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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Fever - Lauren DeStefano Die Rezension enthält leichte Spoiler zum Buch in der Form, dass gewisse Ereignisse angedeutet werden. Ganz konkrete Dinge werden trotzdem nicht verraten. :)
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Gabriel und Rhine sind entkommen – und haben absolut keinen Plan, wie sie weitermachen sollen. Hauptsache erst einmal weg, denkt sich Rhine, doch schon bald wird ihnen genau das zum Verhängnis. Denn auch wenn sie erst einmal wieder in Freiheit sind: Andere sind genauso auf Mädchenjagd und dass Vaughn die Frau seines Sohnes so einfach entkommen lassen wird, ist zweifelthaft. So muss Rhine einmal mehr um ihre Freiheit kämpfen, mit der vagen Hoffnung, ihren Bruder irgendwann doch noch wiederzusehen.


Ich wollte “Fever” mögen. Ich wollte es wirklich! Dummerweise fiel schon unser Start eher schlecht als recht aus. In all der Zeit, in der Rhine Pläne für die Flucht hätte schmieden können, hat sie sich offenbar rein gar nichts überlegt. Natürlich kann man nicht alles wirklich planen, vor allem wenn man nicht weiß, wie es draußen aussieht. Aber ein paar Anhaltspunkte hätte man doch entwickeln können – eine Stadt suchen, erst einmal dieses oder jenes machen etc. Aber genauso planlos und plötzlich wie die Flucht am Ende von Band 1 daherkam, so sieht’s auch danach aus. Rhine hat keinen Plan, Gabriel sowieso nicht und nun dauert es nicht lange, bis sie diese Suppe wieder auslöffeln können. (Nicht dass ich ihnen das gönne, aber schlau haben sie sich nun wirklich nicht angestellt.)
Was danach folgt, ist auf den nächsten 100 Seiten Band 1 noch mal woanders. Ein Ort, der von einem bestimmten Winkel aus betrachtet durchaus seinen Zauber hat, der Schrecken, der eigentlich dahinter steckt, ein heimtückischer Erwachsener, der hinter all dem steckt, Gabriel muss arbeiten, während Rhine in dem Falle die Liebesgespielin sein soll. Nur dass Gabriel und sie diesmal nicht versteckt zusammen sein müssen. Zum Glück gibt es dort andere Figuren, die ein bisschen mehr Verstand zu haben scheinen und am Ende natürlich dafür sorgen, dass die Geschichte weiter geht – nicht dass Rhine das machen würde. Sie sagt es zwar: Plan hier, Plan da, aber dabei bleibt’s dann auch.
Ansonsten hat das Buch inhaltlich auch nicht viel mehr zu bieten, außer einer wie immer planlosen Reise, die zunächst endlos scheint. Viel passiert nicht, außer dass ausgerechnet Wahrsagerei ein bisschen Neugierde aufbringt (zumindest für kurze Dauer) und ich hoffte, als Unheil direkt angekündigt wurde, dass es auch möglichst bald kommt. Einfach damit was passiert, vielleicht ein bisschen Spannung reinkommt … war aber auch vergebens.

Bis dahin war es schon ziemlich langweilig und wir haben immerhin über 60% des Buches überstanden. Hoffnung keimt auf, vielleicht kommt ja jetzt doch noch was …? Ja, es kam was. Es wurde noch langweiliger.
Die Autorin hat Rhine so ziemlich komplett handlungsunfähig gemacht, was in zweierlei Hinsicht bescheuert ist. Zum einen kann sie dann eben nichts machen, außer sich erbrechen, rumfiebern, träumen, Gabriel küssen, irgendwo hinkriechen und in Ohnmacht fallen (nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge). Besonders Letztes macht sie gerne, ist aber nicht direkt das, was ich als “spannend” empfinde.
Zum anderen ist doch sowieso klar, das Rhine jetzt nicht den Löffel abgibt. Es ist eine Trilogie, wie hoch ist da bitte die Wahrscheinlichkeit, dass der Hauptcharakter im zweiten Band stirbt, hm?

60 Seiten lang regt sich also im Grunde gar nichts und dann – damit vielleicht doch noch Bewegung in die Sache kommt – schaltet Rhine ihr Hirn einfach mal komplett aus und macht etwas, wofür ich nicht mal Verständnis hätte, wenn sie nebenbei noch mit Drogen vollgepumpt gewesen wäre. (Okay, dann vielleicht schon. War sie aber nicht. Und da sie kurz vorher mit Gabriel besprochen hatte, was genau diese Aktion für sie bedeuten würde, raff ich echt nicht, warum sie es jetzt macht. Alleine. Ohne dass irgendjemand Bescheid weiß. Herzlichen Glückwunsch!)
Vom Ende will ich eigentlich gar nicht erst anfangen. Nur so viel: Augenrollen galore.

Abgesehen davon sind manche Aspekte der Geschichte einfach ein Witz. Rhine sucht nach jemandem? Ja, sie fragt einen Tag lang nach ihm, kriegt keine zufriedenstellende Antwort und gibt sofort auf. Vaughn ist hinter Rhine und Gabriel her? Oh ja, nun … er taucht ab und an mal ganz unspektakulär auf. Verfolgen kann man das nicht nennen. Eher hinterherreisen.
Hinzu kommt, dass die Erklärung für Rhines späteren schlechten Zustand genauso logisch ist wie die Tatsache, dass in einer austerbenden Welt Mädchen erschossen werden, wenn sie niemand heiraten will. (Wie schon in der Rezension zu Band 1 gesagt: Könnte ja wer anders wollen beziehungsweise gibt’s da immer noch das Rotlichtmilieu. Aber ach, was soll’s! So ein System muss nicht logisch sein.) Natürlich könnte man darüber streiten – ich bin nicht medizinisch ausgebildet -, aber von dem was man so hört, verhält es sich damit in der Regel ein bisschen anders. Nicht so … verzögert. Wie auch immer, ich will ja nicht alles verraten.
Zur Welt generell gibt’s übrigens null neue Informationen. Braucht ja auch niemand, ne?

Bleiben die Charaktere. Die sind … Namen. Was kann ich über Rhine sagen, außer dass sie ungewöhnliche Augen hat, ihr Freiheit viel bedeutet (angeblich) und dass sie viel redet, aber umso weniger macht? Nichts. Gabriel wirkt wie ein netter Kerl, aber mehr ist da bei ihm echt nicht drin und warum die beiden ineinander verliebt sind, hat sich mir hier auch nicht weiter erschlossen. Sie sind’s einfach. Punkt.
Interessante Charaktere finden sich die ersten hundert Seiten durchaus an, aber sie waren wohl zu interessant, um sie im kompletten Buch zu etablieren. Natürlich ist da noch Maddie, ein stummes kleines Mädchen mit fehlentwickelten Gliedmaßen und erstaunlichen Augen. Sie ist natürlich ganz süß, aber wenn man sie nicht kennenlernen kann … dann war’s das auch.

Das einzig Positive, was ich sagen kann, ist, dass die Atmosphäre bisweilen interessant ist, aber das beschränkt sich auch nur auf wenige Orte. Der Schreibstil ist nach wie vor sehr angenehm, allerdings hat er in diesem Buch seinen Zauber verloren – oder ich war einfach so angenervt, dass er auch nichts mehr nützte.
Ist nicht viel, was?


Langweilig.