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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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The Hollow. Wahre Liebe ist unsterblich - Jessica Verday Über 50 Tage ist es her, dass Kristen verschwunden ist, dennoch kann Abbey nicht nachvollziehen, warum sie nun für tot erklärt wird, warum ein leerer Sarg begraben wird. Sie hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben.
Doch langsam muss auch sie akzeptieren, dass Kristen nicht mehr zurückkommen wird, während ihr vor allem in der Schule all jene Menschen begegnen, denen Kristen absolut nichts bedeutete und die jetzt Trauer heucheln.
Ihr Leben scheint aus dem Ruder zu laufen, Trost findet sie kaum, nur die Parfumherstellung nimmt sie immer ein paar Stunden gefangen. Doch dann begegnet sie Caspian, einem geheimnisvollen jungen Mann, der eindeutig an ihr interessiert ist an ihr. Doch warum zögert er, ihr wirklich näher zu kommen? Dies ist nur eines der wenigen Geheimnisse, mit denen sich Abbey auf einmal konfrontiert sieht und die sie zu lösen gedenkt.

Der Untertitel hätte mich warnen müssen. Dieser ist schon absolut klischeehaft und sagt damit einiges über das Buch aus. Es fiel mir auch sehr schwer, eine Inhaltszusammenfassung zu schreiben, denn zwischen all den genannten Ereignissen befinden sich meist etliche zähe Seiten ohne richtige Handlung.
„The Hollow“ ist keineswegs eine reine Romanze, um ehrlich zu sein hat das Buch ziemlich gute Ansätze: Kristen ist verschwunden, vermutlich tot. Dass ihr Bruder vor Jahren an einer Überdosis starb, macht das Ganze umso furchtbarer. Abbeys Parfumstellung ist ebenso ein interessanter Aspekt, ich war während des Lesens regelrecht neidisch darauf, weil die Düfte so verlockend klangen. Ohnehin ist sie erst mal nicht das typische Mädchen: Früher spielte sie mit Kristen auf dem Friedhof, den sie auch als schönen, friedvollen Ort ansieht; sie liebt Washington Irving und und und. Das Buch zitiert am Anfang jedes Kapitels die Legende von Sleepy Hollow und auch sonst wird dies nicht selten eingebracht – wäre toll gewesen, wenn es auch noch Sinn gemacht hätte. Es ist unklar, was mit Kristen geschah und später auch, was mit Caspian eigentlich los ist.
Alles Dinge, die den Leser hätten fesseln könne. Hätten. Wenn die Autorin nur gewollt hätte?
Was mir als Erstes auffiel, war der geradezu unverschämte Gebrauch des Kursivdrucks. Ich hab jetzt nicht nachgezählt, aber jemand anders tat es – es gibt tatsächlich Seiten, auf denen sind ganze acht Wörter kursiv gedruckt. Es kommt wirklich ständig vor und während ich anfangs noch frustriert schnaubte, konnte ich bald nur noch die Augen verdrehen (bis selbst das zu anstrengend wurde). Das Ärgerliche daran ist, dass es teilweise nicht mal nötig gewesen wäre, weil ich es sowieso mit dieser Betonung gelesen hätte. Dadurch dass es durch den Kursivdruck dann noch einmal betont wurde, klang es einfach nur lächerlich.
Liebe Autoren da draußen: Ein bisschen Hervorhebung ist okay, eigentlich sogar gut; aber ob manch einer es glaubt oder nicht, Leser haben in der Regel ein Hirn und damit können sie selbstbestimmt lesen. Unglaublich, nicht wahr?
Nach der ersten Resignation begann auch schon, die Protagonistin zu schwächeln. Abgesehen von ihrer Haarfarbe konnte sich kein Bild von ihr entwickeln, sie blieb völlig konturenlos und flach. Die einzige Regung, die ich bei ihr verspürte, war später Missfallen. Entweder heulte Abbey rum oder ließ sich von vorn bis hinten bedienen. Es nervt einfach, besonders bei Szenen, in denen beschrieben wird, dass Caspian sich nicht am Fluss befindet – zufällig wohlgemerkt, da sie sich kein Treffen ausgemacht hatten -, also würde er sie auch nicht wiedersehen wollen und sich nicht mehr für sie interessieren. Wo ist denn da die Logik? Soll er etwa den ganzen Tag auf sie warten oder wie?
Bei allen anderen Charakteren sieht es ähnlich aus: Caspian ist keineswegs geheimnisvoll, sondern dermaßen schnulzig, dass nur Edward Cullen ihn noch schlägt. Kristen ist nun einmal nicht da, und da die Trauer von Abbey kaum rüberkommt, bringt sie fast nichts dem Leser näher. Abbeys Eltern und andere Erwachsene werden sporadisch eingebracht, aber auch nicht so sehr, dass sie von irgendeinem Interesse sein könnten. (Einigen kommt später mehr Bedeutung bei, aber das wirkt dann schon wieder ziemlich schwachsinnig, von daher …) Die Schüler sind allesamt oberflächliche Idioten, alle dumm, alle nervig und alle total heuchlerisch. Laut Abbey, die sich darüber beschwert, dass sie alle Kristen und sie nach dem Äußeren beurteilt haben, sie nicht mal kennen – aber Abbey selbst stempelt auch den einzig wirklich interessanten und süßen Charakter als oberflächlich ab. Und ja: ohne ihn zu kennen. Ben ist der Junge, der heimlich in Kristen verliebt war und nun seinem Schwarm nachtrauert. Ben gewinnt als Einziger ein wenig Form und ist wirklich niedlich. Leider kommt er erst spät etwas öfter vor und so plötzlich er kam, so plötzlich ist er auch wieder weg vom Fenster.
