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Shiku

Muh, das Telefonbuch

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Der Traum des Schattens - Lena Klassen, Maja Winter 3.5
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Die Schlacht um Akink ist vorbei, doch der Krieg ist noch lange nicht gewonnen. Solange es sowohl Schatten als auch Krieger des Lichts gibt, wird der Konflikt weitergehen – Mattim ist nicht gewillt, seinen Bruder Kunun einfach in Ruhe zu lassen. Doch dieser hat seinen ganz eigenen Plan ersonnen, Mattim zu verletzen und ihm das zu nehmen, was ihm das meiste bedeutet – Hanna. Die beiden müssen sich etwas einfallen lassen, um die Sache ein für alle Mal zu beenden. Doch wem kann man in einer Welt voller Schatten schon noch vertrauen?


Ich bin, ehrlich gesagt, ein wenig unsicher, was ich mit „Der Traum des Schattens“ anstellen soll. Es ist eine Weile her, dass ich die vorherigen beiden Bände gelesen habe, aber ich hatte zumindest den zweiten Band wesentlich besser in Erinnerung. Was mir damals so an den Büchern gefiel, war die Spannung, die trotz der Romanze nicht abhandenkam, der schnelle Einstieg in die Geschichte (zumindest im zweiten Band, im ersten ging es zu schnell) und die Tatsache, dass die Vampire – Schatten – hier sich von ihren „Artgenossen“ unterscheiden. Ich find es immer noch klasse, dass ihre Wunden nicht geheilt werden können, so dass unter Umständen auch mal jemand zerstückelt daliegt und unfähig ist zu sterben.

Ganz so brutal ist es natürlich nicht die ganze Zeit über, die richtig üblen Szenen kommen eher selten vor, sind dann aber sehr willkommen. Auch so kann man dem Buch nicht absprechen, dass es spannend ist – im Gegensatz zu den vorherigen Bänden ist das aber nicht durchweg der Fall. Ohne zu viel verraten zu wollen: Es passiert hier etwas, das die Geschichte immer wieder zwingt, eine kleine Pause zu machen, damit bestimmte Charaktere sich kennenlernen können. Es geschieht trotzdem einiges nebenher, so dass die Handlung nie zum Stillstand kommt, es gibt nur eben einige Längen, die einen je nach persönlichem Geschmack mehr oder weniger stören können. Ich für meinen Teil bin kein Freund von Melodramen.

Dafür steigt das Buch beinahe sofort wieder in die Handlung ein. Ich hatte befürchtet, dass es zunächst einige Zeit dauern würde, aber da hätte ich mir wirklich keine Sorgen machen müssen. Die Handlung startet zwar nicht mit der ersten Seite gleich durch, aber lange muss man auch nicht darauf warten.
Mein Problem liegt aber vielmehr bei den Charakteren; schon beim Vorgänger hatte ich das Gefühl, dass Mattim der alleinige Hauptcharakter des Buches ist und hier hat sich das nur noch einmal bestätigt. Hanna ist zwar noch da, ja, und spielt keine ganz unwichtige Rolle, aber wir sehen bei ihr keine Entwicklung. Zum Teil liegt das auch daran, was sich Lena Klassen für sie ausgedacht hatte und auch wenn es zum Teil für weitere Spannung sorgte, war ich zum Großteil von Hanna nur noch genervt.
Ohnehin wird es hier schwierig, Charaktere zu finden, mit denen man zurechtkommt, da die meisten, auf die das zutrifft, nur sporadisch auftreten. Mónika, Attila, Wilder, Goran … teilweise ist ihnen nur ein Auftritt vergönnt. Bleibt nur noch Mattim, was auf Dauer ein bisschen wenig ist.
Die anderen dagegen … Kunun ist und bleibt ein Bösewicht, Farank darf sich als schlechtester Vater aller Zeiten bewerben und so oft Réka auch behauptet, sie sei mehr als eine pubertäre 16-Jährige, sie ist die meiste Zeit über genau das. Mich stört weniger, dass ich nicht viel mit ihnen anfangen kann, sondern mehr, dass es bei ihnen kaum Entwicklung gibt – von Mirita und Atschorek einmal abgesehen.

Ich habe das Buch trotzdem genießen können und egal, wie die Charaktere konzipiert sind: Es gab einige interessante (unter anderem auch neue) und nicht nur mit diesen konnte ich mitleiden. Abgesehen davon erhaschen wir mehr als nur einen Blick auf Magyria und was wir da zu sehen bekommen, lässt mich fast hoffen, dass es irgendwann ein weiteres Buch aus dieser Welt geben wird. Nur nach Möglichkeit aus einer anderen Perspektive, Hanna und Mattims Geschichte ist erzählt.


„Der Traum des Schattens“ kann nicht ganz mit seinem Vorgänger mithalten, da das Buch Fehler der vorherigen Bände wiederholt und nicht alles genauso gut macht wie noch „Die Seele des Schattens“. Trotzdem ist es ein spannendes Abenteuer, das zwar ein paar Längen hat, die insgesamt aber nicht zu sehr ins Gewicht fallen. Wer die Reihe zuvor mochte, sollte diesen Band jedenfalls nichts verpassen … wer bisher Zweifel hatte, sollte es sich vielleicht noch einmal überlegen.