4 Followers
6 Following
Shiku

Muh, das Telefonbuch

Currently reading

Brave New World
David Bradshaw, Aldous Huxley
Men of the Otherworld (Otherworld Stories, #I)
Kelley Armstrong
Tales of the Otherworld (Otherworld Stories, #2)
Kelley Armstrong
Some Girls Bite - Chloe Neill Acht Monate ist es her, seit die Vampire sich geoutet haben. Inzwischen haben sich die Menschen mehr oder minder daran gewöhnt, dass die Blutsauger unter ihnen leben. So auch die 27-jährige Doktorandin Merit, deren Leben vielleicht nicht einfach ist, aber in Ordnung.
Als sie eines Tages an der Uni angefallen und von einem anderen Vampir gerettet, aber verwandelt wird, ändern sich die Umstände aber schlagartig. Sie verliert ihre Arbeit und soll ausgerechnet dem Mann die Treue schwören, der sie zum Vampir machte: Ethan Sullivan, arrogantes, aber attraktives Oberhaupt des Hauses Cadogan – das ausgerechnet dafür verkannt wird, dass es direkt von Menschen trinkt ...
Während Merit noch versucht, Ethan dafür zu hassen, lernt sie, das Sonnenlicht zu meiden und das Blut (lieber aus dem Plastebeutel denn aus einer Ader) zu suchen, und trainiert ihre Fähigkeiten. Mit der Unterstützung ihrer nicht ganz menschlichen Freundin Mallory und anderer Wesen klappt das auch ganz gut, doch ihren „Meister“ will sie nicht so schnell anerkennen. Dabei hat sie eigentlich kaum Zeit: Ihre Vereidigung steht bald vor; verweigert sie sich, gilt sie als Abtrünnige und ist in keinem der Vampirhäuser Chicagos mehr willkommen. Auch ihr ursprünglicher Überfall gibt Grund zur Sorge, immerhin wurde kurz zuvor eine junge Frau, die Merit sehr ähnlich sah, getötet. Geht ein Serienkiller um? Hinweise am ersten Tatort weisen ausgerechnet auf Haus Cadogan hin, genauso wie die Tatsache, dass Ethan zufällig zur richtigen Zeit, am richtigen Ort war, um Merit zu retten. Doch da hat Merit auch schon die erste Drohung erhalten, die auf einen anderen Täter schließen lässt.
Was wird hier gespielt? Und vor allem: Wer zieht dabei die Strippen?

In „Chicagoland Vampires: Frisch gebissen“ wissen die Menschen bereits von den Vampiren, das Buch hält sich also nicht lange mit Entdeckungen und Versuchen, die eigene Identität zu verheimlichen, auf. Zum Teil allerdings auch, weil die Vampire an sich nichts Neues sind und es nicht so viel zu erklären gibt: Sie bekommen nur ab und an ihre Eckzähne, vor allem natürlich um Blut zu trinken. Gegebenenfalls werden die Augen silbern, sie haben gewisse besondere Fähigkeiten; Merit für ihren Teil ist sehr stark und schnell, eine „Soldatin“, wie es ein Charakter im Buch bezeichnet. Auch anderen Wesen, den Menschen nicht bekannt, sind keine Neuerfindung, aber dennoch weiß die Autorin mit neuen Konstellationen, eigenen Hierarchien, daraus folgenden Konflikten und natürlich ihren Charakteren etwas Eigenes zu schaffen.
Das ist zumindest ein Vorteil der Geschichte, der zweite besteht darin, dass Merit ebenso wie alle anderen Charaktere erwachsen ist. Zwar trotzdem noch jung haben sie alle auch mal Flausen im Kopf, aber über die Phase der Schmetterlinge im Bauch und des ersten nervösen Kusses sind sie alle längst hinweg. Und das bedeutet: Es knistert. Aber so richtig!
Wer nun auf den Gedanken kommen sollte, dass „Frisch gebissen“ zu den vielen Büchern gehört, die wenig Inhalt haben, während sich die Sexszenen unendlich lang ziehen … der hat falsch gedacht. Ohne zu viel zu verraten zu wollen: Merit schmeißt sich nicht gleich an den nächsten Typen ran und geht mit ihm ins Bett, auch wenn eine gewisse Anziehung hier und da natürlich besteht. So unterschwellig wirkt es aber gerade gut und hat mir persönlich beim Lesen unglaublich viel Freude bereitet!

