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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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The Iron Daughter - Julie Kagawa Ethan ist gerettet, doch das heißt noch lange nicht, dass Meghan in die Welt der Menschen zu ihrer Familie zurückkehren kann. Der Vertrag mit Ash gilt noch immer – er hilft ihr, ihren Bruder zu finden, sie geht hinterher freiwillig mit ihm nach Tir Na Nog, in das Reich der Winterfeen. Genau dort findet sie sich nun wieder, einsamer als je zuvor. Die Winterfeen haben zumeist nicht viel für sie übrig und auch Ash ist kaum da. Wenn doch, dann zeigt er ihr die kalte Schulter und Meghan beginnt daran zu zweifeln, ob das alles nur Tarnung zu ihrer Sicherheit ist, da Winter und Sommer sich nicht lieben dürfen. War womöglich doch alles nur gespielt, damit sie ihn zur Königin Mab, Ashs Mutter, begleitet? Doch Vertrag ist Vertrag, und nicht einmal ihr Vater Oberon kann sie dort herausholen.
Als aber eines Tages die Iron Fey auftauchen und ein wichtiges Artefakt stehlen, bleibt Meghan nur eine Wahl: die Flucht. Nicht um endlich heimzukehren, sondern um das Artefakt zurückzuholen; sollte sie scheitern, drohen der Feenwelt Krieg und Zerstörung. Denn außer Meghan und ihren Freunden hat niemand die Iron Fey gesehen und Königin Mab bezichtigt die Sommerfeen des Diebstahls. Dass die Iron Fey dahinter ihre eigenen Pläne verfolgen, ahnen nur wenige …


„The Iron Daughter“ hat ein großes Problem: Meghan. War sie im ersten Band schon ein bisschen unbeholfen, mausert sie sich in der Fortsetzung zu einer melodramatischen Heulsuse, die von großer Liebe spricht, aber es auch mal gerne mit dem besten Freund versuchen will, weil besagte große Liebe gerade nicht abrufbar ist, und das obwohl zuvor keine derartigen Gefühle für den besten Freund gezeigt wurden.
Es beginnt schon damit, dass Ash ihr ausdrücklich sagt, dass er am Hofe so tun muss, als wäre sie ihm gleichgültig. Das leuchtet auch ein: Winter- und Sommerfeen dürfen einander nicht lieben und Ash ist nun einmal der Sohn der Winterkönigin, während Meghan die Tochter des Sommerkönigs ist. Das am Hofe öffentlich zu machen, wäre Selbstmord, und zwar für beide. Natürlich ist Ash bisweilen wirklich sehr hart zu ihr und einige Zweifel möchte man Meghan auch zusprechen – auch diese Reaktion ist nur natürlich. Sie übertreibt es aber, hinterfragt sofort alles, obwohl es höchst unwahrscheinlich erscheint, dass all das riskiert, was er riskierte, nur damit sie mitkommt und zwar heil. Das sieht Meghan nicht ein, wäre ja auch langweilig mit einer standfesten Protagonistin, allerdings ist sie kurze Zeit später ganz schnell mit der Liebe bei der Hand. Eigentlich hat Ash da schon Recht: Im Grunde kennt sie ihn doch kaum.
Und so zieht sich das beinahe über das ganze Buch hinweg: Meghan jammert und weint und hat Herzschmerz pur. Zwischendurch schafft sie es endlich sich zusammenzureißen, nur damit das Ganze bei der erstbesten Gelegenheit wieder von vorne beginnen kann.
Das gemixt mit einem Hin und Her zwischen zwei Jungen, plötzlichen Ego-Schüben, wenn sie kleinere Wesen zusammenstauchen kann und netten Szenen à la „Ich möchte ihm helfen, aber wenn ich dabei von anderen komisch angeguckt werden könnte, ist das zu viel verlangt“ machen sie so ziemlich alles, nur nicht sympathisch.

Abgesehen davon ist „The Iron Daughter“ ein wunderbares Buch, was zum einen an Charakteren liegt, die noch kaum vorgekommen sind und schon interessant wirken und Spaß machen. Natürlich sind auch wieder alte Bekannte dabei, einige in recht unerwarteter Manier und wiederum andere genießen im zweiten Band der „Iron Fey“-Reihe erst einmal ihren ersten Auftritt.
Teilweise besteht auch Hoffnung, dass die Bekanntschaften im dritten Band – freiwillig oder gezwungenermaßen – fortgesetzt werden. Was das angeht, besteht wohl kein Grund zur Sorge, selbst wenn in Band 3 wieder neue Charaktere auftauchen. Sie besitzen einen Charme und eine Vielfalt, bei der für jeden etwas dabei sein dürfte.

Auch die Handlung kann sich sehen lassen. Zwar geht es nicht ganz so fix voran wie in Band 1, da es zwischendurch immer mal Pausen gibt – anfangs am Hofe der Winterfeen, zwischendurch ein Aufenthalt bei einer anderen Fee und am Ende nochmals eine kleine Verschnaufpause. Aufgrund der anfänglichen „Pause“ dauert es auch neunzig Seiten, ehe der Konflikt vollkommen ist und das Abenteuer richtig losgehen kann.
Zwischendurch wartet die Autorin neben neuen Charakteren auch mit fiesen, kleinen Wendungen auf. Verrat ist da genauso dabei wie die Enthüllung von Geheimnissen, von denen gemeinerweise nur der Leser, nicht aber Meghan wissen kann. Dass man ihr hier voraus ist, macht aber gar nichts; es ist durchaus reizvoll, an den Gedanken zu verzweifeln, wann sie es endlich auch erfährt, wenn überhaupt, wie die anderen es aufnehmen werden und so weiter.
Die Romantik nimmt hier auch einen etwas höheren Stellenwert ein als noch im Vorgängerband. An sich kein Problem, da sie zuvor ja beinahe weg blieb, kombiniert mit Meghans unmöglicher Art ergibt das allerdings eine etwas unglückliche Mischung, die lediglich stört.

Was die Feen angeht, handhabt die Autorin es wie zuvor: Es gibt jede Menge Dinge, die aus vielen anderen Büchern mit Feen bekannt sein dürften, hat aber dank der Iron Fey auch eine eigene Komponente, die sie einbringt und dem Ganzen somit noch eine besondere Note verleiht. Wirklich tiefer stößt man hier zwar nicht in die Geheimnisse der Iron Fey vor, aber das eine oder andere deutet sich an und sorgt für Spannung; genauso wie die Hinweise während der Geschichte, dass der Kontakt zur Feenwelt nicht so leicht zu verlieren ist, wie man glauben mag – wichtig ist das besonders für das Ende.
Sprachlich bietet Julie Kagawa genügend Beschreibungen, um das Kopfkino automatisch anzuschalten und doch wenig genug, um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Auch hier hat sie ganze Arbeit geleistet und wie auch bei der Handlung und den Charakteren – neben Meghan – war diese positiv.


„The Iron Daughter“ ist eigentlich ein Buch, das man ohne Skrupel genießen könnte: interessante Charaktere, angenehmer Schreibstil, spannende Handlung. Leider verkommt die Protagonistin Meghan zu einem jammernden Häufchen Elend und bringt es meisterlich zustande, dass jedes noch so kleine Fünkchen Mitgefühl für sie abhandenkommt.