4 Followers
6 Following
Shiku

Muh, das Telefonbuch

Currently reading

Brave New World
David Bradshaw, Aldous Huxley
Men of the Otherworld (Otherworld Stories, #I)
Kelley Armstrong
Tales of the Otherworld (Otherworld Stories, #2)
Kelley Armstrong
Rage - Jackie Morse Kessler Missy ist anders. Nicht nur weil sie Death die Tür vor der Nase zuknallt, nachdem dieser ihr Wars Schwert überreicht hat, sondern auch weil sie sich schneidet, um Druck abzulassen. Das tut sie wieder, nachdem ihr Ex sie vor fast der ganzen Schule gedemütigt hat und nun jeder weiß, was sie tut – und es niemand versteht. Ein Schnitt ist zu tief – und Death sieht seine Chance gekommen.
Missy wird die neue War, des Todes Dienerin, denn diese beiden haben schon immer gut zusammengearbeitet. Während sie ihre Kräfte erforscht, muss sie mehr denn je lernen, sich zu kontrollieren, denn War meldet sich bald zu Wort und alles, was sie will, ist Blut und Schmerz. Letztlich muss sie sich entscheiden, ob sie diesen brutalen Weg gehen möchte – oder diesen Drang bezwingen kann, um Besseres zu schaffen.

Wie in der Vorbemerkung schon erwähnt: Wäre das der erste Teil der Reihe gewesen, wäre ich glücklich. Während im ersten Teil vor allem auch Informationen über die Apokalyptischen Reiter fehlten, gibt der zweite Band zwar auch nicht sehr viel mehr her, aber doch ein bisschen. Außerdem nutzt die Autorin die Seiten, die „Rage“ länger als „Hunger“ ist, gut aus – mir erschien Missys Wandlung längst nicht so plötzlich wie Lisas in „Hunger“.
Nein, sie war nachvollziehbar und logisch, auch wenn mir Missys Drang, sich zu schneiden, später nicht mehr ganz glaubhaft erschien. Nichtsdestotrotz ist Missy hier ein wenig „runder“ als Lisa einst (und das meine ich nicht im physischen Sinne!), „abgeschlossener“. Und so kommen Sachen wie Wars Einfluss auf Missy und die damit einhergehenden brutalen Gedanken wunderbar zur Geltung.

Ansonsten ähneln sich die Bücher leider sehr. Nicht nur dass Missy einen ähnlichen Sarkasmus besitzt – den ich langsam eher für den der Autorin halte und nicht für den der Charaktere –, sie reagiert oftmals genau wie Lisa. Was sie danach macht – es zum Beispiel als nicht real abtut –, was sie denkt und darüber sagt … es gipfelt darin, dass sie ganz genau wie Lisa glaubt, alles wäre nur ein Traum gewesen. Das sind zwar alles natürliche Reaktionen, die zig andere Menschen auch gezeigt hätten und sie sind wirklich alles andere als unnatürlich – dennoch war es absolut nicht nötig, all das auch noch in ähnlicher Kombination zu übernehmen.

Dennoch geht Missy gewissermaßen ihren eigenen Weg – sie ist nicht Lisa, was trotz all der Parallelen klar wird. Sie hat ihr eigenes Problem, mit dem sie auf ihre Weise klarzukommen versucht; sie ist auch ein ganz anderer Reiter und muss da anders rangehen, angefangen damit dass ihr Ross zunächst ganz und gar nicht so nett ist wie Midnight.
Sprachlich wird das Ganze wieder sehr ansprechend präsentiert. Leider haben sich einige Wiederholungen im Ausdruck eingeschlichen und manches ist auf Dauer weniger erfreulich; dennoch ist „Rage“ toll geschrieben und gewiss nicht nur wegen der knappen Seitenzahl schnell durchgelesen. Es ist genauso witzig – nicht zuletzt Deaths Verdienst –, interessant, weil die anderen Reiter ein bisschen öfter vorkommen und spannend, ohne dass am Ende ein unrealistischen Heile-Welt-Ende präsentiert wird. Und einen weiteren Vorteil hat das Buch: Das Bild der zusammenarbeitenden War und Death – wirklich schön!

Schlussendlich: Eine gänzlich eigene Entwicklung wäre mehr als nur wünschenswert gewesen, dennoch habe ich das Lesen sehr genossen, nicht zuletzt weil „Rage“ runder und schlüssiger wirkte als „Hunger“. Ich kann mich nur wiederholen: Wäre das der erste Band gewesen oder gäbe es „Hunger“ nicht, wäre ich schlichtweg zufrieden. So aber ist eine durchweg positive Bewertung nicht gerechtfertigt – für eine eher negative hat mir das Buch aber zu sehr gefallen. Verbleiben wir also mit mehr oder minder neutralen drei Punkten und dem Hinweis, das Lesen der Reihe trotzdem noch nicht aufzugeben!