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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Band of Brothers - Stephen E. Ambrose 1942 war das Geburtsjahr der 101st Airborne Division, innerhalb der auch das 506th Parachute Infantry Regiment als eine Art Experiment – Zivilisten sollten zu einer Eliteeinheit trainiert werden – ins Leben gerufen wurde. Zu diesem gehörte die Easy Company bis zu ihrer zeitweiligen Auflösung 1945. Wie auch die anderen Kompanien wurden die Männer trainiert, über feindlichen Gebieten aus Flugzeugen abzuspringen und direkt vor Ort Operationen durchzuführen. Zu diesen gehören der Absprung über der Normandie am D-Day, am 6. Juni 1944, Operation Market Garden und Battle of the Bulge, auf deutscher Seite als Ardennenoffensive bekannt. Bevor Easy aber im Krieg eingesetzt werden konnte, war eine harte Ausbildung nötig, während dieser sich die Kompanie schon von anderen hervor tat. Sie hatte das Glück und gleichzeitig Unglück, dass Herbert Sobel kommandierender Offizier war. Seine strikte und nervtötende Art – passend mit chickenshit umschrieben – traf auf wenig Zustimmung, aber es forderte die Männer, trainierte sie härter; Herbert Sobel machte die E Company.
Genau davon erzählt Stephen E. Ambrose in diesem Buch. Von den Anfängen der Kompanie im Camp Toccoa über die verschiedenen Einsätze in Europa hinweg bis zur Besetzung des Adlerhorsts und der Aufgabe Japans mit einem Ausblick auf das Leben der Männer bis 1991.


In seinem Buch legt Stephen E. Ambrose den Fokus auf die Ereignisse während des zweiten Weltkrieges, die die Männer der Easy Company erlebten beziehungsweise erleben mussten. Mit Easy Company meint er aber nicht die Kompanie an sich, sondern die Männer, die sich damals freiwillig meldeten und noch in Toccoa trainiert wurden. Das sind (nicht nur) für ihn die Männer der Easy, oder auch die, die in der Normandie dazu kamen, vielleicht auch noch in Holland und sich bewährten.
Er erzählt von ihren Operationen, ihren Offizieren, ihren Verlusten und Gewinnen, von ihrem Weg über England, nach Frankeich, Holland, Belgien nach Deutschland und Österreich. Nur dazwischen gibt er auch einige der Geschichten der Männer wieder, die nicht einmal ganz die Spitze des Eisbergs darstellen. Allerdings muss bemerkt werden, dass er dabei einen guten Mittelweg gefunden hat. Weniger Erzählungen wären enttäuschend gewesen, zu viele hätten schnell ablenken können.

So gibt der Autor einen Einblick in das Leben, das diese Soldaten im Krieg lebten – kein vollkommenes Bild, mitnichten. Aber er zeigt, dass es nicht nur Töten und Sterben war, dass es auch Phasen gab, die zwar noch immer auslaugend waren und die Männer an ihre Grenzen brachten, aber auch ihre mehr und minder schönen Momente mit sich brachten. Es ist wohl kaum verwunderlich, dass unter solch extremen Situationen Soldaten nicht nur Kameraden bleiben, sondern auch Freunde werden. Dank all dem, was sie – im Groben betrifft das alle Soldaten, nicht nur Easy Company – erleben und –leiden mussten, und dank der beinahe angenehmen oder lustigen Momente, die es trotzdem gab, wenn man sie nicht unbedingt erwartete. Ein Beispiel ist eine Passage von Seite 183, die Easy Company befindet sich in der Nähe von Bastogne, um die deutsche Wehrmacht zurückzuhalten. Um etwas Schutz zu finden, wurden dabei große Löcher gegraben (foxholes), in die man sich setzen konnte und etwas Schutz fand, wenn zum Beispiel ein Beschuss startete:
In the foxholes, the men tried to get some sleep, difficult to impossible given the cramped conditions (usually 6 feet by 2 feet by 3 or 4 feet deep, for two men). At least lying together allowed the men to exchange body heat. Heffron and Pvt. Al Vittore did manage to get some sleep the second night out. Heffron woke when Vittore threw his heavy leg over his body. When Vittore started to rub Heffron’s chest, Heffron gave him a shot with his elbow in his belly. Vittore woke and demanded to know what the hell was going on. Heffron started to give him hell in return; Vittore grinned and said he had been dreaming about his wife.
“Al,” Heffron said, “I can’t help you, as I got combat boots, jump pants, and my trench coat on, and they are not coming off.”

Ihren Humor haben die meisten – von denen berichtet wird – definitiv nicht verloren.
Aber damit ist logischerweise nicht alles gesagt. Es fängt schon in Toccoa mit Sobel als kommandierenden Offizier an, und im Krieg wird es auch nur schlimmer; sei es nun das Erstarren der Soldaten vor Carentan, weil ihr Weg eine direkte Straße in die Stadt war, während Deutsche mit dem Maschinengewehr diese befeuerten, oder das schier endlose Verharren und Frieren in Bastogne.

