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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Das Erbe des Lichts - Gesa Schwartz Ein Jahr ist es her, seit Seraphin besiegt wurde und Grim etwas Entscheidendes über seine Existenz erfuhr; ein Jahr, in dem sich nicht nur Grims und Mias, sondern auch das Leben aller Anderwesen in Ghrogonia verändert hat – allein schon dadurch, dass im Senat mittlerweile nicht nur Gargoyles, sondern auch alle anderen Wesen, selbst Hybriden und ein Mensch, vertreten sind. Eine erstaunliche Wendung.
Doch damit hat sich noch längst nicht alles zum Guten gewendet. In der Menschenwelt geschehen schreckliche Morde, immer wieder finden sich Leichen an, denen die Augen herausgeschnitten wurden. Während die Menschen selbst nur einen Teil dieser Menschen findet, kennen die Anderwesen das gesamte Ausmaß dieser Gräueltaten und Grim ist sich sehr sicher, dass dies nur der Anfang ist.
Seine Befürchtungen bestätigen sich, als er auf den Mörder stößt; ein mächtiges Wesen, das in ihrer Welt eigentlich gar nicht sein dürfte: Es ist ein Schattenalb, dessen Rasse vor langer Zeit verbannt wurde. Nun hat sie jemand zurückbefohlen, eine fast vergessene Gestalt, die selbst Menschen aus ihren Märchen kennen. Sie lechzt danach, die Menschheit auszulöschen und damit Platz für ihr eigenes Volk zu schaffen, das doch einst selbst durch die Ignoranz der Menschen vertrieben wurde.
Schon sehr bald sehen sich Mia und Grim mit der schier unlösbaren Aufgabe konfrontiert, diese Mächte aufzuhalten und zurückzudrängen. Hilfe erhalten sie dabei nur wenig, doch gerade die bräuchten sie jetzt dringender denn je auf ihrer gefährlichen Reise quer durch die magische Welt …

Beim ersten Band dieser Reihe hatte ich einiges zu bemängeln – und trotzdem hatte mir das Buch gut gefallen. Beim zweiten Band treten all diese Dinge nicht oder kaum mehr auf, dummerweise dafür neue, weswegen mit der zweite Band letztlich sogar weniger gefiel als der erste.

Schlecht ist „Grim: Das Erbe des Lichts“ keineswegs, die Welt, die Frau Schwartz hier erneut erschaffen hat, ist genauso zauberhaft wie zuvor. Und noch ein anderes Wort kommt mir in den Sinn, wenn ich an das Buch zurückdenke: voll. Der Leser bekommt eine Fülle an Legenden, Charakteren, Wesen und Orten geboten, dass es fast schon wieder etwas zu viel ist. Dennoch ist gerade das auch schön, denn langweilig wird es so – zumindest in dieser Hinsicht – nie. Die Anderwelt ist ein Ort voller Geheimnisse, verschwiegener Geschichten und verborgener Schätze. Es bedarf vieler Leute, um all diese aufzudecken und mit diesem Buch sind wir diesem Ziel einen Schritt näher gekommen – und dennoch zweifle ich nicht daran, dass die Autorin trotzdem noch genügend Ideen in petto hat, um mich auch ein weiteres Mal überraschen zu können.
Was das angeht, kann ich also nur sagen: Hut ab, Frau Schwartz! Es mag zwar vieles auch an bekannte Legenden und Mythen angelehnt sein –niemand erfindet das Rad neu –, aber die Autorin erschafft gleichzeitig auch etwas Eignes: ihre Geschichte, ihre Welt.

Allerdings – ich sagte, es ist auch schön. An mancher Stelle wäre weniger Hintergrundwissen durchaus von Vorteil gewesen. So werden zwar alle offenen Fragen beantwortet, aber es nimmt der Geschichte ab und an das Tempo. Ganz zu schweigen davon, dass es nicht immer ganz gepasst hat, wenn ein „Feind“ Grims ihm und den anderen seine Pläne offenbarte. Zwar fühlten diese sich dann immer sicher, meinten zu gewinnen – dennoch kam es nicht einwandfrei rüber.
Nichtsdestotrotz waren es interessante Details, über deren Kenntnis ich mich auch gewiss nicht ärgern werde.

Viel schwerer wiegt da die Sprache. Der Text ist sehr bildhaft gestaltet. Das hatte zum einen den Effekt, dass ich mir die Welt und die Geschehnisse wunderbar vorstellen konnte, und mehr als nur einmal den Gedanken hatte, was für einen fulminanten Film dieses Buch abgeben würde, allerdings wirkt es zum Großteil einfach nur überladen. Dummerweise finden sich auch im zweiten Teil immer wieder ein paar Wiederholungen an, die früher oder später einfach negativ auffallen müssen. So peitscht anfangs immer mal wieder etwas über die Wange der streift sie, oder Worte beziehungsweise die Stimme rollen dunkel über die Lippen diverser Charaktere.
Und wenn die meisten Sätze zwar nicht immer passen, dafür aber schön klingen, ging mancher Vergleich doch etwas in die Hose.
So schreibt die Autorin auf Seite 486:
[…] mit einer Stimme, die Grim an den Schrei einer sich verbrennenden Katze denken ließ – angespannt und nur einen Hauch davon entfernt, jegliche Kontrolle über ihre Instinkte zu verlieren.

