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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Kelley Armstrong
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Kelley Armstrong
A Clash of Kings  - George R.R. Martin 4,5

Nach Robert Baratheons Tod stieg sein Sohn Joffrey auf den Thron – nur dass er gar nicht Roberts leiblicher Sohn ist, was aber nur seine Mutter, sein Vater, einige Berater und Stannis Baratheon, Roberts Bruder, wissen. Letzterer sieht dies als Anlass, seinen Anspruch auf den Thron geltend zu machen, was aber auch sein jüngerer Bruder Renly tut, ohne vom rechtmäßigen Anspruch seines älteren Bruders zu wissen.
Im Norden wurde Robb Stark als ältester Sohn des unschuldig hingerichteten Eddard Starks und Lord von Winterfell zum König des Nordens ernannt, der nicht bereit ist, vor den Lannisters, die den Tod seines Vaters zu verantworten haben, das Knie zu beugen. Fortan verstricken sich diese vier Parteien in einem Krieg, der wie jeder andere auch seine Opfer fordert.
Inmitten all dessen versucht Sansa in King‘s Landing, in der Hand der Lannisters, die Situation bestmöglich zu überstehen, was nicht leicht ist, wenn man den Mörder des eigenen Vaters heiraten soll. Arya dagegen konnte fliehen und zieht als Junge verkleidet in Richtung der Mauer hoch im Norden. Da aber die Wege immer wieder von plündernden Soldaten gekreuzt werden, ist dies vielleicht noch gefährlicher als Sansas Lage und Arya muss sich schleunigst Verbündete suchen.
In Winterfell ist die Situation derweil etwas ruhiger – noch. Denn auch Bran und Rickon droht bereits Verrat von unerwarteter Seite, der die Starks einmal mehr hart treffen könnte.
Im Norden dagegen zieht Jon Snow mit einer großen Truppe seiner Brüder hinter die Mauer, um nach verloren gegangenen Brüdern zu suchen und herauszufinden, was der „König hinter der Mauer“ plant. Dass er dabei einige seiner Prinzipien schon sehr bald über Bord werfen muss, weiß er noch nicht.
Ganz anders gestaltet sich Daenerys Reise, die das Meer noch immer nicht überquert hat. Sie zieht mit ihrer kleinen Gruppe und ihren Drachen quer durch Wüsten und Städte, in der Hoffnung, irgendwo Hilfe und Unterstützung zu finden, um nach Westeros zu segeln und dort den Thron zu besteigen, der ihrer Ansicht nach allein ihr zusteht.


Vielerorts brodeln Probleme – und sorgen so für ordentlich Spannung, ob es nun die aufgeheizte Stimmung in King‘s Landing ist, wo die Bevölkerung nicht mehr genug zu essen hat, während der König fein speist, oder das unklare Hin und Her während des Krieges. Ganz zu schweigen davon, dass sich im Norden und jenseits des Meeres bereits neue Gefahren ankündigen. Allein damit werden die Leute gehörige Probleme bekommen, auch wenn sich die Lage in Westeros irgendwann mal entspannen sollte. All das hält die Frage aufrecht, was denn als nächstes geschehen möge und einige überraschende Momente tun ihr Übriges. Verrat ist dem Autor dabei genauso wenig fremd wie der unerwartete Tod eines Charakters, er lässt immer wieder irgendetwas passieren, das die Dinge über den Haufen wirft.
Nicht unwichtig ist dabei, wie bereits erwähnt, der Krieg, der keinen Platz für Zögern lässt, gleichzeitig aber auch nicht unnatürlich voranrast. Die Schlachten werden hier und dort geschlagen, bei der Masse an Feinden auch nie nur an einem Ort. Es wäre aber auch dumm, immer sofort zum Gegner zu reiten und so verharren die Heere, es wird abgewartet, um zu sehen, wohin die anderen ziehen, ob es anderswo Kämpfe gibt oder man wartet auf Verbündete. Dementsprechend langsam zieht dieser Krieg voran, wird aber dennoch nicht langweilig.
Es werden außerdem einige Kämpfe schlichtweg weggelassen, als Leser erfährt man erst im Nachhinein, dass da etwas geschehen ist, weil ein Charakter davon berichtet. Das hat den Vorteil, dass zu viele Kämpfe den Handlungsverlauf nicht verlangsamen oder gar aufhalten. Andererseits kommen dadurch auch manche Seiten etwas zu kurz. Nach der Einführung er Greyjoys hört man zum Beispiel nur noch selten und wenig von ihnen; was beim König im Norden vor sich geht, wird fast vollständig nacherzählt und nicht direkt durch den Text vermittelt. Das ist insofern schade, da auch die Vorkommnisse dort und das Schicksal einiger der Charaktere von Interesse sind und diese – einfach ausgedrückt – zu kurz kommen.

