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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Die Poison Diaries: Liebe ist unheilbar - Maryrose Wood, Alexandra Ernst Jessamine lebt allein mit ihrem Vater und den Pflanzen. Diese nehmen einen großen Platz in ihrem Leben ein, besonders auch der Giftgarten ihres Vaters, den sie bis jetzt nie betreten durfte.
Als eines Tages der Junge Weed auftaucht, ändert sich einiges. Ein Geheimnis scheint ihn zu umgeben, das irgendwie auch mit den Pflanzen zu tun hat. Jessamine verliebt sich in ihn und auch Weed scheint Interesse an ihr zu haben. Die beiden werden übermütiger, haben eine schöne Zeit, bis Jessamine erkrankt und keiner weiß woran und wieso. Der Einzige, der ihr jetzt noch helfen kann, ist Weed. Doch dafür muss er sich in den Giftgarten begeben und die Pflanzen dort sind alles andere als freundlich gesinnt …

Das Beste, was sich über „Die Poison Diaries 1″ sagen lässt, ist, dass es nett erzählt ist. Da es auch nicht besonders dick ist, ist es schnell ausgelesen – was nur von Vorteil ist, wie ich bemerken möchte.
Ansonsten hat das Buch nicht viel zu bieten, im Grunde ist der Titel schon das erste große Warnsignal, das ich besser beachtet hätte. „Die Poison Diaries“, was soll das sein? Denglisch Deluxe? Warum nicht einfach „Poison Diaries“ lassen, wenn es Englisch sein soll, oder einfach „Die Gifttagebücher“? Wäre auch kein wirklich fantastischer Titel, aber alles ist besser als dieser Sprachenmix.

Die Geschichte selbst wird glücklicherweise deutsch und nur in Deutsch erzählt, was nichts daran ändert, dass dem Buch jegliche Spannung abhanden geht. Gerade mal am Ende kommt ein bisschen Spannung auf, das war’s dann aber auch schon. Bis dahin sind die Ereignisse vorhersehbar und klischeehaft, Geheimnisse kann man nicht wirklich als solche bezeichnen. Allein dadurch, dass so explizit auf gewisse Verhaltensmuster von Weed hingewiesen wird, ist fast sofort klar, was er verbirgt. Nur der Protagonistin eben nicht, aber sie ist generell nicht die cleverste Dame Englands.
Das Ende ist dann – nach dem Funken Spannung – eher haarsträubend im Sinne von: „Was für ein Blödsinn!“ Zwar wird nach Jessamines Erkrankung ein neuer Charakter – samt „Begleitern“ – eingeführt, der ganz interessant ist, aber wirklich retten kann er die Geschichte auch nicht mehr. Ebenso wenig die knappen Informationen über die Pflanzen und ihre Wirkung. Dafür ist die Auflösung wirklich, um es mal beim Namen zu nennen, hirnrissig.

Gleiches gilt für die Liebesgeschichte. Es ist eine à la „Oh, da ist ja ein Junge, hier ist sonst keiner außer meinem Vater, oh Gott, ich liebe ihn!“ und dementsprechend plötzlich, unrealistisch und wenig genießbar. Wären die beide erst einmal einfach nur Freunde geworden – man stelle sich vor: auch diese kann ein enges Band verbinden, kaum zu glauben! -, wäre das Ganze vermutlich genauso abgelaufen und eventuell interessanter gewesen. Einfach weil sie einander erst einmal richtig kennenlernen würden und es natürlicher wirken würde.
Unlogisch sind auch noch ganz andere Sachen. Weed ist zum Beispiel keine Kartoffeln, weil sie lebendig sind, aber Speck, weil es nicht lebendig ist. Wie jetzt? Okay, Speck kommt nicht von Pflanzen, aber was soll dann die Erklärung? Oder das Ende eben.

Um die Handlung zusammenzufassen: Sie ist eher (sehr) flach und bietet keine (positiven) Überraschungen. Die Charaktere stehen dem in nichts nach. Wirklich genauer konnte ich keinen kennenlernen, beide waren eher naiv, auch wenn Weed etwas interessanter war als Jessamine. Da die Informationen über ihn und sein Wesen auch nur spärlich gesät sind, bringt das nicht mehr viel.
Der Vater bleibt derweil fast die ganze Zeit auf der Strecke, dabei sollte man meinen, das Gegenteil wäre der Fall. Immerhin hat Jessamine vorher fast die ganze Zeit über allein gelebt. Theoretisch lernt man sich da gut kennen. Und theoretisch hätte man da auch viel mit ins Buch tragen können. Praktisch scheinbar nicht.

Gemessen daran, dass ich schon mit heruntergeschraubten – also eigentlich gar keinen – Erwartungen an „Die Poison Diaries 1″ rangegangen bin, ist dieses Buch eine richtige Enttäuschung. Es hat beinahe nichts zu bieten und es ist zweifelhaft, dass die wenigen interessanten Aspekte in den Folgebänden noch richtig komplex werden. Der erste Band derweil ist schlichtweg nicht zu empfehlen, zumindest nicht von mir. Es mag durchaus Leser geben, die Gefallen daran finden werden. Nicht aber, wenn sie Wert auf eine logische Geschichte, echte Gefühle und Charaktere mit Substanz legen.