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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Gebrauchsanweisung für Irland - Ralf Sotscheck Iren haben rote Haare, sind ständig betrunken, aber sehr freundlich – oder?
Klischees und Vorurteile kennen wir alle und haben wir wohl alle, selbst wenn wir das nicht wollen. Ralf Sotschek aber lebt in Irland und hat eigens erfahren können, was denn nun an all dem dran ist. Und in „Gebrauchsanweisung für Irland“ räumt er ein bisschen damit auf, erzählt aus den verschiedensten Bereichen ein paar Anekdoten, ohne aber die reinen Fakten zu vergessen. Wie geht’s im Pub zu, wann sind die Iren mal nicht so nett, wie sieht’s politisch im Land aus? Auf diese und viele andere Fragen hat der Autor eine Antwort. Hinterher ist man ein bisschen schlauer, aber es gilt natürlich nach wie vor: Learning by doing!


Fáilte go hÉirinn! Das ist Irisch und heißt „Willkommen in Irland“ – wird man dort als Besucher wohl öfter zu hören bekommen? Falsch gedacht. Auch wenn Irisch offiziell die Landessprache ist, wird es wohl schwer werden, einen tatsächlichen Irischsprecher zu finden, wenn man sich nicht gerade in einem Gaeltacht herumtreibt. (Gaeltachts sind die einzigen – vergleichsweise kleinen – Gebiete in ganz Irland, in denen vorherrschend Irisch gesprochen wird.)
Diese und andere Korrekturen bestimmter Klischees waren für mich nichts Neues, aber ich sitz ja auch in einem Seminar über Nordirland – da kann man die Republik Irland nie ganz außen vor lassen. Umso praktischer waren die allgemeinen Informationen über Verkehr, Telefone und Gewohnheiten im Land, die ich wohl besser beachte, wenn ich nicht von einem Fettnäpfchen ins nächste treten möchte. Ob das nun die unausgesprochenen Regeln beim Spendieren von Guinness sind, oder aber das selbstmörderische Verhalten einiger Fahrradfahrer: Das Buch gibt einen groben Überblick samt hilfreicher Tipps, die man je nach Bedarf im Hinterkopf behalten sollte oder eben auch nicht.

Zugegeben, nicht alles in dem Buch ist für jeden von Interesse. Manche Aspekte betreffen nur Irlandreisende, die einen kurzen Aufenthalt planen, manches ist schlichtweg persönliches Interesse. Wer nicht vor hat, in einen Pub zu gehen, nun, dem kann egal sein, wie es dort zugeht und wann dort Schluss ist. Und wer sich nicht die Bohne für Fußball interessiert, wird das entsprechende Kapitel samt kurzem Überblick über die historische Entwicklung des Sports im Land eher gelangweilt durchblättern.
Aber man kann ja wählen, deswegen ist das auch gar nicht mal schlecht. Wer hat denn nicht gerne eine große Auswahl? Die bietet Ralf Sotschek und für den ersten Eindruck kann man sein Angebot gerne annehmen.

Aber bitte nicht erschrecken! Auch wenn die Anekdoten, die der Autor hier zum Besten gibt, immer sehr lustig, manchmal gar zum Schießen sind, so kann das Buch durchaus abschrecken. Herr Sotschek ist ehrlich, übt auch Kritik am Land und nimmt kein Blatt vor den Mund. Einige Warnungen betreffen weniger ernste Themen (den Reparaturservice zum Beispiel – das überlebt man, wenn’s mal länger dauert), andere wiederum sehr bittere (zum Beispiel die Travellers, das fahrende Volk Irlands, das es sehr schwer hat). Für manchen Touristen, ist das womöglich zu abschreckend, aber wer die Augen nicht verschließen mag, wird hier einige interessante Informationen finden. Natürlich ist das Buch zu kurz, um alles bis ins Detail zu erörtern – Platz zur eigenen Recherche ist genügend da.
Oh, und: Gläubige, die von ihrer Kirche überzeugt sind und keine Kritik an ihr gelten lassen, mögen bitte die Finger von dem Buch lassen. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Herr Sotschek nicht allzu viel für die (katholische) Kirche übrig hat – seine Kritik ist aber auch in dieser Hinsicht vollkommen angebracht.


Ralf Sotschek bietet einen groben Überblick, dessen Themen nicht durchweg interessieren werden, aber etwas dürfte für jeden dabei sein. Ein malerisches Regenbogenbild von Irland findet man hier nicht vor, dafür praktische Informationen und die eine oder andere Anekdote inklusive Kritik an Politik und Kirche. Wer daran Interesse hat – nur zu, lest es!