4 Followers
6 Following
Shiku

Muh, das Telefonbuch

Currently reading

Brave New World
David Bradshaw, Aldous Huxley
Men of the Otherworld (Otherworld Stories, #I)
Kelley Armstrong
Tales of the Otherworld (Otherworld Stories, #2)
Kelley Armstrong
Ewiglich die Sehnsucht - Brodi Ashton 3,5
__________________________

In der normalen Welt war Nikki ganze sechs Monate verschwunden. Gerüchte machen die Runde, dass sie drogenabhängig war und im Geheimen einen Entzug gemacht hat, dass sie abgehauen war … keiner ahnt die Wahrheit, nämlich dass Nikki hundert Jahre im Ewigseits verbracht hat. Sie stimmte einst zu, Cole – einem Ewiglichen – in diese Welt zu folgen, weshalb er sich in all den Jahren von ihr, ihren Gefühlen nährte. Nun aber ist sie aufgebraucht und auch wenn sie nach all der Zeit nichts und niemanden mehr aus ihrem vorherigen Leben kennen dürfte, so hat sie sich all die Zeit über an ein Gesicht geklammert: Jack, ihre große Liebe. Zu ihm wird sie nun auch zurückkehren, wenn auch nur für sechs Monate. Diese Zeit möchte sie nutzen, um sich dieses Mal von allen zu verabschieden, von ihrem Vater, ihrem Bruder und von Jack. Doch das ist alles andere als einfach, denn ihr Vater glaubt, sie sei weggelaufen, während ihr Bruder kaum verstanden hat, was los war. Und Jack hatte sie verlassen, ehe sie ihn verlassen hat – das Verhältnis ist angespannt, kann sie je wirklich Abschied nehmen?
Derweil hat Cole ganz andere Pläne mit ihr. Nikki ist wie kein anderer Mensch, der das Ewigseits betreten hat und er weiß: Aus ihr kann viel mehr werden. Doch wenn sie nicht mit ihm geht und die sechs Monate in der Menschenwelt verweilt, dann warten am Ende nur die Tunnel auf sie. Und die werden ihr alles nehmen.


Ich fürchte, ich kann mich den bisherigen positiven Stimmen nicht ganz anschließen. Auch ich habe "Ewiglich die Sehnsucht" zwar genossen, aber richtig begeistert hat es mich nicht.
Dabei fängt es eigentlich gut an: Nikki erwacht mit Cole in einer Höhle und sofort ist die Rede von Nährung, Tunneln und noch ein paar Sachen, mit denen ich nicht sofort etwas anfangen konnte. Eines ist jedoch klar: Nikki war hundert Jahre lang mit Cole eng verbunden, während sie als seine Spenderin fungierte. Danach geht es eigentlich auch schon los – Nikki kehrt zurück in die Menschenwelt. So schnell es aber auch losgeht, genauso fix verlangsamt sich die Handlung wieder. Nikki muss erst einmal wieder ankommen, sich in der Schule zurecht finden, wieder Kontakte knüpfen … das alles braucht seine Zeit, so viel ist klar. Nur ist da dieser entscheidende Umstand, dass Nikki keine Zeit hat oder zumindest nicht sehr viel. Allein deswegen fand ich es schon sehr kritisch, dass sie erst nach circa 63% des Buches wirklich aktiv wird. Aber selbst wenn dieser Umstand nicht wäre, hätte ich mir schon zuvor ein bisschen mehr gewünscht, denn bis dahin hat sich das Buch zum Großteil auf Nikki und Jack beschränkt – dass da noch viel mehr ist (ihre Familie, die Tunnel, Cole …) wird scheinbar vollkommen außen vor gelassen. Auf einen gewissen Fantasyanteil oder eine wirkliche Einbindung der griechischen Mythologie braucht man hier auch nicht zu hoffen. Natürlich gibt es Ähnlichkeiten in der Geschichte zwischen Nikki, Jack und Cole auf der einen und Persephone, Hades, Eurydike und Orpheus auf der anderen Seite. Dass der übernatürliche Aspekt aber wirklich fester Bestandteil der Geschichte wird, darauf kann man lange hoffen. Bis zum Ende kommt es nur immer mal kurz vor, gerade einmal flüchtig. Erst am Schluss findet es zwangläufig richtigen Einzug in die Geschichte, was für mich ein bisschen zu spät war.

