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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Hard Bitten - Chloe Neill Das Leben als Vampir war noch nie sonderlich einfach, doch nun scheinen die Dinge vollkommen aus den Fugen zu geraten. Seit den letzten Ereignissen hat sich immer mehr Unmut unter den Menschen breitgemacht. Sie stehen vor Cadogans Haus und demonstrieren gegen die übernatürlichen Bewohner, Angst und Misstrauen sind stärker denn je – und einige Menschen sind bereit, härtere Maßnahmen zu ergreifen. Das ruft auch das Greenwich Presidium auf den Plan, das all dies mit wenig Freude beobachtet. Nun kommt das Oberhaupt, Darius West, zu Besuch und seine Befehle sind klar: Biegt das wieder gerade oder wir übernehmen die Leitung dieses Hauses. Gleichzeitig droht auch der Bürgermeister Chicagos mit Ethans Verhaftung, wenn dieser nicht endlich Kontrolle über die illegalen Blutpartys, die einige Vampire veranstalten, gewinnt. Und wie es nun einmal so ist, steht Merit an vorderster Front, wenn Erkundigungen dieser Art eingeholt werden müssen. Nur dieses Mal stehen Leben auf dem Spiel.


Man sollte meinen, dass bei so vielen Problemen ordentlich Spannung in ein Buch gebracht werden kann: Wütende, brutale Menschen, Vampire mit kaum vorhandener Selbstkontrolle, Bürgermeister am Ende ihrer Geduld, eingebildete und blinde Oberhäupter und ein Meistervampir in der Klemme – es ist schon fast eine Leistung, da keine Spannung reinzubringen, die Chloe Neill aber leider vollbracht hat. Es ist nicht so, dass „Hard Bitten“ langweilig wäre – wie immer liest es sich sehr schnell und einfach und zu lachen gibt es auch nie zu wenig. Es ist das Gleiche wie mit dem Vorgängerband: Das Buch ist interessant und macht Spaß, die Spannung lässt aber bis zum Schluss auf sich warten. Doch die letzten paar Seiten können ganz gewiss nicht hunderte zuvor aufwiegen und deswegen kann dem Buch hierfür kein Punkt verliehen werden.

Ein wenig mag das auch an einem Charakter liegen, der beinahe schon stagniert. Seine Beziehungen drehen sich im Kreis, die Figur ändert sich kaum mehr, wird eher weich und regelrecht uninteressant. Das wirkt sich auch auf die Handlung aus, da es nun einmal eine Hauptfigur betrifft, so viel sei verraten.
Ganz die Hoffnung sollte man deswegen aber nicht aufgeben: Zum einen betrifft es – bis jetzt – nur einen einzigen Charakter, zum anderen hat es offenbar auch die Autorin bemerkt und sich nach einer Lösung umgesehen. Was sie nun in „Hard Bitten“ präsentiert, ist radikal und wird ganz gewiss nicht jedem gefallen. Meines Erachtens nach war es aber die beste Entscheidung, die sie treffen konnte – sie ist endgültig und kündigt für die kommenden Bände einige Änderungen an, mit denen vielleicht auch die Geschichte wieder richtig in Schwung kommt und an Spannung gewinnt. Die Änderung des Schemas der Titel – sonst war immer „bite“ in einer Form eingebunden, nun wird das offenbar auf „drink“ zutreffen – zeigt, dass es von Neuem losgeht, zweifelsohne auch mit ganz neuen Problemen.

Abgesehen davon hat „Hard Bitten“ auch einige neue Enthüllungen zu bieten. Von Merits Problem mit ihrem eigentlichen Vornamen, über angebliche Freunde bis zum Geheimnis ihrer Verwandlung, die doch recht seltsam war. Da ist so einiges zu entdecken, das schon vorher nicht ganz astrein wirkte, aber auch anderes, das so vorher überhaupt nicht ersichtlich war. So hält die Autorin für den Leser noch die eine oder andere Überraschung bereit, aufgrund derer es zum Glück wirklich nicht langweilig wird.
Trotzdem gibt es auch weiterhin noch viel zu entdecken. Das meiste davon betrifft die Ereignisse von „Hard Bitten“, die ich hier deswegen nicht erwähnen werde – soll ja niemand gespoilert werden. Einiges stammt aber noch von den Anfängen, so auch die Frage nach dem vampirischen Informanten des Ombudsmannes, der nach wie vor nicht enthüllt ist.

Sprachlich stellt das Ganze wie immer eine solide Leistung dar. Chloe Neill besticht nicht gerade durch einen besonders ausgefeilten Stil, aber er passt zur Geschichte und vor allem zur Protagonistin Merit, die wie immer mit erwähntem Witz besticht. Sie ist auf dem Boden geblieben – so auch der Stil der Autorin. Das kann man ihr wohl kaum zum Vorwurf machen und so bleibt das einzig große Manko die fehlende Spannung.


Man füge Spannung hinzu und hätte ein wirklich gutes Buch – nun fehlt diese zum Großteil, aber radikale Änderungen lassen trotzdem noch auf mehr hoffen. Charaktertechnisch wird damit auch einiges umgeworfen und so können die beiden großen Mankos dieses Buches theoretisch beseitigt werden.
Denn ansonsten weiß „Hard Bitten“ zu überzeugen – witzig und interessant wie immer kommt das Buch daher, was aber auf Dauer auch nicht ausreicht und es deswegen auch hier wieder insgesamt gesehen ein wenig enttäuscht.