4 Followers
6 Following
Shiku

Muh, das Telefonbuch

Currently reading

Brave New World
David Bradshaw, Aldous Huxley
Men of the Otherworld (Otherworld Stories, #I)
Kelley Armstrong
Tales of the Otherworld (Otherworld Stories, #2)
Kelley Armstrong
Ocean of Blood  - Darren Shan 2,5

Larten Crepsley hat sich gemeinsam mit Wester Flack von seinem Meister Seba Nile getrennt, um mit anderen Vampiren durch die Welt zu ziehen – das war vor gut zwanzig Jahren. Die Vampire vergnügen sich mit den Damen, trinken und besuchen Kriegsplätze, um sich nach den Kämpfen an den Gefallenen zu laben – wobei sie sich nicht immer zurückhalten und den Vampyren, die ihre Opfer vollkommen aussaugen, nicht mehr allzu unähnlich sind. Irgendwann ist es Larten doch zu viel und er trennt sich von der Gruppe, geht seiner eigenen Wege. Diese führen ihn an die verschiedensten Orte – zurück zum Berg, zur sagenumwobenen Zauberin Evanna, zur Bekanntschaft mit vielen anderen, die alten Lesern sehr bekannt sein dürften. Doch irgendwann gerät alles außer Kontrolle, und die dunkle Seite, die Seba einst spürte, als er Larten verwandelte, kommt erneut zum Vorschein …

In einer Hinsicht ist „Ocean of Blood“ wirklich toll – das Wiedersehen mit alten Charakteren macht nach wie vor großen Spaß, vor allem auch die Umstände unter denen Larten diese Leute das erste Mal trifft. Teilweise ist es ganz anders als erwartet! In diesem Band trifft er – ohne zu viel verraten zu wollen – auf Vancha March, Evanna und Arra Sails, genauso auch Mika Ver Leth, der zu dem Zeitpunkt noch lange nicht der schlechtgelaunte Fürst ist, den wir aus der Darren-Shan-Saga kennen.
Ja, diese Szenen waren wirklich schön, einfach weil sie einen gewissen emotionalen Wert haben, ein Wiedersehen eben. Gleichwohl ist es bisweilen ein wenig schwierig – Larten hat noch einen weiten Weg vor sich und ist ebenso wenig der, den wir als Darrens Mentor kennenlernten. Das zeigt sich schon bei den Sprüngen, die stattfinden und innerhalb derer sich bereits riesige Änderungen in Lartens Charakter vollziehen: erst die zwanzig Jahre nach dem ersten Band, dann setzt Part zwei des Buches insgesamt fünfzig Jahre nach Lartens Verwandlung ein.

Diese Sprünge sind gleichzeitig auch das größte Problem der Reihe, möchte ich sagen. Es war beim ersten Band so, es war in diesem Teil so und mit etwas Pech wird es sich auch mit den kommenden zwei Büchern nicht ändern. Immer wieder beschreib das Buch einige Tage, dann fehlen ein paar Jahre, das nächste Kapitel behandelt wieder einige Tage, das darauffolgende setzt wieder Jahre später an. Das mag den Vorteil haben, dass die Details so besser im Kopf bleiben und es definitiv leichter ist, sich an diese zu erinnern, wenn es nötig ist.
Andererseits macht es „Ocean of Blood“ zu einer simplen Zusammenfassung von dem, was passierte. Das wirklich Interessante und Spannende wird einfach ausgelassen, was in den Jahren dazwischen geschah, wird lediglich kurz erwähnt. So wird in keiner Weise geschildert, wie beispielsweise Lartens Prüfungen verliefen, die auch er abgelegt hat. Warum? Weil sich Mr. Shan keine anderen Prüfungen außer Darrens ausdenken konnte oder wollte? Ich möchte niemandem etwas unterstellen, aber das war in Band eins schon ein Problem: Dieser bot zu wenig Neues. Auf den zweiten Band trifft das nicht zu, dafür bietet er insgesamt zu wenig.
So gibt es auch absolut keine Chance, neue Charaktere kennenzulernen. Viel mehr erfährt man nicht über Wester, der doch eigentlich eine wichtige Rolle in Lartens Leben spielt. Genauso wenig lernt man eine Person kennen, die unseren orange-haarigen Vampir später begleitet und dementsprechend seltsam wirkt das Ende. Um diese Szene wirklich nachempfinden und verstehen zu können, hätte man eine Beziehung zu den Charakteren aufbauen müssen – so ist das wirklich nicht möglich.

„Ocean of Blood“ hatte einiges an Potential – das leider nahezu gar nicht ausgeschöpft wurde. Man hätte so viel aus der Geschichte machen können! Ich möchte wirklich keine simple Zusammenfassung der Ereignisse lesen, sondern eine Geschichte mit Gefühl, sei dieses nun eher heiterer oder düsterer Natur – all das bietet das Buch nicht. Die alten Charaktere retten es ein wenig, aber es ist fraglich, ob das noch viel hilft, wenn die Folgebände genauso viele Möglichkeiten verschenken.