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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Verborgen im Niemandsland: Abby Lynn 4 - Rainer M. Schröder 2.5

Die Rezension enthält Spoiler zu den vorherigen Bänden.
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Es ist mittlerweile der April 1809, und Abby befindet sich mit ihrer Familie auf dem Weg in Richtung Freiheit. Australien können und wollen sie nicht verlassen, doch die Kolonie ist zu weiten Teilen noch unentdeckt. Zusammen mit anderen Familien machen sie sich auf den Weg, um dem Einflussgebiet des Rum-Corps‘ zu entfliehen. Doch so sicher, wie sie dachten, sind sie dabei nicht. Es blieb durchaus nicht unbemerkt, dass Abby nicht auf dem Sträflingsschiff war, auf dem sie sein sollte und ihre Erzfeindin setzt alles daran, um der jungen Frau auf die Spur zu kommen und sie ihrer „gerechten Strafe“ zukommen zu lassen.
Abgesehen davon warten im Busch noch weitere Gefahren: Banditen machen das Leben dort unsicher und auch innerhalb der Gemeinschaft kann man sich nicht immer sicher sein, wem zu trauen ist und wem nicht …


In der eigentlichen Kolonie ist es nicht mehr sicher für die junge Familie und so wird es Zeit, andere Teile Australiens zu erforschen – gut für uns, denn auch wenn wir nichts komplett Neues über das Land lernen, so werden ein paar Aspekte geschildert, die vorher vielleicht nur kurz Erwähnung fanden.
Allerdings hat es auch seine Nachteile, denn anstatt sich wie die beiden vorherigen Teile auf eine relativ kleine Zeitspanne zu konzentrieren, ziehen hier wieder mehrere Monate in Land, auch wenn das Buch damit noch lange nicht so weit greift wie der erste Band. Dadurch wird beispielsweise die Dynamik der Siedler untereinander bisweilen nur angedeutet und nie wirklich ausgearbeitet – dass Rainer M. Schröders Bücher nicht von der Interaktion der Charaktere untereinander leben, haben wir aber schon in den vorherigen Bänden merken können.

Ansonsten gibt es zum vierten Band der Reihe nicht viel zu sagen, was nicht schon in vorherigen Rezensionen erwähnt wurde. Die wörtliche Rede haut nach wie vor nicht richtig hin und die Bücher sind nur mäßig spannend, wenn auch nicht uninteressant, um die zwei wichtigsten Punkte noch einmal zu nennen.

Dennoch wäre da noch eine Sache, die mich hier ein wenig beunruhigt hat. Dass die Wertevorstellungen damals anders waren, ist mir bewusst und auch wenn Begründungen à la „Frauen waren damals halt weniger wert“ nie heißen müssen, dass es keine Frauen gab, die „über ihre Rechte hinaus“ gehandelt haben, ist genauso logisch, dass es Frauen gab, die sich in diese Rollen eingefügt haben und ja, teilweise auch wohlfühlten (oder das zumindest dachten). Was Anwandlungen dieser Art hier zu suchen hatten, ist mir allerdings schleierhaft – war Abby in der Vergangenheit eher ein Beispiel dafür, dass es auch anders geht. Es gab ein paar Stellen, die so gar nicht zu Abbys bisherigen Taten passen wollten: Sie hat bereits gezeigt, dass sie genauso arbeiten kann wie Andrew und bewies ihre physische wie psychische Kraft. Wenn dann Passagen auftauchen, in denen sie von Handlungen absieht, weil ein starker Mann gebraucht werde, sorgt das erst einmal nur für ein Stirnrunzeln. Wenn sie dann aber Andrew das Überleben ihres Sohnes zuschreibt, während der ganze Plan zu großen Teilen ihr Verdienst war und das Überleben des Kindes ihrer Initiative und Hartnäckigkeit zuzuschreiben ist, muss ich mich ernsthaft fragen, wer von uns die Bücher besser in Erinnerung hat – der Autor oder ich. Es waren nicht viele Stellen, aber doch genügend, um mir das Buch ein wenig zu verderben.


Einige fragwürdige Stellen bezüglich Abbys Position als Frau machen das Buch letztlich zum schlechtesten der Reihe, auch wenn es sich ansonsten nicht allzu sehr von den anderen Bänden unterscheidet. Die Dialoge sind steif wie bisher, während das Geschehen interessant, aber selten mehr ist – schade drum, es hätte ein guter Abschluss werden können.