Allerdings ist Ambrose bei all dem nicht direkt sachlich. Zwar ergreift er keine Partei, wenn es nur Amerikaner betrifft – so korrigiert oder ergänzt er zum Beispiel Richard Winters‘ Aussagen bezüglich Colonel Strayer, für den Winters wenig übrig hatte, und betrachtet Strayers Handlungen auch von einer anderen Perspektive. Wenn aber auf amerikanischer Seite – natürlich nicht von jedem, das sollte klar sein – falsch gehandelt wurde, bleibt dies oft vollkommen unkommentiert, was bei anderen Nationen nicht immer der Fall ist.
So erwähnt er nur, dass Soldaten Zivilisten, die abwesend waren, weil sie sich versteckten oder im Falle von Deutschen wortwörtlich aus dem Haus gejagt wurden, bestohlen haben. Nicht nur Lebensmittel, sondern auch Wertgegenstände aller Art. Natürlich ist das nichts Neues, aber die fehlende Wertung hat mich an solchen Stellen schon ein wenig irritiert, da es eben woanders nicht der Fall ist. Noch gravierender wird dies, wenn beschrieben wird, wie amerikanische Soldaten einen jungen Mann erschießen. Ambrose‘ einziger Kommentar ist hier, dass sie ihn wohl für einen Deutschen oder einen Kollaborateur hielten – was er in diesem speziellen Fall nicht war. Wie gesagt: Das sah in anderen Lagern nicht anders aus, das befreit ein solches Handeln aber nicht von jeglicher Kritik.
Es wird beispielsweise auch nie darauf eingegangen, wie Gefangene zum Reden gebracht werden. Bei einigen wird wohl Druck ausreichend gewesen sein – nicht aber bei allen, zur Sprache kommt das aber nicht.
Am haaresträubendsten war für mich aber die kurze Passage zu den Vergewaltigungen. Vielleicht bin ich ein wenig empfindlich bei dem Thema, aber wenn ich (auf Seite 251) folgendes lese: „Of course there were some rapes“, stößt es mir schon bitter auf. Was ist daran „of course“, warum wird so etwas beinahe als Selbstverständlichkeit abgetan? Ja, es kam oft vor, aber gerade weil der Autor im folgenden Text hervorhebt, dass die Amerikaner im Allgemeinen, und Easy im Speziellen weitaus zurückhaltender und „anständiger“ waren, möchte man doch erwarten, dass so etwas nicht mit „of course“ eingeleitet wird. Und mal rein grundsätzlich – nur weil es weniger Männer machten, macht es den Fakt, dass es Vergewaltigungen gab, noch lange nicht besser. Auch wenn es vielleicht weniger waren, es führte genauso zu erneutem Hass und Abneigungen, ganz zu schweigen davon, was diese Frauen durchleben mussten.

Ein anderes, weniger erfreuliches Detail ist das „Eagle’s Nest“, das der Autor mit „Aldershorst“ bezeichnet, immer wieder, weswegen es wohl kein Druckfehler ist. Nun kann ich nicht sagen, ob da nicht auch ein Verleger gepfuscht haben kann, vor allem da einige Menschen das Buch vorher gelesen haben – nicht zuletzt Überlebende aus der Easy – und es doch irgendjemandem aufgefallen sein muss. Sollte der Fehler aber tatsächlich vom Autor, einem Historiker stammen, wäre ich ein wenig enttäuscht. Gleichzeitig drängt sich die Frage auf, an welchen Stellen noch nicht alles ganz einwandfrei stimmt, und wenn es nur ein Begriff ist.

Trotzdem ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich ein Blick in das Buch definitiv lohnt, einfach weil es viele Informationen enthält – sowohl für die, die es alleinstehend lesen oder wie ich zusammen mit der Serie. Vor allem im Bezug auf diese wird einiges richtig gestellt (zumindest hoffe ich das). Nicht dass die Produzenten irgendwas hinzugedichtet hätten, aber vor allem gegen Ende wurden auch mal Soldaten auf Patrouille geschickt, die eigentlich gar nicht dabei waren, oder es wurden Zeiträume gerafft, kleine Ereignisse an anderer Stelle gezeigt. Alles eben der Spannung halber, letztlich ist es eine TV-Serie, die unter anderem auch unterhalten soll.
Was das angeht, klärt Ambrose tatsächlich auf.

Ebenfalls positiv hervorzuheben ist der Schreibstil des Autors, der keineswegs trocken ist, wie manch einer bei einem Sachbuch wohl befürchtet. Stephen Ambrose schreibt ansprechend über die Easy Company, sodass das Buch erstaunlich flüssig und leicht zu lesen ist. Ausgenommen die Aufzählungen von Regimenten, die ab und zu vorkommen, aber da ist es wohl kein allzu großes Verbrechen, die Stelle nur kurz zu überfliegen und mit dem eigentlichen Text weiterzumachen.
Das einzig große Problem sind die Abkürzungen, die bei der ersten Nennung noch erklärt werden, danach – wie üblich – nur noch als Abkürzung vorkommen. Teilweise aber in so großen Abständen, dass es passieren kann, dass man die Bedeutung schlichtweg vergisst. In der Regel reicht eine kurze Recherche aus, um das Problem zu lösen. Allerdings wäre eine Art Verzeichnis am Ende auch sehr hilfreich gewesen, zumindest für die unkundigen Leser, die ansonsten noch nicht allzu bewandert in dem Thema sind.


Die Balance zwischen Objektivität und persönlicher Wertung hat der Autor nicht wirklich gefunden, was ärgerlich ist. Wem aber viel am Thema liegt, dem sei gesagt, dass man diese „Patzer“ zwar nicht ignorieren, das Buch aber trotzdem „genießen“ kann. Informativ ist es auf jeden Fall und zusätzlich auch sehr angenehm geschrieben, was es umso besser macht. Die Highlights sind letztlich die kleinen Geschichten zwischendurch, die weniger mit dem großen Ganzen, sondern mit dem Leben der Soldaten in der Easy Company während des zweiten Weltkrieges zu tun haben. Wer allerdings nur auf solche aus ist, hält sich besser an die Biografien, die zahlreich erschienen sind.