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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Taxi To Heavenman Kann Ja Über Alles Reden - Manfred Entrich Manfred Entrich reist viel, ob mit dem Auto, dem Flugzeug oder dem Taxi. Dabei trifft er immer wieder Leute, hat interessante Begegnungen, die ihn zum Nachdenken animieren, die ihn mal herausfordern und ihn begleiten. In diesem Buch erzählt er uns von einigen davon, gibt sie uns mit auf den Weg, damit auch wir darüber nachdenken können – wenn wir wollen.

Ich möchte gleich vorwarnen, dass dies eine ziemlich ich-bezogene Rezension wird – einfach weil das Buch mehr als andere die eigenen Gedanken anspricht. Und deswegen möcht ich auch gleich sagen: Ich bin Atheist. Ich glaube weder an Gott noch an Göttin noch an Götter oder Wunder oder was weiß ich. Meine Instanzen heißen höchstens Natur und Zufall. Ich glaube, dass nicht alles, was wir noch nicht erklären können, gleich übernatürlich sein muss. Dementsprechend bin ich eher beschränkt geeignet, auch wenn ich mich als durchaus tolerant einschätze – katholisches Gymnasium und eine Woche Urlaub bei Nonnen sind ja schließlich nicht ohne.
Außerdem dachte ich mir, dass die Inhalte nichts zwangsläufig alle rein kirchlich sein müssen, es geht ja auch ums Menschliche, und damit kann doch jeder etwas anfangen? Ich dachte mir, wenn er immer wieder Taxifahrer trifft, dann ist es eher menschlich, immerhin sind nicht alle Taxifahrer christlich. Außerdem reizte mich diese Idee – immer wieder diese kurzen Begegnungen zu haben, von denen klar ist, dass sie ein einzigartiges Erlebnis bleiben. Diese kurzen Gespräche auf der Fahrt – ja, das fand ich interessant, darüber wollte ich gerne lesen.
Leider kam es so ziemlich anders.
Manfred Entrich erzählt hier keineswegs nur von Taxigesprächen – was ich aufgrund der Beschreibung vermutet hatte – sondern von noch vielen anderen: Im Flugzeug, am Bahnhof, bei Freunden, in der Kirche … Dabei ist er auch nicht immer unterwegs, zumindest nicht im eigentlich physischen Sinne. Allein das hat mich ein wenig enttäuscht, denn so wurde dem Buch sein anfänglicher Reiz genommen. Genau genommen sind die Taxigespräche nicht einmal in der Überzahl – und ob das nun für den einen oder anderen Leser relevant ist oder nicht, es ist eine nichterfüllte, und damit enttäuschte Erwartung.
Umso weniger konnte ich es verschmerzen, dass ein roter Faden fehlte. Es gab nicht – kein Motiv, kein Ort, auch nichts – das immer wieder auftrat, abgesehen davon dass Herr Entrich sich seine Gedanken macht. Gut, er reist auch meistens, aber selbst das wirkt so zusammengewürfelt, dass ich es kaum als wiederkehrender Aspekt anerkennen möchte. Die kurzen Episoden sind größtenteils vollkommen zusammenhangslos aneinandergereiht, selten wird Bezug zum vorherigen Text aufgebaut. Das ist nett, wenn die Geschichten immer mal zwischendurch gelesen werden sollen, aber wer gerne ein Buch am Stück und zusammenhängend liest, wird damit keinen Spaß haben.
Auch inhaltlich konnte mir dieses Buch nur wenig geben. Natürlich sind einige Gedanken interessant und regen an – dagegen kann ich absolut nichts sagen. Aber es sind doch die wenigsten, viele davon habe ich selbst auch schon gehabt, was zwar nicht die Schuld des Buches ist, aber: Hier werden sie meist nur genannt, sie klingen ein wenig nach, sind aber nie so eindringlich, dass sie wirklich Änderung bewirken könnten. Dabei sind es zwei Dinge, über etwas nachzudenken und eventuell für richtig zu befinden, oder aber sich das Ganze zu Herzen zu nehmen und danach zu leben. So weit schafft es das Buch leider nicht zu gehen – womöglich wäre hier ein roter Faden gerade nützlich gewesen, so sind es zu viele allgemeine „Weisheiten“, die gerade mal an der Oberfläche kratzen wollen.
Allerdings muss ich zugeben, dass dieser Eindruck durchaus davon beeinflusst worden sein kann, dass ich einiges für mich schlichtweg nicht annehmen konnte. Der Glauben kommt logischerweise auch mal durch, steht im Zentrum des Gedankens und auch des Gedankenganges. Das es mir als Konfessionslose da schwerer fällt, mich reinzudenken, ist genauso wenig ein Fehler des Buches.
Trotzdem habe ich mich stellenweise richtig geärgert. Dass ein gläubiger Mensch von seinem Glauben überzeugt ist – davon kann man in der Regel ausgehen. Dennoch hatte ich erwartet, dass mehr reflektiert wird, was Gott angeht. Stattdessen wird höchstens mal kurz angesetzt, dass der Mensch ja nicht perfekt sei, aber das war es dann auch schon. Gott ist gnädig, Gott ist toll, Ende.
An anderen – glücklicherweise aber nur an wenigen – Stellen erschien mir Herr Entrich regelrecht unsensibel zu sein. Wenn mir zum Beispiel jemand im Flugzeug, während es Turbulenzen gibt, sagt, dass egal wie tief ich falle, ich ja in Gottes Hand falle, wäre ich herzlich wenig begeistert. Ich sterbe ja trotzdem – was nützen da mir und Angehörigen Gott? Ich hoffe nur, der Sitznachbar war einer der Kollegen, so genau wird dies nicht erwähnt. Wenn nicht – nun, dann gnade ihm Gott.

Ich kann das Buch durchaus empfehlen – vorausgesetzt man ist dem Glauben sehr viel näher als ich, stellt sich auf unzusammenhängende kurze Episoden statt einer Geschichte ein und mag diese Art von Buch, nach dem man auch mal nachdenken kann und soll. Ansonsten ist es eher begrenzt geeignet; wer weiß, vielleicht hab ich es auch alles nur nicht verstanden, weil mir der Gottesglaube fehlt. Dennoch – von mir gibt es leider keine allzu überschwängliche Bewertung.