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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Tod oder Liebe - Manuela Salvi, Brigitte Lindecke Einst lebte Bianca mit ihrer Familie in Mailand, doch von einem Tag auf den anderen ist alles anders, bricht die Familie auseinander. Für eine Weile zieht das Mädchen mit ihrem Vater um, doch ihre Trauer und Wut lässt sie nicht daheim zurück.
In der neuen Stadt trifft sie auf Manuel, den sie zunächst so überhaupt nicht leiden kann. Doch das ändert sich schnell und die beiden kommen sich näher. Was Bianca aber nicht weiß, ist, dass Manuel der Mafia angehört und dem Kopf des hiesigen Clans sehr nahe steht. Dabei ist ausgerechnet Biancas Vater der Richter, der den kriminellen Machenschaften ein Ende bereiten möchte. Doch nicht nur die Entscheidung zwischen ihrer Familie und ihrem Schwarm steht ihr bevor; es wird immer wieder deutlich, dass es etwas in ihrer Vergangenheit gibt, das sie noch nicht verwunden hat.


Manuela Salvi bedient sich hier einer sehr alten, aber irgendwie immer mal wieder funktionierenden Idee. Die Rede ist natürlich von Romeo und Julia mit dem ganzen Wir-lieben-uns-können-aber-nicht-zusammen-sein-Konflikt, weil die Familien verfeindet sind, während das, was dargeboten ist, so ganz und gar keine Liebe ist.
Schimpft mich einen Frevler, aber ich habe bereits bei Romeo und Julia nichts zu lachen gehabt, mal abgesehen davon, dass ich die angebliche Romantik des Stücks als vollkommen lachhaft empfinde. Seitdem halte ich normalerweise Abstand von solchen Büchern, kam aber in der Vergangenheit immer wieder ins Schwanken. Bei „Tod oder Liebe“ dachte ich mir nun: „Warum nicht?“ Zumal das Buch Teil einer NotizBuch-Aktion war, die viel Spaß versprach.
Nun, es war – zumindest buchtechnisch – keine gute Entscheidung. Manuela Salvis Roman hat leider auch den wenig erfreulichen Liebesaspekt aufgegriffen. Wenn noch die Rede davon gewesen wäre, dass die beiden ineinander verliebt wären … das ist etwas anderes. Aber einander lieben? Nach ein paar Gesprächen ist es schon um die beiden geschehen und statt sich wirklich kennenzulernen, starten sie einfach mal das ganze Drama. Natürlich ist es auch eine Frage der Definition, aber an Liebe auf den ersten Blick glaube ich nicht, und in Büchern wird das, was in „Tod oder Liebe“ vorzufinden ist, auch gerne mal als Instalove bezeichnet. Wie wir von Instantgerichten kennen: ist billig, schmeckt aber auch nicht immer allzu super.

Begeistert war ich also nicht davon und es beschränkt sich leider Gottes nicht nur auf die „Liebe“ der beiden. Bianca war mir von Anfang an unsympathisch. Mit der Zeit stellt sich heraus, dass sie eine egoistische Drama-Queen ist, die gerne auch mal Leute benutzt, um an ihr Ziel zu kommen. Dabei lebt sie in ihrer ganz eigenen Welt, was sie natürlich allen anderen vorwirft. Bisweilen scheint es, sie halte sich für etwas Besseres, weil sie nicht aus ihrer eigenen Trauer herauskommt. Jeder, der seine Trauer und Wunden nicht tagtäglich Schau läuft, hat natürlich ein perfektes Leben und weiß nicht, wie hart alles sein kann. Ihre Blindheit und Naivität könnte ich ihr ja irgendwo noch verzeihen, den Rest aber nicht. Eine wirkliche Erkenntnis, dass auch sie in einigen Dingen falsch liegt, fehlt eigentlich – aber hey, was soll’s?
Manuel steht ihr da nicht wirklich nach. Zwar kann ich nachvollziehen, warum er sich in die Dinge einlässt, in die er sich nun einmal einlässt (was es nicht weniger dumm macht), nur ist er ansonsten genauso egoistisch wie das böse Wort mit B und irgendwo auch ein heranwachsender Macho. Vielleicht hat er auch nur gescherzt, aber es ist 1) nicht lustig und 2) alles andere als sympathisch.
Die Autorin hat es mir also schon hier nicht sehr leicht gemacht. Aber vielleicht führe ich auch ein zu perfektes Leben, um die beiden zu verstehen. Ha ha.

Grundkonstellationen und Charaktere funktionierten für mich also nicht – aber der Rest der Geschichte? Pustekuchen. Die Geschichte war reichlich vorhersehbar und die Dramatik sehr erzwungen; das meiste war eigentlich überdramatisiert und wurde viel zu schnell vorangetrieben, sodass gar keine Spannung aufkommen konnte.
Moment, das stimmt nicht. Ich zitiere mal aus meinen Notizen: „bisher einzige interessante Frage: Was hat *** mit dem Tod von *** Vater zu tun?“ Diese Frage kommt relativ früh auf und hat für den Verlauf der Geschichte keine allzu wichtige Bedeutung, wird im Grunde nebenbei beantwortet. Das alles spricht für sich, oder?
Recht dominant sind auch die Twilight-Parallelen, und das betrifft nicht nur die Tatsache, dass Bianca neu an der Schule ist und sich in den geheimnisvollen, gefährlichen Kerl verliebt, der immer mal in der Schule fehlt. Allerdings muss ich hier zugeben, dass man zum Teil auch danach Ausschau halten muss – einiges wäre mir ohne die Kommentare anderer Leser des NotizBuches gar nicht aufgefallen.
Letztlich ist einzig und allein der Schreibstil war sehr angenehm – wenn er nicht gerade ins Kitschige abdriftet. (Was schwierig ist, wenn beide Hauptcharaktere gerne schwülstige Reden halten und diese mit tiefsinnig-depressiven Gedanken abwechseln.)


Tod oder Liebe? Nun, das Buch bietet eigentlich keins von beidem, dafür aber dafür die Drama-Queen schlechthin, eine gehörige Portion Egoismus und eine vorhersehbare Geschichte inklusive Kitsch. Vielleicht sollte ich mich auch einfach von diesen Romeo-und-Julia-Geschichten fernhalten – ist ja nun wirklich nicht jedermanns Sache.