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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Forever - Maggie Stiefvater Als sie sich endlich trafen, war Sam der Werwolf und Grace der Mensch. Nun ist es genau anders herum. Dass Grace sich nach ihrem Biss nie verwandelte, drohte nun, ihr das Leben zu nehmen, also musste sie erneut gebissen werden und fortan streift sie als Wolf durch den Wald, gefangen zwischen den einzelnen Verwandlungen zum Menschen und wieder zurück.
Sam will derweil nur eines: Grace finden und heilen. Mit Cole, der mit seinen Experimenten nicht selten sein Leben riskiert, könnte dies sogar machbar sein, doch ihnen läuft die Zeit davon. Tom Culpeper, Isabels Vater, will den Tod seines Sohnes rächen, indem er alle Wölfe der Gegend ausrottet. Eine große Jagd rückt mit jedem Tag näher und bedroht nicht nur Grace‘ Leben, sondern auch das beinahe aller Personen, die Sam jemals im Leben wichtig waren.


Über die Geschichten von Maggie Stiefvater kann man sagen, was man möchte, eines muss man ihr doch noch immer lassen: Sie hat einen wunderbaren Stil, der allein ein Buch schon lesenswert macht. Nun hat sie aber mit „Shiver“ die Messlatte sehr hoch gelegt und mit „Linger“ einmal mehr bewiesen, dass sie nicht nur schöne Worte zu Papier bringen, sondern dem Leser auch all die Emotionen näher bringen kann, mit denen die Charaktere zu kämpfen haben. „Shiver“ war wunderschön und herzerwärmend, „Linger“ beinahe schon niederschmetternd, das Ende zum Haareraufen. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an „Forever“ – ich wollte wieder diesen Schreibstil, wieder diese Gefühle, die Aufklärung des Ganzen und eventuell auch ein bisschen mehr Spannung als sonst. So wirklich geklappt hat es leider nur mit dem Schreibstil.

„Forever“ hat einige dramatische Momente, genug um den Leser des Öfteren zum Weinen zu bringen oder wenigstens in die Verzweiflung zu treiben – theoretisch. Allerdings habe ich von alldem absolut nichts gespürt. Ich musste weder weinen, noch konnte ich mich wie sonst mit Grace und Sam freuen – das Buch ging oftmals emotionslos an mir vorüber, was wirklich schade ist, um nicht zu sagen enttäuschend.
Dabei schien es mir, als gäbe es in diesem Band mehr kleine Ereignisse, die die Spannung eher vorantreiben als noch in den ersten beiden Bänden. Es sind immer kurze Momente am Ende eines Kapitels, vor allem da die wechselnde Erzählperspektive immer wieder andere Handlungsstränge unterbricht und die Situation nicht sofort aufgeklärt wird. Bis es so weit ist, hat sich schon wieder die nächste Ungereimtheit aufgetan und so weiter. Sonst waren immer die Figuren der tragende Aspekt der Bücher, dieses Mal hat das nicht wirklich geklappt. Dafür springen nun diese kleinen Spannungsbögen ein, bei denen aber schlichtweg die anderen Emotionen fehlen, um sie wirklich spannend im Sinne von „mitreißend“ zu machen. Gegen Ende gibt es einen kurzen Moment, bei dem es endlich Klick macht – aber genauso schnell ist es auch schon wieder vorüber.
Insgesamt gesehen hat letztlich aber auch das „große Ereignis“ wieder sehr lange auf sich warten lassen – wie immer.

Damit geht einher, dass ich die Beziehungen, die bestehen oder sich herausbilden, nicht mit solchem Wohlwollen wie sonst beobachten konnte. Zum einen liegt das natürlich daran, dass Sam und Grace nicht so viel Zeit vergönnt ist wie sonst und Cole und Isabel nun einmal nicht Sam und Grace sind – was auch gut so ist. Aber andererseits wollte auch bei den Charakteren der Funke zum Großteil nicht überspringen.
Natürlich ist Cole ein sehr charmanter Kerl mit zweifelhaften Methoden, eben der Alptraum einer jeden Schwiegermutter, den man aber einfach gern haben muss. Natürlich sorgt auch Isabel mit ihrer üblichen kalten Art für einige Lacher, während man sehr gut weiß, dass sie längst nicht so ist, wie sie immer tut. Natürlich wünschte ich Grace und Sam alles Beste und hätte die beiden nach wie vor am liebsten in meinem Bekanntenkreis. Aber das gewisse Etwas fehlte einfach, die Charaktere waren nicht so lebendig wie sonst – das ging so weit, dass mir Grace zeitweilig sogar unsympathisch wurde, einfach weil das nicht ganz die Grace war, die ich kennengelernt habe.

Um das Ganze scheinbar abzurunden, schließt „Forever“ außerdem die Geschichte nicht wirklich ab, obwohl es der letzte Band ist. Es wäre okay, wenn es ein paar nebensächlichere Fragen wären, die offen bleiben, aber „Forever“ lässt da zu viel Platz für mehr. Ohne jetzt alles verraten zu wollen: Es gibt zu viele Hauptprobleme, die nicht geklärt werden. Selbst die Suche nach dem Gegenmittel ist alles nur nicht abgeschlossen. Was die Informationen angeht, könnte Maggie Stiefvater glatt noch einen Band nachschieben, denn so ist die Geschichte nicht wirklich fertig.


„Forever“ reicht kaum an seine Vorgänger heran; zwar bietet es spannungstechnisch mehr, aber Gefühle kommen kaum rüber, was sich auch darauf auswirkt. Ganz zu schweigen davon, dass hier kaum von einem Abschluss der Reihe die Rede sein kann. So gesehen ist es eher enttäuschend, zumal dadurch auch Linger beinahe unnötig wird. So schön das Buch auch war, es funktioniert nicht ganz ohne „Forever“. Wenn ich mir den dritten Band aber so ansehe, wäre es vielleicht doch besser gewesen, es bei „Shiver“ zu belassen – oder „Linger“ und „Forever“ zu einem Buch zusammen zu nehmen, aber dafür ist es wohl zu spät.