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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Der Traum der Hebamme - Sabine Ebert 3,5

Dass Marthe und ihre Familie nichts Gutes erwartet, wenn Albrecht Herr der Mark Meißen ist, war allen von Anfang an klar. Nun haben die Freiberger unter seiner Willkür zu leiden, während sich Marthe und Lukas in Thüringen im Exil befinden.
Marthes Tochter Clara befindet sich derweil in Weißenfels, der Burg von Graf Dietrich, Albrechts jüngerem Bruder und dem Mann, den Clara liebt. Auch er empfindet etwas für die junge Heilerin, kann sie aufgrund seines Standes jedoch nicht heiraten. Allerdings sollte er sich zunächst um andere Dinge Sorgen machen, denn während er mit Claras Bruder Thomas aus dem Heiligen Land zurückkehrt, plant sein Bruder einen Angriff gegen ihn in Weißenfels.
Schnell versammelt Dietrich seine Verbündeten um sich, darunter auch Marthe und Lukas, die von Albrecht für tot gehalten werden. Um allerdings die notwendige Kampfkraft zu erreichen, um den Angriff seines Bruders abzuwehren, muss er sich auf den Thüringer Landgrafen einlassen – er muss sich mit dessen viel zu junger Tochter Jutta verloben.
Während Dietrich sein Land, sein Leben und seine Liebe zu verlieren droht, kämpft Thomas noch immer mit den Ereignissen im Heiligen Land, die schwere psychische Schäden bei dem jungen Ritter hinterlassen haben. Sowohl Schwester als auch Mutter können ihm dabei nicht helfen, und letztlich stellt sich für ihn die gleiche Frage wie für alle anderen auch – werden sie trotz aller Widrigkeiten doch noch ihr glückliches Ende finden?


Beim vierten Band hatte ich noch das Problem, dass mir die Charaktere nicht nahe gingen. Ich vermutete, dass es daran lag, dass ich sie nicht schon seit dem ersten Band begleite, sondern erst mit „Der Fluch der Hebamme“ in die ganze Materie einstieg – und es alteingesessenen Lesern besser glücken sollte, an ihrem Schicksal Anteil zu nehmen. Ich möchte behaupten, dass ich damit Recht habe, denn nun, da ich die Charaktere zu einem gewissen Grad kenne, bedeuteten sie mir in „Der Traum der Hebamme“ mehr. Da taucht der eine oder andere auf, treibt Schabernack oder ist mit seinen Wunden beschäftigt – ich musste lächeln, habe mich um sie gesorgt und gefreut, wenn sie noch einmal glimpflich davon kamen. Dadurch wird logischerweise auch das Geschehen spannender, da ich dieses Mal wirklich wissen wollte, was mit ihnen geschieht – und im Falle von Marthe, Thomas und den anderen kann man es auch nicht im Geschichtsbuch nachlesen.
Das ändert leider nichts daran, dass die Charakterzeichnung sich nach wie vor viel zu sehr an der Schwarz-Weiß-Methode orientiert. Die Guten sind gut und die Bösen sind böse, viel mehr gibt es da nicht zu sagen. Zwar gibt es den einen oder anderen Charakter, der doch in der Grauzone umherwandert, seine Taten bereut und sich ändert, die Norm ist dies aber nicht. Wer zu den Guten gehört, hat nie auch nur einen bösen Gedanken – auch wenn das aus historischer Sicht zugegebenermaßen etwas anders gesehen werden kann – und die Bösen dagegen haben keinen einzigen Funken Güte in sich, sind ein schlichtweg ein Monster.
Das ist insofern schade, da nun einmal niemand einfach nur böse oder gut ist. Ausnahmen mag es geben, aber in dieser großen Zahl? Das ist dann doch ein wenig unglaubwürdig.
Ebenfalls nicht besonders ausgefeilt ist die Charakterentwicklung. Manchmal tauchen einfach Beziehungen auf, mit denen man nie im Leben gerechnet hätte, einfach weil es zuvor nicht den kleinsten Hinweis in diese Richtung gab. Von daher sind es nicht unbedingt schöne Überraschungen, sondern sorgen eher für irritierte „Augenblick, wie kommt denn das jetzt?“-Momente.

Neben den nähergehenden Charakteren sorgt auch die Handlung für Spannung, die anfangs zeitlich sehr dicht bepackt ist, dann aber auch mal zwei Jahre zusammenrafft und die Entwicklung einiger Charaktere überspringt. Dafür liegen die Ereignisse dichter beieinander, da damals einiges nun einmal seine Zeit brauchte und man nicht in ein paar Stunden von einer Stadt zur nächsten reisen konnte. So gesehen hat das seine Vor- und Nachteile.
Dafür hat die Geschichte wieder einen größeren Anteil der Parts, die nicht den reinen Geschichtsbuchstoff beinhalten, sondern das Leben einzelner Leute, die die Autorin erschuf, betrachtet und dem Leser ihr Schicksal näherbringt. Auch das hatte mir beim letzten Band ein wenig gefehlt, zumal dort der Fokus sehr auf dem Kreuzzug lag. Ein solcher spielt auch in „Der Traum der Hebamme“ eine Rolle, nimmt aber keinen so großen Platz ein und gestaltet sich auch ansonsten ein wenig anders als der des Vorgängerbandes.

Sprachlich wird das Ganze nicht sehr kunstvoll dargeboten, der Schreibstil von Sabine Ebert ist schlicht und wenig fantasievoll. Dafür lässt er sich sehr leicht lesen; das kombiniert mit dem Interesse am Fortgang der Geschichte sorgt dafür, dass die Seiten geradezu dahin fliegen.
Der beständige Perspektivenwechsel, der gerne auch mal innerhalb eines Kapitels stattfindet, hält dabei genauso das Interesse aufrecht und ist auch nicht schwer nachzuvollziehen. Wann immer die Autorin, wenn auch nur kurz, zu einer anderen Sicht wechselt, zeigt sich das schnell und bereitete mir zumindest keine Probleme. Trotzdem wirkte es bisweilen ein wenig sprunghaft-
Sehr praktisch waren auch die Wiederholungen vergangener Ereignisse, die das Gedächtnis auffrischen und wohl nur dann stören, wenn man die vorherigen Bücher auswendig kennt.


Sprachlich wenig herausragend, bietet Sabine Ebert mit „Der Traum der Hebamme“ einen zufriedenstellenden Abschluss ihrer Saga an, der nicht in allen Punkten überrascht und an anderen noch immer ein wenig kriselt. Andererseits gehören einige dieser Dinge – Schreibstil, Perspektivenwechsel, große historische Spannweite – zur Geschichte rund um die Hebamme Marthe, die längst nicht mehr einzige Protagonistin ist, dazu.