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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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The Iron Knight - Julie Kagawa Die Rezension enthält Spoiler zu den vorherigen Bänden.
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Meghan und Ash wurden begnadigt und durften in das Nevernever zurückkehren. Doch Meghan ist nun die Königin der Iron Fey, und Ash vermag wie alle anderen dieses Gebiet nicht zu betreten, ohne dass es an seinen Kräften und letztlich an seinem Leben zehren würde. Dennoch schwor er, dass er einen Weg finden würde, um mit Meghan zusammen sein zu können. Um das zu bewerkstelligen, muss er eines vollbringen: ein Mensch werden. Hilfe leisten ihm dabei erneut Puck, Grimalkin und jemand, den Ash längst verloren zu haben glaubte. Zusammen machen sie sich auf zu einer gefährlichen Reise, die letztlich nur der Anfang ist. Am Ende wartet auf Ash eine Seele – doch wird er dann überhaupt noch menschlich sein wollen?


Im Gegensatz zu den bisherigen Büchern dieser Reihe ist dieses Mal nicht Meghan die Erzählerin, sondern der allen bekannte und von so einigen geliebte Eisprinz. Das kann gut sein, muss es aber nicht. Wer Ash schon immer mochte, wird mit „The Iron Knight“ vermutlich seine ganz besondere Freude haben – wer mit ihm nicht ganz so viel anfangen kann, hat eben Pech gehabt. So wie ich.
Trotzdem ist Ash ja kein schlimmer Charakter und dass er angenehmer ist als Madame Ich-lass-mich-gerne-retten/Meghan, steht wohl außer Frage. Aber statt quengelig ist er sozusagen gewöhnlich: eine gequälte Seele (wobei nein, DIE hat er dann ja doch noch nicht) mit einer dunklen, gefährlichen Seite, auch wenn er tief in seinem Herzen ein Guter ist. Kommt euch dieses Konzept vor? Ja, mir auch, aber dass das Buch aus Ashs Sicht geschildert wird, ist kein Geheimnis und deswegen will ich mich auch nicht beschweren. Ich wollte es nur noch einmal betonen.
Und mal ehrlich – wer drei Bücher lang Meghan abkonnte, schafft auch Ash, besonders wer wie ich dringend wissen wollte, wie es weitergeht.

Was die Geschichte angeht, bin ich nicht wirklich überzeugt. Wie schon im Vorgängerband sind die Ereignisse eher geradlinig und nie wirklich überraschend. Anfangs wartet Julie Kagawa mit einer interessanten Wendung auf, von der ich im Nachhinein allerdings nicht viel halte. Erst am Ende, als Ash seine Prüfungen antritt, wird es endlich mal spannend. Dort war ich mir wirklich nicht mehr sicher, wie alles ausgeht und wie er – ob er – bestehen wird. Insgesamt gesehen ist das aber mal wieder ein wenig zu wenig Spannung, vor allem im Gesamtkontext betrachtet.

Denn neben der meist fehlenden Spannung hat das Buch etwas, was ich auf den Tod nicht ausstehen kann: Kitsch. Mal von dem recht früh erzwungenen romantischen (unnötigen) Drama (das selbstverständlich nicht darauf hinausläuft, dass eine tatsächliche Entscheidung getroffen wird) abgesehen, ist der Großteil des Buches recht human, was das anbelangt. Dann aber … ja, dann. Kurz vor Ende gab es Szenen, die geradezu getrieft haben, sodass ich bisweilen Angst hatte, das Buch mit mehr als zwei Fingern anzufassen. Indirekt gilt das auch für das Ende, das gar nicht so abgeschlossen ist, wie man meinen möchte – aber hach, warum sowas auch direkt im Buch auflösen, wenn man eine zusätzliche Kurzgeschichte veröffentlichen kann, für die man später auch wieder Geld kriegt? Daher war auch dieses nicht ganz zufriedenstellend. Da blieben einfach Fragen übrig, die ich gerne beantwortet haben möchte, zumal das Buch sie erst aufgeworfen hat.

Dabei ist es gar nicht so, dass ich das Buch so gar nicht genießen konnte. Das Miteinander der Charaktere allein macht das Lesen wert, auch wenn die (für mich) interessantesten Figuren nie ausgereizt werden. Sie sind aber dennoch mit von der Partie und ich glaube, ich bin nicht die Einzige, die sich da besonders über Puck und Grim gefreut hat. Mehr Tiefe erlangen sie dabei nicht; aber sie sind dabei und das ist es, was hier für den Moment zählt. Es hat Spaß gemacht, von ihnen zu lesen und wer würde sich schon über die ständigen Streitereien zwischen Ash und Puck beschweren? Ich zumindest nicht, vor allem da einmal mehr klar wird, dass beide einander irgendwo vermissen.
Und dann wäre da die Sache mit dem Glamour. Der hatte mir in den vorherigen Bänden eigentlich immer irgendwie gefehlt. In Band 1 ist sich Meghan ihrer Fähigkeiten erst gar nicht bewusst, in Band 2 sind sie versiegelt und in Band 3 hat sie damit Probleme. Nur sind Feen auf Dauer nicht so witzig, wenn sie immer nur Schwerter und Messer verwenden – wo bleibt da denn der Spaß? Mit Puck und Ash als Reisegefährten sieht das alles ein bisschen anders aus. Die beiden liefern eine gehörige Portion Summer und Winter Glamour ab, dass ich mir fast wünsche, die Autorin möge doch bitte ein Prequel mit den früheren Abenteuern dieser beiden veröffentlichen – nur diesmal mit Puck als Erzähler.


Für Fans von Ash ist dieses Buch natürlich ganz besonders interessant, aber auch die, die einfach nur wissen wollen, wie es weitergeht, können sich ranwagen. Die Geschichte ist nicht die spannendste, bisweilen ein wenig kitschig und nicht so abgeschlossen, wie ich mir das erhofft hatte, aber zumindest für Letzteres folgt demnächst die Kurzgeschichte „Iron’s Prophecy“, die dieses Problem beseitigen sollte. Das Highlight des Buches ist eindeutig das Miteinander der Charaktere und vor allem der Glamour – reicht letztendlich nicht für ein hervorragendes Buch, aber direkt verplempert sind die Lesestunden auch nicht.