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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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David Bradshaw, Aldous Huxley
Men of the Otherworld (Otherworld Stories, #I)
Kelley Armstrong
Tales of the Otherworld (Otherworld Stories, #2)
Kelley Armstrong
Girl Parts - John Cusick 3,5
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Charlie und David könnten unterschiedlicher nicht sein. Charlies Familie hat nicht wahnsinnig viel Geld, von der Onlinewelt bekommt er im Grunde nichts mit und auch mit anderen Menschen kommt er eher schlecht als recht klar. Da ist er lieber allein und hat seine Ruhe. Ganz anders geht es David, dessen Vater ein wohlverdienender Unternehmer ist. Er hat sowohl online als auch offline etliche Freunde – aber auch richtige? Ihre sozialen Probleme verbinden sie, auch wenn sie das weder wissen noch wissen wollen. Nun aber kommt Rose ins Spiel – ein Roboter, der selbst noch einiges über das Menschsein lernen muss, den beiden Jungs aber auch sehr viel beibringen kann.


„Girl Parts“ fängt gewissermaßen krass an und bleibt es die meiste Zeit über auch. Auch in der Hinsicht, dass es zu einem großen Teil wahnsinnig witzig ist, die Hauptprobleme aber eigentlich sehr ernster Natur sind.
Das spiegelt sich ein bisschen auch in den zwei Hauptcharakteren wieder. Charlie, den ich persönlich sehr gerne mochte, ist da ein eher ruhiger Charakter, der sich abkapselt und dementsprechend nicht weiß, wie er mit anderen Menschen umgehen soll. Das ist zwar traurig, führt aber zu ungemein amüsanten Situationen wie beispielsweise seinem Date, bei dem er nicht verstehen will, was sein Gegenüber eigentlich von ihm will und das Ganze natürlich im absoluten Chaos endet.
Und dann ist da David, für den es immer nur um das eine zu gehen scheint, wobei die Gefühle des anderen, gar der Mensch selbst in den Hintergrund rückt.
Wenn die Menschlichkeit gewissermaßen versagt, ist es gar nicht mehr so überraschend, dass ein Roboter den beiden helfen muss. Rose selbst muss eine Wandlung durchmachen – sie ist anfangs steif und ohne einen eigenen Wille; sie will, was David will und fertig. Aber das ändert sich mit der Zeit, sie wird immer menschlicher und versteht irgendwann eigentlich ein bisschen mehr vom Menschsein als die Jungs. Sie ist dabei ein ungemein lieber Charakter, um den ich mich am ehesten sorgte. Gerade in so einer oberflächlichen und gefühlskalten Umgebung ist sie eine erfrischende Abwechslung, die das Ganze nicht ganz so bitter wirken lässt. Wenn selbst sie sich weiterentwickeln kann, dann doch sicherlich auch richtige Menschen?

Eine Wandlung machen sie alle auch durch, so viel kann wohl verraten werden. Dabei ist die von Rose am spannendsten, die Jungs brauchen ein bisschen länger Zeit, was nicht unbedingt überraschend ist.
Neben all den „normalen“ Jugendproblemen leiden diese beiden besonders an Abkapselung und „Desozialisierung“ (ich will es mal so nennen), was sie, ob sie es nun realisieren oder nicht, allein zurücklässt – wobei man nicht einmal behaupten könne, dass das Probleme der Zukunft sind. Das Buch spricht in dieser Hinsicht auch ein nicht unwichtiges Thema an, auch wenn sicherlich nicht jeder in einer derart heftigen Form betroffen ist wie die männlichen Protagonisten.

Praktisch – und für mich einer der besten Punkte des Buches – ist dabei der allwissende Erzähler, der alle wichtigen Charaktere und Situationen gleichermaßen beleuchten kann. Dabei kommt keine allzu große Nähe auf, allerdings hat mich das nicht sonderlich gestört. Sympathisch waren mir einige trotzdem, Rose habe ich liebgewinnen können (sie wird zugegebenermaßen auch am genauesten beleuchtet) und David wollte ich letztlich gar nicht näher kennenlernen.

Letztlich ist es ein kurzes, schnell gelesenes Buch, das angenehm ist, trotz der angesprochenen Themen. Dennoch hat es mich am Ende ein wenig verloren – manche Dinge wurden mir dann doch zu abstrus beziehungsweise wollte nicht mehr alles ins Gesamtbild passen, zumindest nicht für mich. Das ist schade, allerdings nicht zu ändern.


„Girl Parts“ ist durchaus ein Buch für zwischendurch, das deswegen aber noch lange keine Themen behandelt, die auf die leichte Schulter zu nehmen sind. Trotz des allwissenden Erzählers erscheinen die Charaktere liebenswürdig – zumindest wenn dies vom Grundcharakter gegeben ist – und nur das Ende wollte nicht ganz zum Rest passen. Es ist deswegen aber kein schlechtes Buch.