Mit den Charakteren verhält es sich ähnlich wie mit den Vampiren: Einige sind altbekannt, so zum Beispiel der gutaussehende, aber wenig freundliche männliche Part in der Geschichte und die sarkastische, ebenfalls gutaussehende Protagonistin, die den Kerl nicht leiden kann, aber sexy findet. Selbstverständlich sehen auch fast alle anderen auf ihre eigene Art und Weise gut aus.
Dennoch verkommen die meisten nie zu reinen Formen, die mit Luft gefüllt sind; fast jeder ist irgendwo sympathisch, oftmals auch sehr witzig, allen voran natürlich Merit und der kleine, beinahe unscheinbare Jeff, seines Zeichens ein irgendwie unreifer Formwandler. Natürlich gäbe es da noch mehr zu holen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das mit der Zeit noch kommt. Und bei der Protagonistin ist es jetzt schon geschafft: sie entwickelt sich zu einem Charakter, der sich auch entwickelt, statt stillzustehen.
Merit hat nebenbei auch einen wunderbaren Humor und immer eine sarkastische Bemerkung im Sinn. Genau das wünsche ich mir für eine toughe, auf eigenen Beinen stehende Protagonistin. Bei ihr passt alles und gerade ihre Wandlung am Ende habe ich ihr ohne jeden Zweifel abgekauft (und sie glatt ein wenig dafür bewundert).
Ich bin gespannt, was da in den nächsten Bänden noch hinzukommt; so lassen sich nämlich auch ein paar recht flache Randfiguren verschmerzen, bei denen manche etwas mehr sein hätten können – aber nicht müssen.

Fast vollkommen überzeugt hat mich dagegen die Handlung: Anfangs wird die Geschichte noch etwas leicht erzählt, kein Ereignis, keine Entscheidung geht wirklich in die Tiefe, teilweise wirkt alles etwas plötzlich, genauso der Wechsel zwischen den verschiedenen Szenen. Das legt sich mit der Zeit zum Glück und die Erzählweise wird etwas fester – die Ereignisse kommen tatsächlich als logische Folge daher, die Handlungsweisen sind besser nachvollziehbar.
Sobald diese Hürde genommen ist, wird die Geschichte erst richtig spannend. Ich hatte Herzklopfen, wenn es brenzlig wurde, ich hatte schwitzige Hände vor Nervosität, wenn es Merit so ging und ich hatte vor allem viel zu lachen!
Schuld daran waren nicht selten die Kommentare und Dialoge von Merit und Mallory, die ein wirklich eingespieltes Team zu sein scheinen
Mit seinem Ende nähert sich das Buch logischerweise auch der Auflösung einiger Rätsel. Diese setzt zugegebenermaßen etwas spät ein, aber das fällt eigentlich kaum auf, denn auch zwischendurch gibt es genügend zu lachen, zu genießen. Da schmerzt es wenig, dass die richtige Spannung (neben kleinerer Spannungsfelder zwischendurch) erst nach einer Weile hinzukommt, unterhaltsam ist die Lektüre allemal.
Danach scheint zwar vieles geklärt und das Schlimmste abgewendet zu sein, doch die Autorin erzeugt geschickt wieder Spannung. Im Epilog gibt es eine Art Vorausblick auf die kommenden Ereignisse und die verheißen vieles, aber vor allem nichts Gutes. Nach diesem Ende hätte ich am liebsten sofort zum zweiten Band gegriffen und weitergelesen – wenn es doch nur schon möglich wäre!

Worauf ich auch gespannt bin, ist die Frage, ob im zweiten Band – oder irgendwann – Merits Name enthüllt wird. Der Genannte ist nämlich nur ihr Nachname, den sie aufgrund ihrer Familienverhältnisse nicht direkt mag. Sie selbst sagt aber, dass die andere Alternative noch schlechter wäre. Was diese Alternative ist, interessiert mich allerdings brennend.
Zusammen mit einem lockeren Stil, der sich sehr leicht weglesen lässt, sind das alles insgesamt gute Argumente, um auch unbedingt den zweiten Band zu lesen.

In Grunde gibt es nur eines, das das Lesevergnügen durchweg vermindern konnte, und dafür kann nicht mal die Autorin was.
Die Übersetzung wirkt bisweilen eher schlecht gelungen. Da sind Wendungen, die einfach unnatürlich klingen – womöglich wurden sie zu nah am Englischen übersetzt?
Ab und an fehlt auch mal ein Wort oder ein Anführungszeichen oder es ist eines zu viel dort … Kleinigkeiten, die aber auffallen und teilweise auch immer wiederkehren. So beispielsweise der Begriff „Greenwich Presidium“. Ich weiß nicht, wie der Begriff im Original lautete, aber ich vermute, dass er genau so geschrieben wird. Dummerweise ist es dann im Deutschen nun mal ein Präsidium und ein Ä hätte nun wirklich nichts am Sinn verändert.
Solche Sachen sind ärgerlich und gerade dieses Buch hat das ganz gewiss nicht verdient.

„Chicagoland Vampires: Frisch gebissen“ bietet also vieles: Spannung, Humor, herrliche „Rawr!“-Momente und eine schlagkräftige Protagonistin, aus der noch viel werden wird – und die sich zum Glück nicht gleich den Hormonen ergibt!
Insgesamt wird hier das Rad nicht neu erfunden und kleine Mankos der Übersetzung stören, aber dennoch bietet Chloe Neill uns hier wunderbare Unterhaltung für einige Stunden, bei der sich dieses wunderbare Bedauern einstellt, sobald die letzte Seite gelesen ist – einfach, weil es gleich mit dem nächsten Buch weitergehen könnte, so viel Spaß hat es gemacht!