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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Burn Bright - Marianne de Pierres Retras Familie gehört zu den Seal, den Menschen, deren Name Programm ist: Sie sind sowohl von anderen Gruppen als auch voneinander abgeschottet, ruhig und gehorsam. Ein dementsprechend großer Skandal war es, als Retras Bruder Joel nach Ixion, einen Ort der immerwährenden Nacht und des Feierns, floh. Die Familie wurde fortan überwacht und in mehr als einer Form erniedrigt. Irgendwann hält es Retra ohne ihren Bruder nicht mehr aus – und flieht ebenfalls.
Sie passt nicht zu den anderen Flüchtenden und ist auch gar nicht wie sie; ihr geht es nicht um den Spaß. Dabei soll Ixion genau dafür gemacht sein und in dieser Hinsicht negativ aufzufallen, kann böse enden. Wer zu alt ist oder sich nicht anpassen kann, wird der Ixion entzogen – doch wohin?


Was mache ich nur mit “Burn Bright” … vorherige Rezensionen klangen so begeistert, so vielversprechend, dass ich einiges erwartet habe, als ich mit dem Lesen begann. Am Ende war ich zwar recht ordentlich unterhalten, aber Begeisterung konnte sich bei mir leider nicht einstellen.
Dabei fing es gar nicht schlecht an: Ich wurde sofort in die Handlung hineinkatapultiert. Die ganze Vorgeschichte mit Joel und der anschließenden Überwachung erschloss erst nach und nach, was der Geschichte ungemein zugutekommt. Zwar hatte ich anfangs dadurch einige Orientierungsprobleme, kam mir regelrecht verloren vor, aber ich wollte auch mehr erfahren, ein besseres Bild von den Umständen bekommen – und was animiert besser zum Lesen als Wissensdrang?
Dort setzt aber auch schon das erste Problem an, nämlich dass die Infos sehr spärlich folgen. Ich hatte nach dem Lesen einfach nicht das Gefühl, dass sich mir ein mehr oder minder komplettes Bild erschlossen hat. Natürlich muss ich nicht sofort jedes Detail erfahren, aber dass ich am Ende immer noch fast keine Ahnung von der Welt außerhalb Ixions habe, hat mich schon enttäuscht. Über Retras Familie weiß ich nur, dass sie Vater und Mutter hat und die eine oder andere Info über Joel wird auch geliefert – wobei niemand erwarten sollte, dass zufriedenstellend erklärt (oder der Versuch dazu unternommen) wird, warum er seine kleine Schwester allein bei den Seal zurückgelassen hat. Aber wie läuft das Leben der Seal ab, wie sieht die Welt aus? Davon gibt es nur einen sehr, sehr schwammigen Eindruck, der mir einfach nicht genug war – und das obwohl ich begrenzte Informationen verstehen kann, da Retra nur das erfahren konnte, was man sie erfahren lassen wollte.

Bei Ixion ist das schon wieder nicht so dramatisch, zumindest nicht ganz so sehr. Natürlich wird “draußen” nicht groß rumposaunt, was es mit Ixion auf sich hat und dementsprechend weiß das junge Mädchen auch nicht sonderlich viel darüber. Das ist in Ordnung und ihre Unwissenheit empfand ich in dieser Hinsicht als mehr als passend. Ich musste Ixion erst mit ihr zusammen kennenlernen, auch wenn sie bei diesem oder jenem Detail wieder im Vorteil war.
Das verhindert aber nicht, dass “Burn Bright” zunächst nur interessant, nicht aber spannend ist. Erst ab einem gewissen Punkt änderte sich das für mich, da sich der Konflikt eindeutig zuspitzt. Zuvor ist es eine Ansammlung aus “hier ist was komisch” und “das ist seltsam” und “hier stimmt auch etwas nicht”. Viele kleine Details – die sowohl das momentane Geschehen als auch Vergangenes betreffen -, die teilweise nur sehr flüchtig miteinander verknüpft oder weiterverfolgt werden.
Das hat es mir sehr schwer gemacht, zu dem Geschehen, den Gruppen, den Charakteren eine Bindung aufzubauen – eine Hürde, die ich persönlich nicht meistern konnte.

Ich muss zugebenen, dass Ixion womöglich nicht nur deshalb nicht allzu faszinierend auf mich wirkte. Die Partyatmosphäre – die teilweise definitiv herrscht – übt auf mich schlichtweg keinen Reiz aus. Das hat sie noch nie und wird es vermutlich auch nicht, einiges davon empfinde ich auch eher – ganz in Seal-Manier – als unangenehm. Dadurch geht sicherlich auch ein bisschen was verloren, und wer damit mehr anfangen kann als ich, hat an dem Buch ganz bestimmt auch mehr Freude.

Das Ende ließ mich mit dem Eindruck zurück, dass der eigentliche Konflikt jetzt erst richtig losgetreten wurde, der erste Band also wieder die so typische Einleitung war und alles nur vorbereitet anstatt einen ganz eigenen Plot zu haben. Dabei kann ich nicht behaupten, dass die Charaktere vorwärtsschleichen – im Gegenteil, Retras Wandlung kam mir ab einem gewissen Punkt sogar zu abrupt vor, obwohl sie zunächst ein absolut nachvollziehbares Tempo vorgelegt hatte. Aber die Handlung findet ihren Höhepunkt erst ganz zum Schluss und schließt das Buch in keiner Weise ab. Zum Schluss hing ich quasi in der Luft – wie das ganze Buch über aber sowieso schon.


Ich bin womöglich nicht ganz die richtige Zielgruppe für “Burn Bright”, aber nicht nur deswegen konnte mich das Buch nicht ganz überzeugen. Die Informationen sind zu flüchtig, zu wenig vernetzt, als dass ich in die Welt hätte eintauchen können. Dennoch war das Buch ganz bestimmt nicht langweilig und da die Probleme jetzt scheinbar so richtig losgehen, darf man einiges vom zweiten Band erwarten.