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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Die Bestimmung  - Veronica Roth, Petra Koob-Pawis Beatrice Prior ist sechzehn Jahre alt und das bedeutet für sie und ihren nur ein knappes Jahr älteren Bruder Caleb eines: Sie müssen den Eignungstest absolvieren und sich danach für eine der fünf Fraktionen entscheiden. Diesen sind verschiedene Tugenden wichtig – es gibt die furchtlosen Ferox, die friedfertigen Amite, die selbstlosen Altruan, die freimütigen Candor und die wissenden Ken. Beatrice wuchs bisher bei den Altruan auf, da auch ihre Eltern dieser Fraktion angehören, doch sie kann auch gehen, wenn sie dies möchte. Und sie überlegt tatsächlich, denn das Selbstlose fiel ihr noch nie sehr leicht.
Auch der Eignungstest hilft ihr nicht bei ihrer Entscheidung, denn sie kann verschiedenen Fraktionen zugeordnet werden, sie ist eine Unbestimmte. Dies bringt sie in viel mehr Gefahr als ihr am Anfang noch bewusst ist. Doch bald wird das Verheimlichen dieses Umstands nur ein Problem unter vielen sein, denn irgendetwas Großes braut sich zusammen und die Ken hetzen mehr denn je gegen die Altruan. Und Beatrice kann sich nie sicher sein, welchem ihrer Freunde sie wirklich trauen kann …


Was für ein Buch! Ich hatte schon im Vorfeld nur Gutes darüber gehört, doch da ich mit derart hochgeschraubten Erwartungen nicht selten auf die Nase gefallen bin, habe ich all das beiseitegeschoben und einfach gelesen. Wie ich feststellen musste, hätten meine Erwartungen ruhig noch höher sein können, enttäuscht wäre ich am Ende trotzdem nicht gewesen.

Im Grunde hatte mich Veronica Roth schon gewonnen, als sie bereits am Anfang in mir ein richtig übles Gefühl der Nervosität hervorgerufen hat. Normalerweise ist das keine sehr erstrebenswerte Empfindung, hier aber war ich geradezu verzückt, dass ich mit den Seiten immer mehr Beatrice‘ Angespanntheit verspürte, bis das Ganze mit der Wahl ihrer Fraktion vorerst seinen Höhepunkt fand. Wenn mich ein Buch unruhig auf dem Stuhl herumrutschen und geradezu angstvoll aufstöhnen lässt, dann bin ich wirklich glücklich.
Dies war auch kein einmaliges Ereignis, denn immer wieder gibt es während des Buches Vorkommnisse, die mich wenigstens beunruhigt haben, und bisweilen wieder diese Beklemmung hervorriefen, wenn auch Beatrice sie mehr als sonst empfand.
Tatsächlich würde ich den allgemeinen Ton im Buch eher düster beschreiben. Natürlich gab es auch Passagen, die „nur“ interessant waren, da es um Beatrice‘ Training, ihre Entwicklung und die Welt allgemein geht – wichtige Informationen, die natürlich nicht fehlen dürfen und dies nicht tun. Ab und an gibt es auch den einen oder anderen Lacher, ein bisschen Herzklopfen und Bauchkribbeln ist ebenso dabei.
Trotzdem – es liegt an Beatrice‘ Umgebung, die nicht die freundlichste ist. Sie hat einen harten Weg für sich erwählt und andere haben ihr ein noch härteres Schicksal auferlegt, ohne dass es da konkret um ihre Person gehen würde. Dementsprechend herrscht ein rauer Umgangston, der bis zum Schluss eher schlimmer wird.
Mitten in all dem werden die Informationen nur stückchenweise offenbart; einiges davon ist neu, anderes wirft ein neues Licht auf bereits Bekanntes. Kaum jemand ist so, wie er am Anfang scheint und nicht alles entspricht noch immer dem einstigen Bild, das noch in den Köpfen der Charaktere umherschwirrt. Dementsprechend ist das Bild, der Konflikt des Buches im stetigen Wandel. Wer Gefallen an dieser Art von Spannung findet, findet in „Die Bestimmung“ ein wahres Festmahl!