Alle anderen verlieren sich in ihren öden Klischees und stellen wohl kaum einen Reiz dar.
Als wäre das nicht Grund genug, das Buch in die Tonne zu hauen, ist auch noch der Inhalt alles andere als überzeugend. Wie erwähnt, befindet sich am Anfang jedes Kapitels ein Ausschnitt der Legende von Sleepy Hollow, doch warum? Die Abschnitte hatten für mich keinerlei Bezug zum Geschehen von „The Hollow“. Zum Verständnis werden sie auch nicht gebraucht, denn erstens gibt Abbey den Inhalt recht früh selbst wieder und zweitens beinhalten die Abschnitte keine wichtigen Passagen, sondern meist Beschreibungen verschiedener Art.
Dass Abbey am Anfang etwas Zeit gegeben wird, sich vorzustellen, ihre Trauer und Verzweiflung rüberzubringen ist okay – wenn sie es denn mal gemacht hätte. So werden die Seiten gelangweilt umgeblättert während im Grunde nichts geschieht. Wenn dann endlich mal was passiert, wird dem nicht nachgegangen, sodass es auch wieder in der fluffig-grauen Langeweilewolke verschwindet. Ein Beispiel: Irgendwas an Kristens Verschwinden ging nicht mit rechten Dingen zu. Inwiefern? Keine Ahnung! Abbey will es zwar klären, aber so wirklich kümmert sie sich nicht drum. Selbst am Ende ist man da keinen Schritt weiter.
Dass mit Caspian etwas nicht stimmt, kommt eigentlich auch erst am Ende rüber und würde es der Klappentext nicht verraten, wäre das Buch ein ziemlich heißer Abbruch-Kandidat.
Geheimnissen wird einfach nicht nachgegangen (auch wenn Abbey mal behauptet, sie hätte sich die letzte Zeit nur damit beschäftigt – natürlich), es passiert kaum was und dazwischen geschieht nichts. (Das Geheimnis um Kristen wird übrigens auch erst im dritten Teil geklärt, wie ein Blick auf dessen Klappentext verrät.) Das Lustige daran ist, dass es sich dabei teilweise um Monate handelt, die bereits gerafft wurden. Mein Leben ist ja auch nicht unbedingt das spannendste, aber wie jemand so viel Stillstand ertragen kann, ist mir nun wirklich ein Rätsel.
Das Wichtigste kommt wirklich zum Schluss, und um ehrlich zu sein: Ich hatte den Klappentext vom zweiten Band schon gelesen und gedacht, mich damit gespoilert zu haben. Wie sich herausstellte, war meine Schlussfolgerung bezüglich Caspian im Grunde falsch – allerdings gefällt sie mir wesentlich besser, als das, was sich am Ende von „The Hollow“ abzeichnete.
Hinzu kommen einige unlogische Handlungen, einerseits die Charaktere betreffend, andererseits Handlungen. Der Klassiker: Ein Name wird genannt, ehe die Person als solche vorgestellt wird. Dann: Abbey fasst ein heißes Blech an, aber danach findet die Brandwunde kaum Erwähnung. Ich bin mal versehentlich mit meinem Arm an ein heißes Blech gekommen, nur für eine Sekunde. Die Narbe hab ich heute noch (und es ist bald ein Jahr her), und die Tage danach tat es durchaus weh, mal abgesehen davon, dass sich die Haut verhärtete und abblätterte. Abbey scheint irgendwie einen Wunderheiler zu kennen, denn hier betraf es immerhin ihre Handflächen, aber scheinbar hatte sie keine Beschwerden. An einer anderen Stelle ist Abbey mit ihrem Vater Chinesisch (sehr viel davon); als sie nach Hause kommen, serviert die Mutter Abendbrot und prompt essen sie noch mal mit. Hallöchen?
Es sind nur ein paar kleine Beispiele, aber ich denke, sie zeigen, was ich meine.

Nein, nein, nein! Das war wirklich nichts. Es gibt ein paar Ansätze, die mir wirklich gefallen haben, aber nichts davon wird richtig umgesetzt. Trotzdem gibt’s dafür ein halbes Mini-Pünktchen, weil man sich sowas eben auch erst mal einfallen lassen muss. Außerdem macht das Ende ein bisschen – ein sehr bisschen aber nur – Lust darauf zu erfahren, wie es weitergeht. Außerdem möchte ich wirklich wissen, was mir Kristen geschehen ist. Und – nebenbei bemerkt – das Cover ist große klasse.
So kommen wir zu einer schnuckeligen Ein-Stern-Bewertung. Fans von sinnlosen Liebesgeschichten mit wenig Input und flachen Charakteren könnten Spaß an dem Buch finden, Cover-Maniacs werden es auf jeden Fall entzückt anstarren können. Allen anderen sag ich nur: Ich hab euch gewarnt!