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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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The Iron King - Julie Kagawa Meghan Chase‘ Leben war noch nie das normalste: Ihr Vater verschwand spurlos als sie sechs war, mitten bei einem Besuch im Park und niemand weiß wohin. Ihre Mutter hat mittlerweile wieder geheiratet, die Familie lebt aber in eher ärmlichen Verhältnissen. Abwechslung bietet da nur ihr einziger und bester Freund Robbie, der mit ihrem herannahenden sechzehnten Geburtstag aber auch immer seltsamer wird.
All das gipfelt darin, dass ihr kleiner Halbbruder auf einmal zu einem gefährlichen kleinen Monster wird, das nicht davor zurückschreckt, Meghan ins Bein zu beißen, wenn sie nicht spurt. Es ist Robbie, der ihr erklärt, dass dies keineswegs ihr Bruder Ethan, sondern ein Wechselbalg ist, der Nachkomme einer Fee, der gegen das echte Kind ausgetauscht wurde. Nach dem ersten Schock sieht Meghan nur einen Weg, um Ethan zurückzuholen: Sie muss in die Welt der Feen hinein und ihn finden.
Doch man reist nicht einfach so durch das Nevernever, erst recht nicht, wenn man dort nicht erwünscht ist. Neben allerlei Kreaturen und Feen, die auf Gebieten jagen, die zu keinem der Courts gehören, haben auch die Herrscher des Seelie und des Unseelie Courts ihre ganz eigenen Gründe, warum sie Meghan loswerden oder vor Ort festhalten wollen. Mithilfe neuer Gefährten muss Meghan sich losreißen und auf den Weg machen, quer durchs Nevernever – dass sie dabei auch noch eine neue Gefahr für die gesamte Feenwelt entdecken wird, weiß sie noch nicht …


Wo andere Autoren sich Zeit lassen, fackelt Julie Kagawa nicht lange rum: Natürlich müssen Meghans Welt und Leben kurz umrissen werden, damit der Leser eine Ahnung davon bekommt, woran er gerade ist und das macht die Autorin auch. Doch dann geht es auch schon los mit den seltsamen Vorkommnissen – Gestalten, die nur aus dem Augenwinkel zu sehen sind, Computer mit Eigenleben, geheimnisvolle Fremde … Die Probleme kommen schnell, Lösungen dafür nicht, im Gegenteil: Sobald es losgeht mit Meghans Reise, wird zwar unterwegs einiges enthüllt, nur aber um sie sogleich mit einem neuen Problem, einer neuen Frage zu konfrontieren – mit so vielen, dass selbst am Ende nicht jede Frage restlos geklärt ist.
Feenunkundige sollten sich auch keine Sorgen machen: Meghan ist selbst sehr unwissend, was diese Welt anbelangt und so gibt es anfangs Erklärungen, soweit es nötig ist.

Trotz dieser Hindernisse muss sie versuchen, ihren Bruder zu finden und dieses Ziel führt sie quer durch die Feenwelt. Diese bietet einiges, wenngleich nicht alles neu ist. Die Grundkonstellationen wurden schon in alten Mythen gegeben, neuere Geschichten und Märchen haben sich davon genauso inspirieren lassen wie sie inspirieren – es hängt dabei vom Leser ab, wie sehr man sich mit Feen in der Literatur auskennt, wie viel davon tatsächlich auffällt. Nichtsdestotrotz macht die Feenwelt Spaß, zumal die Autorin konsequent beim weniger positiven Bild dieser Wesen bleibt. Es gibt eigentlich keine Fee – die im Buch eine Rolle spielt –, von der man behaupten könnte, sie sei durchweg gut, wirklich nett sind wenige. Wer nach dieser Charaktereigenschaft Ausschau hält, muss schon bei anderen Wesen suchen.
Diese sind zahlreich vorhanden, und es besteht kein Zweifel, dass das Nevernever noch wesentlich mehr zu bieten hat, sowohl auf Seiten der Wesen, die man gerne mal kennenlernen würde und auf Seiten derer, denen man lieber nicht zu nahe kommen sollte.

