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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Der Kuss des Jägers: Roman - Sarah Lukas Nach allem, was sie erleben mussten, können Sophie und Rafael endlich aufatmen: Rafe ist wieder ein Engel und nicht mehr gezwungen, Sophie zu verführen. Dafür sitzt nun Jean im Gefängnis, der nach den letzten Ereignissen endgültig unter Mordverdacht steht, auch wenn er unschuldig ist. Sophie würde ihn am liebsten rausholen, geschah all dies doch nur, weil er sie retten wollte, doch das Wie ist eine Frage, die sie nicht beantworten kann.
Zusätzlich setzt ihr der Dämon Kafziel zu, der sich um das Opfer betrogen fühlt. Er hat nicht vor aufzugeben, denn der Pakt wurde mit Blut besiegelt und nun will er vollenden, was er begonnen hat. Fortan versucht er, Sophie in eine Falle nach der anderen zu locken und bedroht dabei nicht nur ihr Leben, sondern auch das ihrer Familie und ihrer Freunde.
Und in all diesem Chaos kann sie noch nicht einmal die einzig gute Entwicklung genießen: Sie spürt deutlich Rafaels Liebe, doch diese ist zärtlicher als zuvor, weniger verlangend. Irgendetwas fehlt ihr und irgendwann muss auch sie begreifen, dass sie es so nie wieder bekommen wird.


Es kündigte sich leider schon ein wenig am Ende des ersten Buches an, dass die Spannung in der Geschichte etwas nachlässt. Bereits auf den letzten Seiten von „Der Kuss des Engels“ waren die Entwicklungen klar umrissen, die große Frage – Wird sich Rafe zurückverwandeln? – wird bereits geklärt. Das nahm damals ein wenig die Spannung aus dem Ende und leider ändert sich das im Verlauf der Handlung des zweiten Teils kaum.
Natürlich ist da die Frage, wie es mit unserem Engel und seiner Menschenfrau wohl weitergeht und ob Jean jemals wieder aus dem Gefängnis herauskommt. Zugegebenermaßen ist Letzteres auch das antreibende Problem, denn wer sich auch nur ansatzweise mit dem Thema Engel beschäftigt hat – was dank Band 1 geschehen ist –, sollte wissen, dass das mit Engeln und Menschen so nicht funktionieren kann. Daher war es von vornherein klar, dass die beiden nicht so zusammen sein können wie vor Rafaels Tod, während die Protagonistin erst auf Seite 269 realisiert, was das für sie heißt.
In der Zwischenzeit sind Jeans kurze Übernahmen der Erzählung eine willkommene Abwechslung, allerdings ändert das nichts daran, dass sich am Anfang, während diesem er auch seltener vorkommt, kein richtiger roter Faden herausbildet. Es lässt sich überhaupt nicht sagen, wohin das Ganze führen wird, aber leider nicht im positiven Sinne, dass die Autorin den Leser mit immer neuen Wendungen auf Trab hält – es zeichnet sich schlichtweg kein klares Ziel ab. Später ändert sich das glücklicherweise etwas, aber was dann geboten wird, ist leider auch eher mau und ruft zwischenzeitlich geheimnisvolle Fähigkeiten von Sophie auf den Plan, die mit keiner Silbe erklärt werden. Das passiert zwar nur einmal, aber ohne diesen einen Moment hätte sich das Ganze vermutlich im Kreis gedreht.

Derweil bilden sich die Charaktere nicht weiter aus, sie bleiben ähnlich konturenlos wie im ersten Band, auch wenn bei einigen sicherlich Potential da ist. Jean zum Beispiel könnte ein wirklich wunderbarer Charakter sein, einfach weil er einen wahnsinnig interessanten Hintergrund hat. Ihm wird aber nicht genügend Zeit gegeben, um sich wirklich hervor zu tun und so bleibt er der gutaussehende Exorzist mit Raucherproblem, der im Gefängnis sitzt, während er woanders dringend benötigt wird.
Rafael dagegen verliert schlicht und ergreifend seinen Grip. Als Gefallener hatte er noch die Fähigkeit, beim Leser ein Gefühl des Unwohlseins hervorzurufen, einfach weil nie ganz klar, ob ihm nun zu trauen ist oder nicht. Jetzt ist er wieder ein ganz normaler Engel: Zärtlich, gewissermaßen liebend, um die Menschheit und das Gute besorgt, der dabei aber auch das große Ganze im Blick hat als einzelne Personen.
Sophie hat dagegen jede Menge Probleme, eines davon ist Rafes mangelndes körperliches Interesse, aber natürlich auch der Dämon, der hinter ihr her ist und dem sie des Öfteren auf den Leim geht, glücklicherweise aber in Besitz einer Kurzanleitung für Exorzisten gelangt.
Und da es im ersten Band schon kurz angedeutet wurde, findet hier nun endlich die Dreiecksgeschichte ihren Fortgang, denn trotz all ihrer Liebe für Rafael meldet sich immer deutlicher ein gewisses Interesse an Jean zu Wort, was gerade recht kommt – denn wie wir alle wissen, reicht es bei Engeln mit Sex nicht weit und sie ist nun einmal eine junge Frau. Geht es wirklich ohne? Glücklicherweise deutet sich keine dieser Hin-und-Her-Geschichten an, auch wenn natürlich noch ein Band auf uns wartet. Aber erst einmal scheint es so, als würde die Autorin, zumindest was das anbelangt, eine klare Linie verfolgen – einer von beiden, aber keinesfalls beide zugleich. Dafür ein Dankeschön an die Autorin!
Andere Charaktere bleiben Nebencharaktere – Madame Guimard, Alex, Geneviève ... –, in diesem Fall ist das aber auch okay, wenngleich mehr Informationen bei jedem interessant gewesen wären.

Dummerweise hat es auch mit den Emotionen wieder nicht so ganz klappen wollen. „Der Kuss des Jägers“ hat zweifelsohne einige Momente, die ungemein emotional sind und berühren könnten, leider ist bei mir kaum etwas davon angekommen. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass die Charaktere gewissermaßen „fern“ bleiben und es schwer fällt, eine richtige Beziehung aufzubauen. Und so gern ich mit Sophie mitgelitten hätte – bisweilen erschien sie mir schlichtweg melodramatisch.
Das Ende ist derweil wieder sehr offen und auch wenn es erneut die Spannung nicht aufrecht erhält beziehungsweise erzeugt, so macht es gewissermaßen Hoffnung – dass es beim nächsten Mal vielleicht etwas düsterer wird, dass eventuell auch wieder ein paar mehr Exkurse zur Kirchengeschichte und zum Exorzismus vorkommen, denn auch das hat mit in diesem Buch gefehlt. Und mit etwas Glück, auch wieder mehr Spannung.


„Der Kuss des Jägers“ ist leider kein würdiger Nachfolger, denn auch wenn der Leser am Ende vor neuen Problemen steht, Spannung kommt zwischendurch kaum auf – dabei hat diese das Buch letztes Mal unter anderem so lesenswert gemacht. Die Charaktere gewinnen auch kaum an Konturen und so bleibt nur zu hoffen, dass es im dritten Band wieder bergauf geht.