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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Matched - Ally Condie 3,5

Die Welt, in der Cassia lebt, liegt weit in der Zukunft: Die Regierung – die Gesellschaft – kontrolliert alles sehr genau. Jeder bekommt genau die Menge an Nährstoffen, die er braucht, nie zu viel Essen. Alle tragen je nach Arbeit oder Status das Gleiche, die Bürger werden genau überwacht und kontrolliert. Und so erfährt Cassia wie üblich mit 17, wen sie später heiraten wird: Ihren perfekten Partner, der zufälligerweise auch ihr bester Freund Xander ist, was sehr außergewöhnlich ist. Sie ist zufrieden mit ihrem Leben, vertraut sie doch dem System.
Als sie aber den Mikrochip mit Xanders Daten ansehen will, erscheint ihr kurz darauf ein anderes und ebenso bekanntes Gesicht – geradezu eine Unmöglichkeit! Das System macht keine Fehler und doch ist hier einer geschehen. Es ist nur der Erste von einigen weiteren, die Cassia immer mehr zweifeln lassen, bis sie sich nur noch eines wünscht: Selbst entscheiden zu können.

Die Welt, die Ally Condie hier kreiert, ist zweifelsohne interessant. Ohne große Beschreibungen präsentiert sie sogleich Cassias Alltag, in dem sich nach und nach offenbart, wie das Leben aussieht, das die Gesellschaft ihr und anderen vorschreibt. Es ist keineswegs ein schlechtes Leben, mag sogar seine Vorteile haben, birgt aber auch etliche Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten.
Es hat wirklich Spaß gemacht, von der zu dieser Zeit existierenden Gesellschaft und ihren Regeln zu lesen. Wenngleich manche Dinge gegen jede Humanität verstoßen und mit ihren diktatorischen Zügen abstoßend wirken, gibt es hier keine reine Schwarz-Weiß-Malerei. Das soll nicht heißen, dass diese Welt tatsächlich irgendwo gut ist: Zur NS-Zeit gab es auch „gute“ Entwicklungen, man denke an die Emanzipation der Frauen oder die Autobahnen. Für einige sind es gute Dinge, die schrecklichen Seiten wiegen sie damit trotzdem nicht auf.
Was nicht heißen soll, dass die Gesellschaft hier der NS-Diktatur ähnelt – sie ist eher steril und „weiß“, klar definiert, zumindest an der Oberfläche.

Diese Welt war es auch, die lange mein Interesse an der Geschichte getragen hat. Denn handlungstechnisch geschieht nicht viel, eher wird hier Cassias Entwicklung beschrieben, wie sie langsam anfängt zu zweifeln und sich gegen das System zu wenden. Aber trotz der Dicke kommt das Buch noch lange an keiner offenen, großen Rebellion oder dergleichen an; es sind erst die Anfänge, die am Ende – wenn auch noch immer langsam – aber noch wesentlich mehr versprechen.
Eine etwas schneller voranschreitende Handlung wäre allerdings eher schlecht gewesen. Vorher hat Cassia nie gezweifelt, und zwischendurch erschien mir ihre Wandlung tatsächlich etwas zu schnell und abrupt. Kaum sind die ersten Zweifel da, wird schon sehr bald von Hass gesprochen – das wirkte dann doch eher unrealistisch auf mich.
Später wird es dafür ein ganzes Stück spannender, auch wenn es gegen Ende wieder etwas abflacht. Das Interesse bleibt am Ende bestehen – der zweite Band kann kommen!

Die Charaktere haben am Anfang nicht viel zu bieten. Auch wenn besonders Cassia eine Entwicklung durchmacht, sind sie anfangs gewissermaßen flüchtig, schwer zu fassen. Auch gegen Ende hin hatten sie für mich keine richtige Konsistenz, auch wenn sie zweifelsohne einige neue, überraschende Facetten darbieten – besonders Nebencharaktere wie Cassias Eltern und Xander. Ich bin gespannt, was da noch kommt und wie sie sich weiterentwickeln!
Der Schreibstil ist ähnlich flüchtig, sehr leicht, dafür aber schnell und angenehm zu lesen. Die circa 450 Seiten sind sehr schnell umgeblättert und ausgelesen. Wirkliche Besonderheiten hat er aber nicht zu bieten.

Schlussendlich ist „Die Auswahl“ von Ally Condie ein angenehm zu lesendes und in den Ansätzen interessantes Werk, das aber noch ein wenig an Fahrt aufnehmen muss, um richtig gut zu sein. Das Ende ist jedoch vielversprechend und lässt das Beste für die Fortsetzung hoffen.