Abgesehen von den verschiedenen Bewohnern der Feenwelt interessieren natürlich auch die Hauptcharaktere, angeführt von Meghan. Robbie, der Winterprinz Ash und die sprechende Katze Grimalkin spielen im Vergleich zu Meghan eine leicht untergeordnete Rolle, sind dennoch wichtig und auf ihre Art beachtenswert. Robbie sorgt mit seinem Schabernack und spöttischen Bemerkungen nicht selten für einen Lacher, wenngleich er an mancher Stelle durchblicken lässt, dass er durchaus mehr ist als nur gute Unterhaltung. Für eben diese sorgt auch Grimalkin, allerdings durch seine oftmals gelangweilte Haltung, Intelligenz und den leisen Witz, obwohl der Kater gewissermaßen undurchsichtig bleibt, zumindest was seine Ziele betrifft – rein körperlich ist er eigentlich ziemlich oft unsichtbar. Bliebe da noch Ash, der anfangs distanzierte Prinz, der seiner Mutter und Königin treu ergeben ist, und Robbie am liebsten töten würde. Zusammen bilden sie schon ein interessantes Gespann und beste Unterstützung für Meghan, zumindest für den Moment der Not. Man sollte nie vergessen, dass in der Feenwelt alles seinen Preis hat.
Das Mädchen ist zugegebenermaßen ein wenig überfordert mit der Situation. Meist schreit und stolpert sie durch die Gegend, während Grimalkin sich aus dem Staub macht und nur im Notfall eingreift, und andere ihr Leben retten dürfen. War es anfangs noch verständlich, wurde es mit der Zeit ein wenig anstrengend. Zunächst war es auch wirklich toll, dass sie nicht sofort mit irgendwelchen Kräften aufwarten kann und zu einer Mary Sue mutiert, doch irgendwann war ihre Tatenlosigkeit doch etwas zu viel des Guten.

Wiederum sehr schön war, dass die Autorin auch vor Verlusten nicht zurückschreckt. Zwar geht das noch wesentlich übler, aber sind schließlich nicht immer die Extreme vonnöten. Es ist eine gefährliche Reise und die kann nicht ohne Verletzungen oder Opfer von Statten gehen und so verliert beinahe jeder irgendwas – es wäre wirklich unglaubwürdig gewesen, wenn fiese Feen hinter jemandem her sind und dieser jemand mit komplett heiler Haut davon kommt. Julie Kagawa verzichtet auf solcherlei Sachen.
Im Gegensatz dazu nicht ganz so schön war die Liebesgeschichte: Eigentlich ist es toll, dass das Buch zum Großteil schlichtweg ohne auskommt. Romanzen sind zwar schön und gut, aber ab und an ist eine Pause nötig und somit bietet „The Iron King“ eine willkommene Abwechslung. Hier liegt der Fokus auf der Geschichte, nicht der Romantik. In dem Part aber, in dem sie vorkommt, macht es nie richtig „klick“, ich konnte die Gefühle nicht richtig nachvollziehen. Es ist gewissermaßen plötzlich und machte ein Reinfühlen für mich sehr schwer.
Am Ende aber ist das erste Abenteuer abgeschlossen und die Weichen sind gestellt für weitere Konflikte, Gefühlschaos, Fragen, die erst einmal wieder gefunden werden müssen, ehe man nach einer Antwort suchen kann und und und!


Ein spannender, einfach spaßiger Auftakt zu einer Reihe, die jede Menge Abenteuer verspricht. Die Feen wandeln sich in keiner Sekunde zu Glitzerstaub wedelnden Figürchen, sondern heizen den Charakteren richtig ein, die selber durch ihre Art für jede Menge Unterhaltung sorgen.
Trotzdem ist nicht alles Gold, was glänzt – die Protagonistin braucht ihre Zeit, ehe sie etwas selbstständiger wird und der romantische Anteil kann nicht ganz überzeugen. Das soll den Lesegenuß aber kaum mindern.