die absolute Katastrophe einleiten. Aber der große Knall lässt lange auf sich warten und dafür ist in dem Buch – trotz der knapp 700 Seiten – nun wirklich kein Platz. Es dauert viel zu lang, ehe das, was beim Klappentext erwähnt wird (der Verrat Ashers) tatsächlich passiert und auch danach zieht sich alles etwas hin. So kommen die ganzen Enthüllungen, Ashers Vorbereitungen auf den Kampf und dieser selbst wieder erst ganz am Ende, wenn auch nicht auf der letzten Seite wie im Vorgängerband. Das ist etwas enttäuschend, zumal so die Untergangsstimmung zwar durch das furchtbare Wetter irgendwie vermittelt wird, aber kaum richtig rüberkommt.
Trotzdem – das Ende haut rein, irgendwie. Die Autorin ziert sich nicht vor Verlusten, immerhin ist das hier ein Kampf Gut (beziehungsweise „Besser“) gegen Böse. Es können nicht alle unverletzt durchkommen. Es geht nicht – so sehr es mir an mancher Stelle auch das Herz gebrochen hat.
Genauso „gefreut“ hat mich, dass Morg zwar der große Widersacher war, aber keiner von der Sorte, bei dem alles klappt. Es läuft ja nicht selten so: Der Böse hat seine Pläne, die Guten zu Fall zu bringen und das haut auch alles so hin, bis auf das Ende, denn die Guten gewinnen schließlich. Doch hier strauchelt auch Morg, seine Pläne stellen sich als fehlerhaft heraus, er macht Fehler, hat Probleme, die er lösen muss, die ihn zum Umdenken zwingen. Auch er hat Mühe und Not, sein Ziel zu erreichen und das fand ich wirklich schön. So blieb das Bangen erhalten, wie es weitergeht, ob Lur vielleicht doch Glück hat (so irrational dieser Gedanken auch war – wo bliebe dann die Spannung im Buch?) oder ob Morg es doch schafft, den Untergang einzuläuten. Leider taucht am Ende eine kleine Unstimmigkeit auf, mit der ich hier nicht rumspoilern möchte, die mich aber immer noch vor ein Rätsel stellt.
Sei’s drum: Langweilig wird es also auch nicht richtig und scheinbar ging die Übersetzung dieses Mal leichter von der Hand – zumindest fielen weniger seltsame Wendungen und Fehler auf. Nur einmal wird ein Name plötzlich anders geschrieben und auf Seite 209 „würgt“ jemand wütend; ein wenig ärgerlich, aber verzeihbar.

„Königsmörder“ lässt ein wenig die Heiterkeit von „Königsmacher“ vermissen, was aber nur logisch ist bei den Entwicklungen innerhalb des Buches. Allgemein wird es etwas düsterer, doch leider lässt die finale Konfrontation viel zu lange auf sich warten und kommt dann auch noch viel zu kurz. Dennoch: Auch der zweite Teil liest sich spannend, wenngleich es auch keine leichte Kost mehr ist. Insgesamt eine kleinere Verschlechterung zu Band 1 also, aber dennoch lesenswert, vor allem für die, denen Happy Ends nicht ganz geheuer sind.