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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Linger - Maggie Stiefvater Grace und Sam haben es scheinbar geschafft: Sam wurde geheilt und kann fortan als Mensch weiterleben, obwohl der vorherige Sommer sein letzter gewesen zu sein schien. Doch perfekt ist ihre Welt deswegen noch lange nicht.
Dass Grace’ Eltern mittlerweile weniger begeistert sind von Sam, ist dabei noch ein kleineres Problem, denn bald werden sich die ersten Wölfe zurückverwandeln. Unter anderem auch die, die Beck mitbrachte, bevor sich zum letzten Mal in einen Wolf verwandelte. Eigentlich trägt nun Sam die Verantwortung für sie, auch für Cole, der sich sehr früh zurückverwandelt und das eigentlich doch gar nicht will. Noch weiß niemand, dass es ebenso gefährlich ist, ihn als Mensch da zu haben: Cole war einst Frontsänger einer berühmten Band, gilt nun als vermisst. Würde er entdeckt, zöge das ungute Aufmerksamkeit auf die Gruppe um Sam – womöglich auch auf ihr Geheimnis.
Als wäre das alles nicht genug, hört Isabels Vater nicht auf, Wölfe zu erschießen und auch Grace geht es auf einmal nicht sehr gut – überhaupt nicht.

Ich hatte beim ersten Teil einen großen Kritikpunkt: fehlende Dynamik. Genauso verhält es sich auch mit „Linger“. Das Buch ist in keiner Weise langweilig, ich werde mich hüten, irgendetwas in der Art jemals zu behaupten!
Aber die Geschichte ist nun einmal sehr ruhig und insgesamt gesehen etwas zu ruhig, wie ich finde. An mancher Stelle habe ich mir einfach gewünscht, dass nun doch irgendwas passieren möge, doch die Handlung an sich gibt nicht viel her. So plätschern die Ereignisse sehr seicht vor sich hin, auch wenn längst nicht alles davon an sich leicht ist. Gerade das – wirklich unglaublich böse und überhaupt leserunfreundlichste – Ende kommt auf sehr leisen Sohlen daher. Gerade eben ist es noch sehr still, wenn auch nicht friedlich – nicht unter den Umständen – und nur einen kurzen Satz später ist die Katastrophe eingetreten.
Ansonsten kann ich aber mal wieder herzlich wenig, um nicht zu sagen nichts bemängeln. Denn trotzdem gibt es zwischendurch genügend Fragen und Ungereimtheiten, die das Grübeln zwangsläufig mit sich bringen: Warum hat sich Cole so früh verwandelt, beispielsweise. Endgültige Antworten gibt es darauf nicht, aber wer weiß, vielleicht nächstes Mal!

Zum einen sind da aber auch die kleinen Dinge, die Beachtung gefunden haben und nicht untergegangen sind. Man muss da nur an Olivia denken, die einen ganzen Winter verschwunden war, ohne dass ihre Familie etwas vom eigentlichen Grund wüsste. Es ist schön, dass das Erwähnung gefunden hat, wenn auch nur anfangs.
Genauso verhält es sich mit Grace’ Eltern, die trotz aller Ignoranz, die sie bisher an den Tag gelegt haben, ja nicht ewig nicht entdecken konnten, dass da ein junger Mann bei ihrer Tochter mit im Bett schläft.
Über die Reaktion der beiden möchte ich mich an dieser Stelle gar nicht so genau auslassen, das würde wohl nur ausufern. Ich sag nur so viel: Ich hätte Cole am Ende am liebsten geküsst für seine Bemerkung und gerne selbst ein paar deftige Schläge verteilt, allein dafür, was sie sich auf einmal rausnehmen. Ihnen ist nicht wirklich bewusst, dass ihre Tochter bereits zweimal beinahe gestorben wäre – was womöglich nicht passiert wäre, wenn sie ihrer Aufsichtspflicht nachgekommen wären. Aber ich schweife ab.

Zum anderen haben wir wieder wunderbare Charaktere, unter anderem dadurch, dass sich die Autorin konsequent auf einen kleinen Kreis konzentriert. Ich gebe zu, ich war skeptisch, als ich die Namen „Isabel“ und „Cole“ am Anfang der Kapitel las – ich bin kein großer Freund vom Erzählerwechsel. An dieser Stelle aber habe ich mich schnell daran gewöhnt und kann nur sagen: richtige Entscheidung!
Sam und Grace sind nach wie vor zwei wunderbare Charaktere und ein umso schöneres Paar, dem ich am liebsten tagelang zusehen würde und noch immer seufzen könnte, weil sie so toll sind.
Aber es war auch schön, mal von den anderen was zu lesen, das Ganze auch von einer anderen Perspektive kennenzulernen. Isabel und Cole bilden einen schönen Kontrast zu Sam und Grace, was sich mal in den kleinen und mal in den offensichtlichen Dingen zeigt. Allein die Tatsache, dass sie sich anfangs persönliche Dinge erzählen, weil sie wissen, dass es den anderen nicht kümmert, was passiert ist. Bei den anderen beiden wäre genau das der Grund, warum sie es dem anderen nicht erzählen würden.
Auch allein sind die beiden interessante Charaktere, die auch für sich stehen können und schlichtweg sie selbst sind. Isabel, die gar nicht so kalt ist, wie sie immer tut und ebenso Cole, der eigentlich gar nicht mehr er selbst sein wollte – zumindest bis jetzt.

Dass das Ganze sprachlich schlichtweg wunderschön ist, muss ich – glaube ich – nicht noch großartig erläutern. Maggie Stiefvater hat einen wunderbaren, leisen, aber unglaublich schönen Schreibstil, der mich nicht nur einmal zum Träumen verlockt hat. Ich kann es kaum erwarten, mich auch im dritten Teil wieder von ihr davon tragen zu lassen!

Abschließend kann ich nur sagen: Etwas mehr Handlung hätte der Geschichte keineswegs geschadet, aber dennoch ist „Linger“ weit entfernt von langweilig. Es ist eine leise Liebesgeschichte, die aber umso deutlicher im Gedächtnis bleibt und überzeugt. Maggie Stiefvaters traumhafter Stil und die Art der Charaktere – alles überzeugt, und wie!