Erwähnenswert ist auch die Welt, in der Beatrice lebt und von der wir nur einen Bruchteil kennenlernen. Trotzdem ist es erst einmal genug für den ersten Band – später sollte mehr folgen.
Es ist ein interessanter Gedanke mit den Fraktionen, die eigentlich einem guten Zweck dienen. Die Menschen machten sich Gedanken, woher all das Übel kommt; Altruan meinen, es liege am Egoismus, für die Ferox ist dies die Feigheit, für Ken das Unwissen, für Amite Streitsucht und für Candor Unehrlichkeit. Jede Fraktion versucht für sich, diese Eigenschaft auszumerzen und strebt nach dem Gegenteil, um so eine gesunde Gesellschaft zu erhalten. In dieser bilden die Selbstlosen die Regierung, die Furchtlosen dienen ihrem Schutz, die Wissenden der Forschung und so weiter. Im Grunde kein schlechter Gedanke, höchstens ein wenig zu simpel gefasst, was auch Beatrice merken wird. Das eigentliche Problem liegt trotzdem noch dabei, dass der Mensch nun einmal ein Mensch ist.
Was fehlt, ist ein gewisser Hintergrund, wie genau es dazu gekommen ist, dass man die Gesellschaft so aufteilte. Im Groben ist das natürlich klar – irgendwie müssen wir uns mal wieder in eine Orgie der Gewalt katapultiert haben. Aber wie sieht es beispielweise im Rest der Welt aus, gibt es diesen überhaupt? Man lernt nur die Stadt kennen und sonst nichts weiter. Aber wie gesagt: Für den Moment ist es ausreichend.

Was mir an dem Buch auch besonders gut gefiel, sind die Charaktere, allen voran ausnahmsweise sogar mal die Protagonistin. Sie ist ein junges Mädchen, das noch nicht genau weiß, wo es hingehört und sich erst selbst noch richtig kennenlernen und neu entdecken muss. Sie macht eine Wandlung durch und es ist bei Weitem nicht alles gut, was sie tut. Aber auch das gehört dazu.
Ich könnte von ihr nicht einmal behaupten, dass sie mir durchweg sympathisch ist – aber letzten Endes gibt es immer eine schlechte Eigenschaft an einem Menschen und ich für meinen Teil kann Beatrice gut verstehen, was auch für ihre Freunde wie Four, Will und Christina gilt, die selbst nicht immer reine Sympathieträger sind.
Dabei gibt es auch wieder die Charaktere, die eher zum Negativen tendieren; warum genau, wird in der kurzen Zeit zwar nicht geklärt, aber wie es aussieht, werden wir uns in den kommenden Büchern noch mit dem einen oder anderen beschäftigen können.
Dass die Sprache angemessen und sehr angenehm zu lesen ist, ist dabei nur ein schönes Detail nebenbei. Ich konnte mich wirklich kaum vom Buch losreißen; Mitternacht begann ich mit dem Lesen und erst fünf Uhr morgens legte ich mich schweren Herzens ins Bett. Nach dem Aufstehen musste alles andere warten, bis ich „Die Bestimmung“ endlich ausgelesen hatte. Was ich zugegebenermaßen jetzt bereue, da ich am liebsten sofort mit dem zweiten Band weitermachen würde!


Lesen, lesen, lesen! Spannung, ein bisschen Romantik, das Versprechen von richtig viel Ärger – all das und noch mehr hat Veronica Roth in „Die Bestimmung“ verpackt und das ungemein gut. Gebt Acht, dass ihr gerade auch wirklich Zeit zum Lesen habt: Es besteht die Gefahr, dass ihr nicht mehr aufhören könnt, sobald ihr einmal angefangen habt!