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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Insurgent  - Veronica Roth 4,5
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Der Angriff der Erudite wurde vorerst gestoppt, doch das heißt nicht, dass die Gefahr vorüber ist. Ein Großteil der Abnegation wurde getötet und nicht alle Dauntless wenden sich von den Erudite ab, sobald die Simulation gestoppt ist und sie wieder selbstständig denken können.
Tris findet zusammen mit Four, Caleb, Marcus und Peter vorerst Schutz bei den Amity, doch der Schock über den Tod ihrer Eltern und die Schuld, Will erschossen zu haben, lassen sie deswegen noch lange nicht los.
Dennoch bleibt keine Zeit, um auszuruhen, denn der Konflikt wird weitere Dimensionen annehmen und Tris als Divergent ist besonders gefährdet. Sie wird nicht das letzte Mal um ihr Leben gekämpft haben und es wird auch nicht der letzte Schock gewesen sein, den sie erleben muss.


Nach dem Beenden des Buches hatte ich das dringende Bedürfnis laut zu fluchen (dem ich auch nachgegangen bin), allerdings nicht, weil das Buch so schlecht war – eher im Gegenteil. Ich hatte mir wirklich gewünscht, dass „Insurgent“ mindestens halb so toll wird wie „Divergent“, damit ich es mindestens genießen kann und das hat Veronica Roth glücklicherweise zustande gebracht; das und noch mehr.

Es fängt schon damit an, dass die Ereignisse aus Band 1 nicht einfach an Tris vorbei gehen, sondern tatsächlich Einfluss auf sie haben. Das betrifft nun den Tod ihrer Eltern, vor allem aber die Tatsache, dass sie in ihrer Panik einen ihrer besten Freunde erschoss. Das ist nichts, das man einfach so wegstecken kann und sollte, und das geschieht auch nicht. Gleichzeitig ist es aber auch nichts, mit dem man einfach so hausieren geht, was wiederum Probleme mit sich bringt – derartige Geheimnisse vor den Personen zu haben, die einem nahe stehen, bringen selten etwas Gutes, was auch Tris am eigenen Leib erfahren muss.
Trotzdem dreht sich die Geschichte nicht im Kreis, indem sie immer wieder beleuchtet, wie es Tris nun in dieser Hinsicht geht, sondern konfrontiert sie mit weiteren Problemen, die sie langsam, aber sicher fertigmachen. Wie auch nicht? Sie ist letztlich noch immer eine 16-Jährige, mittlerweile eine Waise, die ihren Platz in der Gesellschaft erst finden muss – vor allem in einer, in der Menschen wie sie gar nicht vorgesehen sind. Da ist es nur logisch, dass sie einige Probleme hat und nicht immer einer Situation angemessen reagiert, zumal es ihr auch nicht gerade leicht gemacht wird.

„Insurgent“ konzentriert sich hauptsächlich auf die Charaktere, die wir im ersten Band schon kennenlernen konnten, auch wenn einige wichtige Figuren hier erst eingeführt werden. Eine der wichtigsten Personen für Tris ist Four, mit dem nicht alles wirklich rund läuft. Zwar kribbelt es zwischen den beiden nach wie vor mächtig, aber das verflüchtigt sich langsam, sobald sich die Geheimnisse zwischen den beiden anhäufen. (Mal abgesehen davon, dass ich die berühmten vier Buchstaben hier trotzdem noch zu verfrüht fand – das kann aber auch nur an mir liegen, ich bin kein Freund dieser Worte, scheint mir.) Four muss selber mit dem einen oder anderen Problem zurechtkommen, auch wenn manche Reaktionen von ihm recht hochgezogene Augenbrauen meinerseits hervorriefen. Wir wissen also, dass die Freundin anders denkt, reden aber nicht weiter drüber und verlangen, dass sie tut, was wir verlangen und sich damit unterordnet, ja? Nun, junger Mann, das müssen wir wirklich noch üben! Zum Glück scheint er sich irgendwann doch wieder ein wenig zu fangen und ich will ihm eine zweite Chance gewähren; die Situation, in der sie sich momentan befinden, ist letztlich extrem, da ist es irgendwo auch verständlich, wenn Leute die Nerven verlieren oder eben nicht mehr ganz klar denken.
Neben ihm gibt es da natürlich noch Caleb, mit dem Tris erst lernen muss umzugehen, Christina, die die Freundin von Will war, und eine Gruppe anderer Dauntless. Besonders die Szenen mit letzteren sorgen zu einem Großteil für eine Auflockerung der Geschichte und für reichlich Lacher. Diese scheinen ohnehin immer wieder ihren Weg in die Geschichte zu finden, was durchaus angenehm ist bei dem, was sonst so vor sich geht und der Tatsache, dass nicht jeder Charakter ein Freund von Tris ist und sie trotzdem mit ihnen zusammenarbeiten muss.

