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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Die dunklen Mächte: Schattenstunde: Roman (PAN) - Kelley Armstrong Chloe Saunders ist klein, blond, eine der wenigen, die Darstellende Künste belegt und keine Schauspielerin werden will … und sie sieht Geister. Nur weiß sie das nicht.
Es wird ihr aber relativ eindringlich bewusst, als sie auf einmal ein ihr unbekannter Hausmeister verfolgt, mal in normaler Gestalt, mal als recht deutliches Verbrennungsopfer. Chloe ist vollkommen überfordert mit der Situation und rastet aus – weil sie dabei eher unabsichtlich einen Lehrer verletzt, verlangt die Schule, dass sie für einige Zeit betreut wird. So kommt sie ins Lyle House, eine Art Heim, in dem psychisch kranke Teenager betreut werden – oder?
Während man ihr einzureden versucht, dass sie schizophren ist und sie es allmählich selbst glaubt, wollen die Geister noch lange nicht verschwinden. Die einen rufen sie, andere sind ihr viel zu bekannt, um sie nicht zu erschrecken.
Aber auch ihre diesseitigen Gefährten um Lyle House geben ihr das ein oder andere Rätsel auf. Allen voran der unfreundliche Derek, der mit seinem Ziehbruder Simon dort ist. Er selbst erhält übermäßig viele Stunden mit der Psychologin, während Simon nie mit ihr spricht. Und er versucht ihr sehr beharrlich klarzumachen, dass es noch eine andere Erklärung für das gibt, was sie sieht. Chloe soll eine Nekromantin sein.

Ich will mal mit der negativen Kritik anfangen, da sie kurz sein wird. Aber immerhin so herb, dass deswegen ein halber Punkt in der Bewertung verloren geht. Eigentlich kann die Autorin selbst absolut nichts dafür, schuld ist Christine Gaspard. Wer den Namen kennt, wird sicherlich wissen, worauf ich hinaus will.
Yeah, das werdet ihr ganz sicher.
An sich ist die Übersetzung angenehm zu lesen, ich hatte keinerlei Probleme damit, auch wenn ich den Vergleich nicht ziehen kann. Ich hab das Buch ohne Mühe an zwei Tagen durchlesen und Chloes Sarkasmus genießen können – wäre der Stil holprig oder anderweitig schlecht gewesen, hätte ich das nicht gekonnt. Alles in Ordnung also, wäre da nicht dieses vermaledeite „yeah“. Das klingt im Original natürlich, passt eben. Ich erwisch mich ja selber, wie ich statt „yes“ doch mal „yeah“ sage – alles in Ordnung. Allerdings trifft das nur auf die englische Sprache zu, im Deutschen sieht das Ganze etwas anders aus.
Natürlich sind Chloe und die anderen keine Deutschen und dass man Sachen wie „Bro“ so lässt, verstehe ich ja. Wer sagt schon „Bru“? Aber das Ganze soll doch möglichst natürlich klingen und einfach zu lesen sein, oder? Warum also „yeah“ im deutschen Text? Sollen Leser jedes Mal genervt aufstöhnen, wenn ihnen das Wort über den Weg läuft? Ich weiß wirklich nicht, wieso es im Text gelassen wird und scheinbar niemand im Verlag was dagegen hat. Es scheint wirklich eine Eigenheit der Übersetzerin zu sein, da es mir in anderen Büchern schon begegnete. Demnächst guck ich vorher nach der Übersetzerin, ehe ich mir die Bücher zulege, denn es nervt. Wirklich.