Wäre der Zusatz hinterher nicht gewesen, hätte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen können, wie diese Stimme geklungen haben soll. Und um ehrlich zu sein, kann ich mir auch nicht vorstellen, warum eine Katze sich verbrennen sollte.
An anderer Stelle gibt es eine an einen Comic erinnernde Umschreibung von Remis – was insofern nicht passt, der der Grundton ganz anders ist als im kompletten Buch. Sonst eher tragend und gewissermaßen episch, klingt diese Umschreibung eher lachhaft und will so allein gar nicht ins Bild passen.
Eine weitere Tatsache, die mir das Lesen sehr erschwert hat, war, dass diese Umschreibungen auch in wörtlicher Rede vorkommen – auch wenn es absolut nicht passte. Bei einem Feenkrieger oder einem Zwerg kann ich mir das ab und an durchaus vorstellen, aber auch nicht so oft und ausufernd, wie es letztlich zu lesen ist. Und schon gar nicht bei einem Kind, das bis vor kurzem noch gar nichts von seiner Bestimmung wusste!

Durch diesen Aspekt des Buches wurde ich auch mit der Geschichte nie wirklich warm, obwohl die Handlung an sich genügend Material dafür bietet. Einfach wird es den Charakteren aber auch wirklich nicht gemacht. Immer wieder geht etwas schief, durchkreuzt jemand ihre Pläne und sie müssen sich umorientieren und einen Plan B – beziehungsweise Z irgendwann – zulegen. Das macht die Geschichte natürlich reizvoll, auch wenn selbst darin ein gewisses Muster verborgen wird, das sich immer wieder wiederholt. Es geht immer wieder etwas schief – aber früher oder später rechnet man auch einfach damit, weil es eigentlich immer so ist. Da wäre es überraschender gewesen, den Plan einmal gelingen zu lassen und nicht auf eine weitere Legende zurückzugreifen, die den Helden aus der Patsche helfen kann.
Teilweise hab ich auch ernsthaft am Verstand der Charaktere gezweifelt. Nachdem zum x-ten Mal irgendwelche Waffen aus dem Nichts auftauchten, denen ihre Verfolger folgten, sollte man meinen, dass sie dazu lernen. Dass sie sich vielleicht auch mal verbergen, verdeckter arbeiten oder mehr aufpassen, wer so in der Nähe ist: Falsch gedacht! Nichts dergleichen geschieht und so kommt weiterhin irgendwas irgendwoher geflogen und die Reise geht wieder von vorne los.

Zu einem Buch gehören aber auch die Charaktere. Während mir im ersten Band die meisten noch sehr skizzen- und lachhaft erschienen, bei denen gerade die Nebenfiguren sehr flach und wie durch den Kakao gezogen wirkten, kann ich mich dieses Mal zum Großteil über nichts dergleichen beschweren.
Die Geschichte wird nun einmal aus der Sicht von Grim und Mia erzählt, was für den Spannungsaufbau die einzig richtige Entscheidung war. Und dadurch bekommt man nun einmal nicht einen solchen Einblick in die Charaktere, wie man ihn hätte bekommen können. Aber das stört nicht weiter, denn trotzdem wahren sie ihre Substanz und – was wirklich erfreulich ist – gewinnen sogar noch welche dazu. Selbst Remis und Mourier sind keine Witzfiguren mehr und dafür bin ich der Autorin wirklich dankbar.
Es war auch schon, von anderen mehr zu erfahren, so zum Beispiel von dem Feenkrieger Theryon oder neuen Charakteren wie dem Zwerg Hortensius. Inwiefern einem alle dann sympathisch sind, das ist schon wieder eine andere Sache.
Allerdings weist gerade Grim einige Mankos auf, zumindest möchte ich es so nennen. Zwar schreibt er Legenden mittlerweile nicht mehr als unmöglich ab, allerdings hat er seinen Sarkasmus beinahe komplett verloren. Dadurch wirkt er zwar nicht mehr so überzogen wie in Band 1, vermisst habe ich ihn aber trotzdem. Letztlich kann man dies aber auch auf die veränderten Umstände schieben – was bei seinen Zweifeln leider nicht zutrifft. Gerade gegen Ende überfallen diese den Gargoyle immer wieder und auch wenn es anfangs durchaus seine Berechtigung hat, wird es mit der Zeit immer unrealistischer. Immerhin hat er schon mehrmals Dinge gesehen, die seine Zweifel sogar zerschlagen haben, aber nur für kurze Zeit, was ich nie nachvollziehen konnte. Sturheit ist das eine, unlogisches Verhalten etwas ganz anderes.

Zusammengefasst ergibt das ein eher verhaltenes Fazit. Zwar ist die Welt noch reicher an allem als zuvor und auch die Charaktere sind runder geworden, doch vor allem der überfüllte Stil machte es mir unmöglich, wahrhaftig in diese düstere, und doch schöne Welt einzutauchen und die gleiche Begeisterung über die spannende Geschichte zu empfinden wie das letzte Mal. Insofern ist „Grim: Das Erbe des Lichts“ gewissermaßen eine Enttäuschung. An sich ist es trotzdem ein schönes Fantasy-Buch mit tollen Ideen, für das man nur etwas mehr Zeit einplanen sollte.