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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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ZweiundDieselbe - Mary E. Pearson, Gerald Jung, Katharina Orgaß Nach einem Jahr erwacht Jenna Fox aus ihrem Koma – und erinnert sich an nichts. Mittlerweile 17 Jahre alt in einer Zukunft, in der die Wissenschaft und Medizin beinahe erschreckende Fortschritte gemacht hat und auch viel zerstörte, weiß sie nichts mehr. Nicht was passiert ist, nicht wer die Menschen in ihrem Leben sind, nicht einmal wer sie selbst war. Auf einmal ist sie wieder ein unbeschriebenes Blatt, und sie quält nicht nur die Frage nach ihrer alten Identität, sondern auch die danach, wer sie nun ist.
Dass sich dabei alle in ihrer Umgebung so komisch verhalten, kommt ihr nur seltsamer vor. Nach und nach kommt sie dem Geheimnis auf die Schliche – und sieht sich mit kaum beantwortbaren Fragen konfrontiert.
Wie weit darf man gehen, um einen geliebten Menschen zu retten? Was ist fair, was grausam? Wie dürfen wir mit dem Leben umgehen, wo ist die Grenze?

Auch eine Woche nach dem Lesen bin ich unschlüssig, was ich von „Zweiunddieselbe“ halten soll.
Beginnen wir einfach mit den positiven Aspekten: Mary E. Pearson schafft es, von Anfang bis Ende die Spannung aufrecht zu erhalten. Selbst wer sich – wie ich – unfreiwillig gespoilert hat, findet noch genug offene Fragen, ausreichend Rätsel um an den Seiten zu kleben und jedes Wort in sich aufzusaugen in der Hoffnung, es möge doch wenigstens eine Antwort bereithalten.
Wer ist wer und warum? Was ist geschehen und wie?
Als Leser begleitet man Jenna auf ihrem Weg, zumindest ein Stückchen. Ihre Situation nach dem Erwachen ist denkbar schlecht: Sie weiß nichts und niemand will ihr etwas sagen. Auch die Aufzeichnungen ihres gesamten bisherigen Lebens helfen ihr anfangs nicht weiter, was sie besonders später verzweifeln lässt. Ist sie überhaupt noch sie selbst, ist sie dieses Mädchen Jenna, das so sehr von seinen Eltern geliebt wird?
Ihre Unsicherheit und der Drang, endlich die Wahrheit zu erfahren, sind der deutlich und nur allzu nachvollziehbar. So wie alle Standpunkte letztlich nachvollziehbar sind.

Ob sie ethisch richtig sind, das ist eine ganz andere Frage, die aber genauso eine zentrale Rolle spielt. Wie weit dürfen wir gehen, fragt dieses Buch sehr oft. Damit meint es die Wissenschaftler, Eltern, uns selbst. Noch haben wir nicht die Zustände erreicht, wie es sie in „Zweiunddieselbe“ gibt, doch längst nicht alles ist an den Haaren herbeigezogen. Es ist bereits erstaunlich, was wir heute können und auch jetzt gibt es Diskussionen über die Grenzen und Möglichkeiten der Medizin.
Das Buch wird sicherlich nicht dazu führen, dass man sich zum ersten und endgültigen Mal eine Meinung zu diesem Thema bildet, aber es gibt einen Denkanstoß. Entweder um überhaupt einmal darüber nachzudenken oder ein erneutes Mal – um sich die Folgen klar zu machen, auch mal über die anderen Standpunkte nachzudenken.
Das ist auch das Schöne am Buch: Es werden verschiedene Standpunkte beleuchtet und alle sind gut nachvollziehbar und keineswegs vereinfacht. Genauso kaut die Autorin hier niemand eine Meinung vor: Wir dürfen selbst überlegen.

Nun besteht das Buch aber nicht nur aus Handlung und ethischen Fragen, auch wenn dies zweifelsohne zwei wichtige Aspekte sind.
Allerdings sind mir immer mal wieder Wiederholungen bei dem sonst sehr angenehm zu lesenden Schreibstil aufgefallen, die wirklich ärgerlich sind. Es handelt sich dabei um ganze Sätze, was zwar nicht ständig vorkommt, aber doch so, um mir negativ aufzufallen.
So wird zum Beispiel gleich zweimal – sogar relativ kurz aufeinander – erwähnt, dass Jennas Mutter eigentlich nicht der unselbstständige Typ ist, bei gewissen Fragen aber lieber zurücktritt. Sie handelt sogar gleich und sieht zum Vater.
Vielleicht ist es auch ein Stilmittel, das ich nur nicht erkannt habe – gefallen hat es mir trotzdem nicht.

Es ist auch sehr schade, dass zwar die Standpunkte der anderen Charaktere betrachtet, aber längst nicht alle Personen beleuchtet wurden. Zwar trifft das nicht auf alle zu, Jenna wird natürlich ausführlich beleuchtet und besonders ihre Großmutter macht eine wunderbare Wandlung durch, während man die Frau näher kennenlernt. Aber andere bleiben doch seltsam unbeachtet, besonders Jennas Klassenkameraden. Von einem weiß ich mittlerweile nicht mal mehr den Namen, ein anderer – Dane – wurde zwar immer mal angesprochen, da etwas nicht mit ihm zu stimmen scheint; was genau das ist, wird aber nie geklärt. Ebenso durchscheinend bleibt Ethan, mit dem Jenna sogar zusammenkommt. Warum genau, konnte sich mir aus dem Text nicht erschließen. Es war irgendwann einfach so.
Ähnliches gilt für die Welt – nur nebenbei finden sich immer mal wieder Informationen an, ich für meinen Teil hätte aber gern sehr viel mehr gewusst.

Am enttäuschendsten war aber das Ende. Ich hatte keine konkreten Vorstellungen diesbezüglich und habe sie noch immer nicht, aber so wie es jetzt ist, gefällt es mir absolut nicht.
Während der plötzliche Einstieg noch passend und schön war, ist das Ende viel zu abrupt. Ich hatte nach der letzten Seite keineswegs das Gefühl, dass die Geschichte in irgendeiner Weise abgeschlossen wäre. Es gäbe noch so viel, was man hätte erzählen können … einige wenige Punkte kommen zwar kurz im Epilog zur Sprache, aber wirklich befriedigend ist auch dieser nicht.

„Zweiunddieselbe“ wirft einige interessante Fragen auf, mit denen wir uns auch schon heute beschäftigen sollten. Dabei entwirft Mary E. Pearson ebenso eine sehr spannende Geschichte – die aber nicht wirklich zu Ende erzählt wird. Für eine Bewertung mit vier Sternen fehlt mir einfach zu viel, letztlich werden 3,5 der Geschichte aber auch nicht wirklich gerecht. Allerdings spricht es schon wieder für das Buch, dass ich mich so schwer tue, mich auf eine 3,75 festzulegen, ganz so wie es mir auch schwer fällt, mir eine endgültige Meinung zu den aufgeworfenen Fragen zu bilden!