Nicht dass das langweilig wäre – zum einen verwendet die Autorin dabei zwei verschiedene Erzählstränge. Einmal den der Gegenwart, in der Nikki und Jack nach sechs Monaten/hundert Jahren zum ersten Mal wieder aufeinander treffen, und einmal den der Vergangenheit, der Stück für Stück erzählt, wie die beiden zusammenkamen und auch, was zwischen ihnen vorgefallen ist.
Dabei versteht es die Autorin wie keine andere, Informationen zurückzuhalten. Warum Nikki sich dazu entschlossen hat, Cole ins Ewigseits zu folgen, wird wirklich erst am Ende enthüllt (was man dann davon hält, ist noch einmal eine ganz andere Frage). Auch alles andere wird erst nach und nach enthüllt und auch wenn es im Groben immer so ist in Büchern – am Anfang wissen wir nichts über den Charakter und mit der Zeit mehr –, so erschien es mir in "Ewiglich die Sehnsucht" noch ein bisschen anders zu sein. Anfangs wacht man gemeinsam mit Nikki in dieser Höhle auf und weiß nichts, alles andere kommt teilweise nur durch kleine Nebensätze, Einwürfe, so beiläufig, dass ein unaufmerksamer Leser sie vielleicht übersehen könnte, würden sie nicht später doch noch weiter thematisiert werden.
Das wiederum schraubt die Erwartungen sehr hoch, ich für meinen Teil konnte dadurch auch kaum aufhören mit dem Lesen. Ich wollte einfach wissen, was denn nun geschehen ist, dass Nikki diesen extremen Schritt tat! Wir waren beinahe beim Ende angelangt und trotzdem fehlte uns noch die Grundlage – mich hat's ein bisschen verrückt gemacht, allerdings im positiven Sinne. Der negative Aspekt der Sache: Die Wahrscheinlichkeit, am Ende enttäuscht zu werden, ist wesentlich größer, was auch logisch ist. Ich fand den Ursprung des Ganzen nicht ganz überzeugend, weil es mal wieder – wie so oft in Liebessachen – auf ein kleines und absolut dummes Problem hinausläuft.

Was die Charaktere angeht, so haben sie mich weniger überzeugt. Mit Cole und Jack kann ich momentan noch immer nicht viel anfangen, einfach weil ich nicht das Gefühl habe, sie während des Lesens kennengelernt zu haben. Das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass Cole mir eher unsympathisch und Jack eher sympathisch ist. Cole ist gerade anfangs ein manipulatives (man denke sich das Schimpfwort mit A) und alle Erklärungen machen das für mich auch nicht besser – der Zweck heiligt nicht die Mittel, das gilt genauso für Ewigliche. Jack dagegen ist anfangs ein unbeschriebenes Blatt, später ist er wohl eindeutig der, der am meisten bestraft wurde – für nichts, im Grunde. Seine Taten sprechen für ihn, so viel kann ich wohl sagen, aber zu wirklicher Tiefe kommt es auch bei ihm nie. Es sagt wohl einiges, dass mein Lieblingscharakter sein Bruder Will ist, der vielleicht drei oder vier Auftritte im gesamten Buch hat.
Nikki dagegen … durch die Perspektive bekommen wir natürlich etwas mehr Einblick in ihr Gefühlsleben, aber nie so viel, dass einige ihrer Handlungen wirklich nachvollziehbar werden. Mal abgesehen von der Ewigseits-Sache: Sie kommt wieder, um sich zu verabschieden. Anfangs verfolgt sie dieses Ziel auch, aber wenn es darauf ankommt, die Karten auf den Tisch zu legen, schweigt sie. Wozu? Damit sie am Ende wieder plötzlich verschwindet und sich das Ganze wiederholt?
Auch Gedanken, dass eine Situation, in der ein verschwundener Mann und eine erwähnte Opfergabe eine Rolle spielen, harmlos sein könnte, haben mich eher an ihrem Verstand zweifeln lassen.
Trotzdem: Neben all dem ist sie auch das Mädchen, das mittlerweile eine alte Frau sein müsste, weil es 100 Jahre im Ewigseits war und dessen Liebe zu einem Menschen groß genug war, um es zurück in die alte Welt zu treiben. Es hat etwas Anrührendes und auch wenn ich die beiden nicht so gut kennen gelernt habe, wie ich es mir erhoffte, so hat mir das Lesen ihrer Geschichte doch Spaß gemacht und ließ mich auf das Beste hoffen.

Das Ende dagegen hat sehr erfolgreich geschafft, wofür es vermutlich auch gedacht war: Ich möchte weiterlesen, auch wenn ich "Ewiglich die Sehnsucht" nur als mittelmäßig bis gut einstufen würde. Es scheint, als habe die Autorin zum Ende hin noch einmal alle Register gezogen, tatsächlich haben mich diese letzten paar Seiten mehr überzeugt als alle anderen zuvor.
Vielleicht liegt es auch daran, dass es bis dahin der typische Einstiegsroman war, und die Handlung jetzt erst so richtig an Fahrt aufnimmt. Das lässt für den zweiten Band hoffen, denn dramatisch wird es wohl auf alle Fälle.


Eine durchweg spannende Handlung, eine immer logisch handelnde Protagonistin, runde Charaktere? Nun, das hat "Ewiglich die Sehnsucht" nicht direkt zu bieten, trotzdem ist es alles andere als langweilig und auch das Zusammenspiel der Charaktere ist interessant zu verfolgen. Das Buch ist schnell gelesen und weiß gut zu unterhalten – es hätt' aber auch ein bisschen mehr sein können.