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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Birth of a Killer  - Darren Shan Noch ist Larten Crepsley ein einfacher Junge, der mit seinem Cousin Vur Horston in einer Fabrik arbeitet. Der Aufseher dort ist ein wahrer Tyrann und wenn er schlechte Laune hat, reicht auch nichts, um eines der Kinder fertig zu machen. Diesmal ist sein Opfer Vur, und er treibt es so weit, dass Larten bis zum Äußersten geht: Er tötet ihn.
Selbst vollkommen entsetzt, flieht er, weg von der Fabrik, weg von seiner Heimatstadt, weg von seiner Familie. In der Nacht kommt er in einer Gruft unter, nicht ahnend, dass er nicht der einzige Lebende dort ist.
Larten begegnet Seba Nile, einem Vampir, der doch keines der Klischees erfüllt, die die Welt damals schon kannte. Und Larten entschließt sich, ebenfalls ein solcher zu werden. Doch davor muss er Seba dienen, als Assistent, als Mensch. Wenn er sich würdig erweist … nun, dann kann man über eine Aufnahme bei den Kindern der Nacht nachdenken. Abenteuer warten auf Larten, aber auch Herausforderungen, denn der Assistent eines Vampirs zu sein, ist nicht nur eine Frage körperlicher Kraft.

„Teachers don’t teach how they were taught to. Teachers teach how they were taught!“, bemerkte einst ein Dozent und genau das trifft auch auf Larten Crepsley zu. Es ist anfangs sehr ungewohnt, den später so ernsten Vampir nun als Jungen kennenzulernen und sich mit seiner damals doch etwas anderen Art abzufinden. Er ist ein unschuldiger Junge, so gesehen selbst nach seiner Tat und er hat nur Seba, nach dem er sich richten kann. Leser, die bereits die Saga von Darren Shan kennen, werden sehen, dass er das auch tut.
Ohnehin haben diese wohl den meisten Spaß am Buch. Die Charaktere sind auch so sehr interessant und Spaß macht das Lesen allemal, doch dank der ganzen Insider und des Hintergrundwissens ist es, als würden alte Freunde mal wieder hallo sagen. Ich war überrascht, wer da alles wieder vorbeigeschaut hat und um ehrlich zu sein, mit einigen habe ich überhaupt nicht gerechnet. Das wirft ein ganz neues Licht auf diverse Ereignisse in der Saga, allein schon das schicke kleine Detail, dass Vur Horston mehr ist als nur ein Name.
Es kommen aber auch neue Charaktere vor, die bisher nicht bekannt waren und es bleibt spannend, inwiefern diese nun Lartens Leben beeinflussen werden. Denn obwohl seine Zukunft bekannt ist, ist er noch lange nicht vorhersehbar. Larten hatte Jahrhunderte Zeit, um so zu werden wie Darrens Mentor und als junger Mann ist er davon noch sehr weit entfernt!
Es gibt also jede Menge zu entdecken und zu erfahren, wiederzusehen und zu genießen. All die Handlungen und Personen machen Lust darauf zu erfahren, wie es damit weitergeht, wo all das hinführen wird.
Doch leider hat „Birth of a Killer“ ein großes Manko: Das Buch rennt.
Wofür sich der Autor bei Darrens Geschichte Zeit ließ, rafft er jetzt alles zusammen, lässt Details weg. Wer vertraut mit dieser Welt ist, den wird das nicht weiter stören. Es sind all diese Details der Verwandlung, der Vorbereitung und so weiter, die einfach weggelassen werden. Ein Teil endet und der nächste setzt Jahre später an. Es ist erstaunlich, wie viel Zeit in diese recht geringe Seitenanzahl passen sollte, aber bei diesem Verfahren ist das kein Wunder.
Neuleser werden dadurch unglaubliche Probleme haben, sich in der Welt zurechtzufinden. Ihnen fehlen einfach die Grundlagen, die für das Verständnis notwendig sind und es ist wahrscheinlicher, dass sie noch mit der Enträtselung beschäftigt sind, während sie schon längst wieder die Charaktere genießen sollten.
Ebenfalls ärgerlich ist die Eigenheit des Buches zu wiederholen – und zwar das, was eigentlich Jahrhunderte später geschieht. Es gibt einige Parallelen zwischen Larten und Darren. Das mag an einigen Stellen passen und okay sein, auf Dauer ist es aber ein bisschen zu viel des Guten, mehr neue Ideen wären wünschenswert gewesen, wenngleich „Birth of a Killer“ auch so schon seine eigenen Seiten hat. Sie überwiegen nur nicht unbedingt.
Auch schreibtechnisch und gestalterisch wird das Übliche geboten, wobei das nicht unbedingt negativ zu werten ist. Es wird fast nur auf die Gedanken und Gefühle des Protagonisten geachtet, der Fokus liegt zudem auf der Handlung, weniger auf der Beschreibung. Andere Charaktere werden höchst selten beleuchtet – eben nur, wenn sie mit Larten interagieren und auch der Leser sie weiter kennen lernen kann. Was Larten weiß, wissen auch wir. So gesehen bleibt das Buch solide, das was wir rein äußerlich erwarten können, aber auch nicht mehr.

Der erste Band der Reihe um Larten Crepsley ist kurzweilig und unterhält im Großen und Ganzen gut, doch dummerweise kann das nicht alles sein. Alten Lesern bietet das Buch zu wenig Neues, neue Leser sehen sich mit zu viel Neuem konfrontiert, das nicht erklärt wird. Es bietet sich also an, mit der Darren-Shan-Saga anzufangen und diese Reihe hier als kleine Ergänzung nebenbei ansehen. Alleinstehend bietet es leider nicht genug, auch wenn es schöne Seiten hat.