Die Handlung folgt zunächst keinem sichtbaren „Plan“ – die Lage der Dinge ist unübersichtlich, Bündnisse unsicher und genauso die Ziele für die Zukunft. Sollen die Erudite besiegt und zerstört werden? Soll eine fraktionslose Gesellschaft angestrebt werden?
Langweilig wird es trotzdem nicht, denn Unsicherheit heißt nicht, dass alle nun die Hände in den Schoss legen. Spätestens auf Angriffe der Erudite, die ziemlich genau zu wissen scheinen, was sie wollen, muss immer wieder reagiert werden und der Ausgang des Ganzen ist keineswegs sicher.
Derweil hält die Autorin die eine oder andere (unangenehme) Überraschung bereit und – was noch viel wichtiger ist – die Antwort auf eine Frage, die sich bereits während des ersten Bandes stellte: Was liegt außerhalb der Stadt? Schließlich gibt’s da draußen eine komplette Welt, über die wir nichts wissen und bei der sich scheinbar kaum jemand fragt, was dort vor sich geht. Alle Fragen, auch in diese Richtung, werden zwar nicht beantwortet, aber wir sind zumindest schon mal einen Schritt weiter.

Dennoch gibt es den einen oder anderen negativen Punkt, die allesamt keineswegs überwältigend, aber trotzdem vorhanden sind. Da wären einige, zum Glück seltene, Stellen, an denen Tris und die anderen herumrätseln, obwohl die Antwort eigentlich klar auf der Hand liegt.
Ein wenig schwerwiegender sind da die Sinnfehler, die sich hier und da eingeschlichen haben. Ich bin in dieser Hinsicht nicht einmal streng, Verwechslungen zwischen „him“ und „her“, die es auch geben soll, sind mir gar nicht aufgefallen, dafür aber andere kleine Verwechslungen und vor allem das ziemlich große Hin und Her gegen Ende, in der Tris mal eine Waffe hat und dann mal wieder nicht.
Die Autorin hat sich zwar schon dafür entschuldigt und begründet, warum solche Fehler entstehen, aber das war eigentlich noch nie ein großes Geheimnis. Jeder, der auch nur Essays schreiben muss, weiß, dass man Dinge übersieht, wenn man einen Text zu oft und in zeitlicher Nähe liest. Abgesehen davon ändert das nichts an dem Effekt, den diese Stellen haben: Ich war irritiert, der Lesefluss wurde unterbrochen, vor allem wenn die Dinge richtig durcheinander geraten. Sie hat keine Waffe, sie hat eine, sie hat keine, sie hat eine … das verwirrt nun mal und stört; Fakt ist Fakt. Und dafür gibt’s auch einen halben Punkt Abzug.


„Insurgent“ hält, was „Divergent“ versprochen hat und ist mindestens genauso spannend und sogar ein bisschen lustiger – zumindest was meinen Humor betrifft. Was vor sich geht, ist sicherlich nichts für leichte Gemüter, allein schon durch die schwierigen Gefühle, mit denen sich Tris herumschlagen muss. Das alles ist aber nur der Situation entsprechend, auch wenn manch Charakter zwischendurch durchaus mal einen Tritt in den Hintern verdient hätte. Letztlich gibt es neue Antworten auf einige Fragen und einen ziemlich schwierigen neuen Konflikt. Störend ist da eigentlich nur, dass sich einige wenige Sinnfehler eingeschlichen haben, die einen trotzdem ziemlich aus der Geschichte herauswerfen können.