Aber nun mal zum Buch, zum eigentlich wichtigen. Das Buch an sich ist klasse, da kann man nichts sagen. (Gut, kann man. Ich aber nicht.) Ich war eigentlich sofort verliebt, als ich bemerkt hab, dass Chloe stottert, wenn sie nervös wird. Wir kennen sie ja alle, die sympathischen, aber manchmal doch zu perfekten Heldinnen einer Geschichte. Manchmal mit schlimmen Hintergrund, manchmal nicht die Beauty Queen. Aber wie viele von ihnen haben einen Sprachfehler? Ich war hin und weg. Weiter ging es, als angeführt wurde, dass Chloe zwar Darstellende Kunst belegt, aber keine Schauspielerin werden möchte. Vielmehr interessiert sie die Arbeit des Regisseurs und überlegt sich zu den unmöglichsten Situationen einen kleinen Film, wie sie es in Szene setzen würde, wie die Schauspieler agieren müssten … ich musste ein wenig an eine Freundin denken, was das Ganze für mich persönlich gleich noch etwas besser machte.
Aber auch abgesehen davon ist Chloe ein wunderbares Persönchen, das später nichts an Sympathie einbüßen musste. Sie ist ein Charakter mit seinen Fehlern und Zweifeln, aber auch jemand, den man ohne Probleme mögen kann, und mit dem man auch eine dreibändige (oder längere) Reise antreten möchte.
Doch nicht nur Chloe allein, auch die anderen sind schlichtweg tolle Charaktere, allen voran Derek. Aber selbst die unangenehme Tori kann überzeugen. Wenngleich sie kein großartiger Sympathieträger ist, sie ist ein Charakter mit seinen verschiedenen Facetten, auch wenn zweifelsohne nicht alle beleuchtet werden können. Wie gesagt: Ganz vorn steht Chloe, dann Derek und dann der Rest. Aber das ist okay so, man lernt die Leute kennen und startet gemeinsam mit ihnen.

Inhaltlich ist „Schattenstunde“ eher ruhiger, setzt anfangs mehr auf Interesse denn auf Spannung. Gegen Ende ändert sich dies ein wenig, doch auch vorher kommt auf keiner Seite Langeweile auf. Es gibt immer wieder Ungereimtheiten und Rätsel, die Chloe lösen muss. Da wäre erst einmal die Sache mit den Geistern, später kommen Simon und Derek hinzu, ebenso andere Bewohner von Lyle House. Diese Einrichtung selbst kann dem Leser nicht geheuer sein! Immer wieder entdeckt Chloe gewisse Informationen, die den einen oder anderen in völlig neuem Licht dastehen lassen und dafür sorgen, dass die Seiten förmlich davon fliegen.
Passagenweise saß ich nun mal da und hatte lediglich drei Buchstaben, die in meinem Kopf herumgeisterten: „Wtf?“
Diese immer neuen Zutaten halten das Interesse wach – Pause machen? Unmöglich!
Gerade das Ende ist daher reichlich gemein, umso mehr auch der Auszug aus dem zweiten Band. Das Ende ist bestenfalls ein Abschluss der Einführung, aber danach geht’s weiter und zwar richtig – so viel ist klar. So einige Fragen bleiben unbeantwortet, aber nicht so, dass sich eine Unzufriedenheit über mangelnde Informationen breitmachen könnte. Weiterlesen ist danach nun wirklich eine Selbstverständlichkeit.
Insgesamt bleibt die Geschichte auch wunderbar düster. Das ist bei Chloes Fähigkeit kein großes Wunder, aber oftmals wird die Handlung durch Romanzen durchbrochen. Das ist an sich nichts Verwerfliches, aber hier mal eine gute Geschichte ohne so etwas anzutreffen, ist sehr angenehm. Zwar scheint sich (sehr) langsam etwas anzubahnen, aber das fällt nicht weiter ins Gewicht. Es geht im Text nicht unter, drängt sich aber auch nie in den Vordergrund. So gefällt mir das!

Es ist wohl ziemlich offensichtlich – ich bin begeistert. Und wäre dieses nervenaufreibende „yeah“ nicht, gäbe es glatt volle Punktzahl. Ich kann nur sagen: Holt es euch im Original, nehmt euch einen Tag Zeit und genießt jede Seite.