Fast um dies auszugleichen, wird der Fantasyanteil ein wenig größer, ohne aber zu überwiegen. Da wären logischerweise die Drachen, die im ersten Band schon angekündigt wurden und hier nicht einfach verschwinden können. Sie sind zumeist aber einfach da, ohne dass sich „A Clash of Kings“ durch sie in ein regelechtes Fantasyepos verwandelt. Es sind Drachen, die momentan erst noch fauchen und sich nah bei ihrer „Mutter“ halten.
Dann sind da aber noch Träume, die Bran Stark heimsuchen und mehr sind, als sie zunächst scheinen. Auch hier gilt: Es ist ein gesundes Maß, das Interesse weckt statt abzuschrecken.

Abgesehen von den Fähigkeiten der Charaktere, sind diese selbst auch ziemlich toll, um es so frei heraus zu sagen. Sie sind untereinander bisweilen sehr lebhaft, ihre Interaktion besteht nicht nur aus flachen Diskussionen, sondern auch hitzigen Diskussionen, Streits, anstrengenden Gesprächen und Dialogen, die mir das Herz aufgehen oder aber mir das Blut in den Adern gefrieren ließen, wenn ich an all die Figuren denke, bei denen nach wie vor alles andere als klar ist, ob ihnen wirklich zu trauen ist.
Wie immer gibt es eine Vielzahl von Typen, auch wenn einige vom letzten Mal sich nicht wirklich zeigen konnten, da die Ereignisse aus ihrer Umgebung zunächst außen vor gelassen wurden. Dafür haben sich neue Figuren angefunden und die alten haben sich weiterentwickelt, statt in ihrer Position zu verharren. Ob diese Entwicklung immer positiv verläuft, ist schon wieder eine andere Frage, aber letztlich unterstützt es nur, was mir besonders gefällt: Es gibt kaum Schwarz-Weiß-Charaktere und wenn doch, weil man deren Beweggründe nicht nachvollziehen kann, so gibt es andere Figuren, denen das gelingt. Sicherlich gibt es bei dem einen oder anderen auch noch etwas zu entdecken, aber nach nur Guten oder nur Schlechten wird man vermutlich lange suchen dürfen.

An anderer Stelle kann ich nicht ganz sicher sagen, ob es mir nun gefällt oder nicht. Der Autor scheint ganz in seinem Element gewesen zu sein, denn wie schon im ersten Band erspart er den Lesern – und nach wie vor auch den Starks – nicht wirklich ein Übel. Auch andere Charaktere sind nicht immer gut dran, aber momentan sollten sich wohl besonders Stark-Fans Sorgen machen. Das wird fies – wirklich.
Ähnlich ging es mir beim Schreibstil, auch wenn der keineswegs als „schmerzhaft“ bezeichnet werden könnte; er ist nicht so schlecht, dass es einem im Herze wehtut. Im Gegenteil! Der Autor hat auch „A Clash of Kings“ in eine ansprechende beziehungsweise passende, wenn ansprechend nicht angebracht war, Sprache verpackt und einen Weg zwischen der Vermittlung der Gefühle der Charaktere und einer Sachlichkeit gefunden, damit so viele Sichten unter einen Hut passen anstatt in einem reinen Gefühlschaos zu enden und so den Perspektivenwechsel zu erschweren. Allerdings schienen mir die Umgebungsbeschreibungen teilweise etwas lang und ausschweifend geraten. Vielleicht liegt es auch an meinem Mangel an Interesse an der einen oder anderen Sache, oder daran, dass das meiste sowieso in der Vorstellung des Lesers existiert und allzu viele Beschreibungen nur das wiederholen, was schon da ist. Fest steht, dass sie sich ab und an etwas zogen – nicht so sehr, dass ich frustriert das Buch beiseitelegen musste (das war an anderer Stelle der Fall und aus ganz anderen Gründen), aber es störte ein wenig. Mit dem Rest des Buches hat der Autor diese Defizite aber ganz leicht wieder rausgeholt.


Wieder ein spannendes Werk des Autors, das sowohl Leser als auch Charaktere quält, aber dennoch gut unterhält. George R. R. Martin hat es nicht ganz geschafft, alle Ereignisse in das Buch einzubinden und manch Umgebungsbeschreibung gerät ein wenig zu ausschweifend, aber ansonsten gibt es für dieses Buch wieder eine ganz klare Empfehlung!